5. Fishermanstrail (Winter-Edition)


Marathon Nr. 41



24.02.2018

Startzeit: 8:00 Uhr

Startnummer: 115

Startgebühr: 45

Marathonauflage: 5

Start: Alt-Schwerin, An der Fischerei

Ziel:  Alt-Schwerin, An der Fischerei

Laufzeit: 06:11:42 h

HM-Zeit: 02:14:55 h

Pace: 07:17 km/min

Herzfrequenz: 146

Rundenanzahl: 1

Kalorienverbrauch: 5623

Finisher: 60

Rang: 44

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 310

Temperatur (min): -3 C

Temperatur (max): 0 C

Wind: aus allen Richtungen mittelmäßig

Niederschlag: -

Wetterstand: abwechselnd sonnig/bewölkt 

Höhenmeter: 196



Mit viel Kaltwind laufend unterwegs

Ein schöner, kalter Landschaftslauf um den Plauer See

Robert lief mit dem Aufdruck am T-Shirt "Gedenklauf für unsere verstorbene Perserkatze Madonna" beim Kristallmarathon, eine Woche vor diesem Fishermanstrail. Wir hatten diese Teilnahme schwermütig abgesagt... Großes Respekt für sein Mitgefühl!
Robert lief mit dem Aufdruck am T-Shirt "Gedenklauf für unsere verstorbene Perserkatze Madonna" beim Kristallmarathon, eine Woche vor diesem Fishermanstrail. Wir hatten diese Teilnahme schwermütig abgesagt... Großes Respekt für sein Mitgefühl!

An diesem Tag wäre ich in Israel beim schon lange angemeldeten 10. Tel Aviv Marathon mit meinem gehörlosen Freund Steffen (als Rollstuhlteilnehmer) anwesend, aber einige Zeit später durch Steffens Entscheidung wollte er dort wegen der politischen Lage nicht teilnehmen. Es könnte dort wahrscheinlich etwas mit Terroranschlägen passieren und ich hatte ihm einfach auch mit entschieden. Später habe ich auf meine schnelle, blinde Entscheidung doch bereut. Ich hätte mich auf meine innere Stimme hören sollen und fand wirklich schade, dass ich nicht dort dabei war. Dort war es alles wunderbar und friedlich.

 

Durch diese ärgerliche Absage konnte ich im Monat Februar ohne Marathonteilnahme für mich nicht damit leben und ich hatte mich für diesen langen Landschaftslauf an der Mecklenburgischen Seenplatte schnell entschieden. Es war nicht weit von zu Hause und sowieso eine interessante Herausforderung für mich. Mit 51 km langer Ultralauf um den Plauer See könnte mich reizen. Es gibt sehr viele schöne Seen an der Mecklenburgischen Seenplatte zu finden, egal ob man im Winter oder im Sommer dort bestimmte Ausflüge macht, hat man dort oft einen positiven Ruf. Genauso hatte ich aus den verschiedenen Laufberichten vieles Positives über diesen „Fishermanstrail“ mit Begeisterung gelesen und deshalb ohne Wenn und Aber meine bereitwillige Anmeldung beim 5. Fishermanstrail in der Winter-Edition.

 

Mein letzter langer Ultralauf (61 km) war beim Deutschlandlauf im Juli 2017 und hatte meinen großen Bedarf, wieder ein Lauf über die Marathondistanz mitzumachen.

Ein paar Tage später nach meiner Anmeldung hatte ich plötzlich den Einfall, ich könnte mein gehörloser Lauffreund Robert auch nachfragen, ob er mal bei diesem Lauf mitmachen möchte? Es wäre sein erster langer Ultralauf ab 50 km und er brauchte natürlich Zeit zum Nachdenken. Wenige Tage später gab er mir bekannt, dass er seinen Mut beweisen möchte, ebenfalls beim Ultralauf mit mir starten will. Ich war wirklich froh darüber und ich gab ihm den großen Mut. Er würde es locker schaffen, denn für alle Teilnehmer*innen gab ein Zeitlimit von 8 Stunden für 51 km. Deshalb war für mich klar, dass er mit Sicherheit es schaffen kann! Trotzdem war er immer noch ein wenig unsicher und das lag daran, die Erfahrung für einen langen Lauf fehlte ihm. Für mich war das normal und bei jedem ganz bestimmt so.

