Deutschlandlauf 2019 (13. Etappe)


Marathon Nr. 72



30.08.2019

Startzeit: 06:01 Uhr

Startnummer: 111

Startgebühr: 790 EUR

Marathonauflage: 

Start: Worms, Sporthalle von SV 1920 Horchheim e.V.

Ziel: Angelbachtal, Sonnenberghalle

Laufzeit: 11:13:18 h

HM-Zeit: 02:45:41 h

Pace: 09:15 km/min

Herzfrequenz: 128

Rundenanzahl: 1

Kalorienverbrauch: 5842

Finisher: 5 (8-Etappenläufer)

Rang: 4 (8-Etappenläufer)

Reisekilometer: 477

Temperatur (min): 21 C

Temperatur (max): 28 C

Wind: sehr wenig

Niederschlag: -

Wetterstand: leicht bewölkt

Höhenmeter: 324



Video-Impressionen vom 2. Etappentag (13. Etappe)

Interessanter Etappenlauf durch Rhein-Neckar-Kreis

Mein erster Doppel-Ultralauf in zwei Tagen

Meine Pflichtausrüstung durfte natürlich nicht fehlen...
Meine Pflichtausrüstung durfte natürlich nicht fehlen...

Auf ein gesundes Ankommen von Dieter Norf und von mir war ich sehr erleichtert. Über 61 Kilometer Lauflänge war ja in der 12. Etappe schon ein langer Weg für den Anfang. Vor allem war ich immer noch sehr stolz darauf, dass mein Lauffreund Dieter Norf in seinem Alter von 60 Jahren seinen ersten Ultralauf erfolgreich teilgenommen hatte. Auf seinen großen Willen, wo er die letzten 20 Kilometer im Alleingang durchgesetzt hatte, habe ich nicht damit gerechnet. Hut ab, lieber Dieter!

 

Meine zweite Nacht mit einem gemieteten Feldbett war schon eingewöhnt. Darüber brauchte ich nichts klagen und wie beim ersten Tag suchte ich einen separaten Raum für mich allein, das klappte wunderbar. Den allgemeinen Ablauf wie Aufstehen, Waschen, Umziehen und Frühstücken vor dem Etappenlauf verlief nach meinem Wunsch. Kein Stress habe ich gespürt und auf meinen zweiten Etappenlauf, wo ich dann mit 69 km von Worms bis Angelbachtal, indem wir dann hinter dem Schloss Eichtersheim an der schönsten Halle der gesamten Deutschlandlauf-Tour, der Sonnenberghalle, ankommen sollten. Olivers Tipp war in der Streckenbeschreibung zu lesen, dass auf dieser Etappe alle Teilnehmer ins Ziel im Angelbachtal ankommen. Das gab mir schon etwas Sicherheit vor meinem zweiten Ultralauf an zwei Tagen hintereinander.

DEAF VIDEO kommt in Kürze...

DEAF VIDEO is coming soon...

Nach dem lockeren Frühstück war ich gut gelaunt am Startbereich und habe diesmal wie versprochen mein Brustlampe angebracht. Davor hatte Oliver Witzke auf der Infotafel die Etappenbeschreibung für alle aufgeschrieben. Das fand ich klasse als hörbehinderter Teilnehmer, denn beim Briefing fiel es mir oft schwer, alles mitzuverstehen. Das Zeitlimit wurde auf einer Stunde mehr gerechnet, denn bei Tagestemperatur ab 26°C wurde immer eine Stunde zusätzlich angerechnet. Das war für mich optimal, denn pro Kilometer sollte man 12 Minuten erreichen und für diese gesamte Etappendistanz von 69 war das Zeitlimit von über 13,5 Stunden vorausgesagt. Also, ein lockerer Etappenlauf für mich war angesagt!

Bis zur bekannten Niebelungenbrücke in Worms von ca. 6 km war dann schon die Tageshelle begonnen. Diese große Niebelungenbrücke verbindet die rheinland-pfälzische Stadt Worms über den Rhein mit den hessischen Städten Lampertheim und Bürstadt. Sie ist die einzige Straßenbrücke zwischen Mannheim im Süden und Mainz im Norden. Sie wurde nach der Nibelungensage benannt und birgt mit dem Nibelungenturm eine Wormser Sehenswürdigkeit. 

 

Wir liefen auf einem Radweg weiter, wo wir bei ca. 15 km die Ortschaft Lampertheim erreicht haben. Den ersten Verpflegungspunkt (VP) hatten wir 1 km vorm Lampertheim bekommen. Oliver Witzke hatte uns schon an der Infotafel darauf hingewiesen, dass wir 4 Verpflegungsstellen zur Verfügung bekamen. Aber alle Abstände zum nächsten VP waren von ca. 13-15 km bestimmt und darum sollten wir unbedingt unterwegs unsere Trinkversorgung genug mitbringen. 