 

Die Leistungen mit der bezahlten Startgebühr waren für alle:

  • Pastaparty am Vorabend
  • Frühstück am Wettkampftag
  • 4 Verpflegungsstellen auf der Laufstrecke
  • GPS-Track sowie Trail-Map für die Laufstrecke
  • Siegerehrung
  • Erinnerungstasse sowie –medaille „Fishermanstrail“
  • Urkunde

Das war wirklich großzügig vom Veranstalter. Am Freitag gab es Briefing über den Streckenverlauf.

 

Wir sollten schon ganz früh von uns zu Hause losfahren, da der Start schon um 8 Uhr begann. Die Startnummernausgabe war zwischen 7 bis 7:45 Uhr und unser Plan war mindestens eine Stunde vor dem Startbeginn da zu sein. Auf der Autobahn war ganz ruhig und sehr wenig Verkehr. Laut Wettervorhersage sollte den ganzen Tag trocken bleiben bzw. stark bewölkt sein. Das war für uns nicht schlimm. Die Tagestemperatur sollte auch bei knappen Minus-Grad bleiben. Hauptsache, alles trocken und kein Schneematsch beim langen Landschaftslauf…

 

Gerade noch waren wir um 7:15 Uhr gut angekommen und auf dem ersten Blick für uns war das oben festgezogene Schild „5. Fishermanstrail“ leicht zu erkennen. Für mich war die Vorfreude endlich angekommen, nachdem ich das Plauer See im Hintergrund gesehen habe. Oben am Himmel schien schon etwas die Sonne und alles sah recht winterlich aus. Schnell holten wir unsere Startnummer im Restaurant „Forelle“ und dort waren viele Ultraläufer*innen beim Frühstück zu sehen. Wir staunten über das relative etwas knappe Frühstück, denn in ca. 45 Minuten wird es losgestartet. Wie schaffen sie das wahrscheinlich mit vollen Magen beim Lauf unterwegs? Für uns eine unvorstellbare Situation – vielleicht hatten sie genug Erfahrungen damit? Ein paar bekannte Gesichter waren mit der freundlichen Begrüßung zu finden. Die meisten haben ja viele Erfahrungen bei langen Ultraläufen gesammelt, so wie ich sie zum größten Teil kannte…

 

Ich fragte ein paar Teilnehmer nach, wer der „Holger“ war (er sollte der Organisator sein und in der Homepage war sein Vorname häufig zu lesen). Ich wollte einfach ihn höflich begrüßen. Er war mit dem Westernhut leicht zu erkennen. Nach unserer persönlichen Vorstellung habe ich zu Holger erklärt, dass wir durch den positiven Ruf von den letzten Fishermanstrail mit großem Interesse hierhergekommen waren. Der Veranstalter stellte zweimal im Jahr diesen Trail-Lauf, einmal im Winter und im Sommer. Im Sommer sollte sehr schön sein. So hatte mir der pfeilschnelle Uwe mit dem auffälligen Fußballtrikot von 1.FC Union Berlin empfohlen, wo wir uns in Prora bei Binz auf Rügen (Ostsee) beim Marathonlauf (Rügentriple) im Juli 2017 getroffen hatten. Dort kann man locker nach dem langen Lauf am Abend in der geselligen Runde grillen bzw. gemütlich feiern. Aus der Webseite vom Fishermanstrail konnte man viele schöne, zufriedenstellende Schnappschüsse aus den letzten Jahren sehen.

 

Schnell haben sie unsere Personalausweise nachgeprüft und den Haftungsausschluss sollten wir unterschreiben, das war für uns verständlich. Im Normalfall sollte es für die Samstagreisende eine Kurzanweisung geben. Das hatten wir nicht und eine wichtige Sache mussten wir schnell erledigen, nämlich unser Umziehen! Bei Robert war schon

von zu Hause etwas mit der Laufbekleidung vorbereitet, bei mir ganz im Gegenteil… Da wir keine Umkleidemöglichkeit dort gefunden hatten, nahmen wir als Notfall seinen großen Van die Umkleidekabine. Für mich war das wieder eine neue Seltenheit und das hatte mir wunderbar gefallen. Für die interessanten Neuigkeiten freue ich mich immer auf jeden Marathonreisen. Das bleibt wieder in meiner guten Erinnerung. Es gab bisher immer was Interessantes zu erleben. Die Pflichtausrüstung laut in der Ausschreibung hatten wir mit gutem Gewissen besorgt. Schnell ein paar Foto-Schnappschüsse für uns hatten wir besorgt, das war ein MUSS für mich… Für mich ist ein Laufblog ohne Fotos wie ein Buch ohne Inhalt!