Bei 16,5 km überquerten wir an der Europabrücke und ich staunte etwas, warum sie so hieß? Ich habe mich im Internet nachgeschaut, ob es etwas Bedeutung gab? Fehlanzeige! Durch den Wald 6 km lang liefen wir einfach nur geradeaus nach Viernheim bei 25 km. Es wurde langsam wärmerer und oben nur wolkenloser Himmel zu sehen. 

Die zweite Verpflegungsstelle nach Viernheim bei 27,5 km war Karl Rohwedder sowie Isabel Möllendorf Lorenzo zuständig. Die Ehefrau von Karl war zum zweiten Mal beim kompletten Deutschlandlauf dabei. Das war Cornelia Rohwedder und alle haben großen Respekt vor dieser starken Etappenläuferin. Zurzeit stand sie nach 12 Etappen unter den Top 10 und somit für die weiblichen Teilnehmern an der ersten Stelle vor Gülay Bakir mit fast 10 Stunden Vorsprung. Zurzeit waren zwei aktive weibliche Sololäuferinnen laufend unterwegs. Beim Start in Sylt waren 5 Frauen angetreten. Bis zur 5. Etappen waren noch weibliche Sololäuferinnen zum Ziel angekommen. Danach nur noch diese beiden starken Frauen… 

 

Das Beste, das es im Laufsport gab, war die spektakuläre Hochzeit beim 100 Meilen Berlin (Mauerweglauf) im 2015. Die gehörlose Berlinerin Cornelia, ehemals mit ihrem Geburtsnamen Balke, war mit dem hörenden Ultraläufer aus Braunschweig Karl Rohwedder beim 100 Meilen Berlin gemeinsam am Start. Sie wollten die ganze Mauerwegstrecke mit einer Gesamtlänge von 160,9 km zusammenlaufen. Ab 34 Kilometer gingen sie zum Standesamt in Hennigsdorf, nordwestlich von Berlin, und ließen sich heiraten. 

Nach weiteren 127 Kilometern und insgesamt 26,5 Stunden liefen beide im Berliner Jahn-Sportpark als Eheleute Rohwedder durch Ziel. Das fanden viele von diesem Ultralaufpaar megacool! Beide liefen vor zwei Jahren auch zusammen beim gesamten Deutschlandlauf und in diesem Jahr war Karl Rohwedder diesmal der Begleiter von Conny bzw. zusätzlich aktiver Helferteam für DLL2019. Ein ganz netter Typ mit großem Läuferherz und ich mag seine ruhige Bescheidenheit. 

 

Nach Viernheim erreichten wir dann den neuen Bundesland Baden-Württemberg und das bei 30 km die Gemeinde Heddesheim. Sie liegt in der Nähe von Mannheim und ist ein Teil der Metropolregion Rhein-Neckar.

 

Danach erreichten wir die schöne Altstadt Ladenburg. Vorher ließ ich in der Tankstelle mit einem Radler erfrischen. Es war für mich schon sehr warm und brauchte deswegen ein wenig Abkühlung.

Danach erreichten wir die schöne Altstadt Ladenburg. Vorher ließ ich in der Tankstelle mit einem Radler erfrischen. Es war für mich schon sehr warm und brauchte deswegen ein wenig Abkühlung. Ab 39 km erreichte der Neckar mit uns und bis zur Marathonmarke kam Heidelberg. Sie ist eine Stadt am Neckar im Südwesten Deutschlands. Heidelberg ist bekannt für die altehrwürdige Universität, die im 14. Jahrhundert gegründet wurde.

 

Sieben Kilometer südlich von Heidelberg war dann Leimen zu sehen, die „Bum-Bum-Becker-Stadt“. Leimens berühmtester Sohn – Boris Becker. Er war wohl erfolgreichste deutsche Tennisspieler aller Zeiten. Dort wurde er geboren und wuchs die ganze Kindheit auf. 

 

Boris Becker hatte immer zu Leimen gestanden und Leimen damit ebenfalls weltbekannt gemacht. Wenn er bei Turnieren in Amerika, Europa oder Australien auftrat, fiel auch der Name seiner Heimatstadt, mit der er sich auch heute noch verbunden fühlte.

 

Neben den vielen Ehrungen und Pokalen, die er im Laufe seines Sportlerlebens erhielt, war Boris Becker besonders stolz, jüngster Ehrenbürger Leimens zu sein. Diese besondere Ehre wurde ihm 1986 verliehen und verdeutlicht damit auch den Stolz, den man in Leimen auf seinen berühmtesten Sohn hegt - Bumm-Bumm-Boris! Deswegen hatte ich schon lange vor, in Leimen beim Brauhaus mit einem frisch gezapften Bier auf diesen Tennisspieler zu besuchen. Ich hatte bis zum Ziel in Angelbachtal noch viel Zeit. 

Nach 20-minütiger Pause im Biergarten lief ich die nächste Gemeinde Nußloch, 10 Kilometer südlich von Heidelberg an der südlichen Bergstraße und badischen Weinstraße.

 

Es wurde immer wärmer und mir war schon viel zu warm im Ganzkörperanzug. Tja, „wer schön sein will, muss leiden!“ – so habe ich zu mir gedacht. Egal, ich musste durch und durfte mich nicht blamieren lassen. 

 

Mit offenen Augen habe ich erstaunlich die fahrende Seilbahn in der Umgebung von Nußloch gesehen. Das war die Materialseilbahn Leimen-Nußloch mit einer Länge von 5,4 Kilometer. Sie führte vom firmeneigenen Kalksteinbruch in der südlich gelegenen Nachbargemeinde Nußloch zum Zementwerk am Produktionsstandort des Unternehmens in Leimen. Pro Stunde hat die Seilbahn eine Kapazität von 330 Tonnen. Sie erspart insgesamt ca. 40.000 LKW-Fahrten pro Jahr. Der Kalkstein ist die Basis für die Produktion von ca. 540.000 Tonnen Zement und 110.000 Tonnen Klinker pro Jahr. Zement wird im Werk bereits seit 1896 hergestellt. Zunächst kam der Kalkstein aus dem Steinbruch in Leimen, der heute ein Naturschutzgebiet ist und seit den 60ger Jahren aus Nußloch.

 

Nach 3 Kilometer von Nußloch kam dann Wiesloch an der Reihe und ich fand Streckenbeschreibung für die 13. Etappe von Oliver Witzke wirklich lustig. Er meinte uns allen Teilnehmern, dass nach der „Bum-Bum-Becker-Stadt“ Leimen viele Löcher geben könnte, wie Nußloch, Wiesloch, „Motivationsloch“… Da musste ich an dieser Strecke gleich daran denken und etwas hatte er doch Recht. Ab da hatte ich das Gefühl, die Laufstrecke wurde immer länger. 

Nach herausfordernden 69 Kilometern befand sich das Ziel hinter Schloss Eichtersheim an der schönsten Halle der ganzen Deutschlandlauf-Tour, der Sonnenberghalle.

 

Es war ein schönes Laufgefühl, als ich durch den großen Park (fast 7 Hektar groß) vorbeigelaufen habe. Das Schloss Eichtersheim ist ein Wasserschloss in Eichtersheim, einem Ortsteil der Gemeinde Angelbachtal. Es wurde im 16. Jahrhundert gebaut und hatte seit 18. Jahrhundert sein heutiges Aussehen. Das Schloss war mit einem geschlossenen Wassergraben umringt.

 

Ich war nach meinem zweiten Etappenlauf hintereinander wirklich überglücklich, denn es war mein erster Doppel-Ultralauf an zwei Tagen. Noch war ich nicht in körperlicher Erschöpfung und konnte dann mich auf den nächsten Tag bereitstellen.

 

Die Sonnenberghalle war wirklich sehr schön und modern zu sehen. Später daheim habe ich im Internet nachgeschaut und war noch mehr erstaunt darüber. In dieser Sonnenberghalle konnte man in drei teilbare Halle Sport betrieben und wurde von den örtlichen Vereinen und Gruppen genutzt. Man könnte auch in dieser Halle Feiern, denn das Foyer ist ein idealer Veranstaltungsort für die private Feierlichkeit bis zu 130 Personen. Wirklich vom Feinsten!

 

Noch an dem Abend habe ich im Facebook mit meinem Album „Deutschlandlauf 2019“ ein paar Bilder mit zusätzlichen Beschreibungen für meine Tagesetappe Nr. 13 sowie im WhatsApp gepostet. Bevor ich in der dunklen Lagerraum dieser Sonnenberghalle schlafen wollte, hatte ich wirklich ein sehr gutes Gefühl beim Deutschlandlauf. Ich könnte es alles schaffen, solange es mir nicht Schlimmes dazwischen kommt…


Strecke (Route)

(Original-Laufstrecke von Oliver Witzke)
(Original-Laufstrecke von Oliver Witzke)
(meine Laufstrecke)
(meine Laufstrecke)

Höhenprofil 13. Etappe
Höhenprofil 13. Etappe

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