Die älteste Teilnehmerin am Start war Sigrid und ich freute mich schon immer auf ihre Teilnahme. Sie war bisher immer so locker und ließ an ihren Händen richtig dick verpacken, damit man nicht abfriert. Für meinen Lauffreund Robert war das erste Mal, diese Weltrekordhalterin im Marathon für Frauen, Sigrid hautnah zu sehen. Für ihn war ein erstaunlicher Anblick, wie sie in ihrem hohen Alter mit 77 Jahren noch sportlich fit war. Soviel ich es wusste, war sie an diesem Tag schon über 2100 Marathonläufe (inkl. Ultra- und Etappenläufe) beteiligt. Wirklich eine bemerkenswerte Laufleistung von ihr!

 

Holger rief allen Ultraläufer*innen zu einem Gruppenfoto, er hatte mit seiner Spezialkamera ja in der Hand! Danach waren wir schon am Start. Es ging locker los und wir folgten hintereinander in Schlangenform durch der Uferlinie. Die Sonne schien an unserer Seite gemütlich und der Anblick zum See war herrlich. So schön kann der Winter sein!

 

Nach 1,5 km war dann mit dem Treppensteigen dran. Dann wurde die Orientierung für alle wirklich einfach, immer dem Radweg-Schild „RW Plauer See“ folgen. Am Campingplatz Malchow waren dann bei 5 km zu sehen. Wir ließen uns locker im angenehmen Marathontempo und wir haben wie schon erwartet unsere GUTE LAUNE, es blieb für uns noch ein langer Lauf mit großer Spannung. Wir ließen uns überraschen, was dabei unterwegs kommen konnte?

 

Dann mit gleichmäßigem Laufschritt durch den Wald und alles noch trocken auf Waldwegen. Bis zum ersten Verpflegungspunkt (VP) an der Lenzer Höhe, waren die ersten Läufergruppen am Anfang schon ganz vorne schnell weg und nichts mehr zu sehen. Ich hatte dem Robert getippt, dass Uwe an diesem Ultralauf wieder gewinnen wird. Seit 2016 war Uwe bei ALLEN Fishermanstrail-Läufen in der Sommer- sowie Winter-Edition als Erster angekommen (5-mal in Folge!) und alle unter 4 Stunden bei 51 km Streckenlänge – alle Achtung, eine fantastische Laufleistung von ihm!

Nach der ersten Verpflegung kam wieder eine hohe Treppe mit ca. 30 Stufen zur Stelle. Ab 14 km ging es dann nach Bad Stuer in den Wald. Viel Schönes am Plauer See konnte man bis dort ansehen. Meistens waren im Wald mit sichtbar blauen Pfeilrichtungen markiert und noch konnten wir zum Glück nichts verlaufen. Mit meinem angenehmeren Lauftempo hatte ich alles im Griff. Eine Sache störte mich bisher sehr, dass der kalte Wind aus allen Richtungen kam. Es war ja auch Winter und darüber sollte ich nicht zuviel klagen…

Der zweite Verpflegungspunkt war nahe am Campingplatz Bad Stuer, der gemütlichste und südlichste Zipfel des Plauer Sees. Bevor wir noch im Wald zum zweiten VP ankommen sollten, gab es ein zusätzlicher weiterer Anlaufweg bis zum „Mütze Fischimbiss“. Dort waren viele Ferienhäuser direkt am Bärenwald sowie kleine Angelteiche zu sehen. Der nette Besitzer namens Harald war so nett, dass er uns die warmen Tassen Brühe zusätzlich gegeben hatte und das tat uns richtig gut. Es war immer noch kalt bzw. sehr windig und ich hatte mich darüber geärgert, denn ich kam ohne Unterhose beim langen Ultralauf unterwegs. Ich bekam während des Laufes nur das kalte Gefühl, als ob ich nur mit einem Damenstrumpf angezogen hatte. Wie dämlich von mir!

 

Fast wären wir nach der zweiten Verpflegung in die falsche Richtung gelaufen, als ich zur kleinen Straße etwas steil oben zur B 198 weiterlaufen wollte. Wie ich Robert persönlich kannte, er hatte seine Stärke mit der Orientierung. Deshalb hatte er schnell den Irrtum bemerkt und ich wollte aus meinem Laufrucksack die ausgedruckte Laufstrecke (gut und deutlich vom Veranstalter für uns aufgestellt) für uns holen. Leider hatte ich in seinem Van die Infokarte gelassen, das war ein totaler Mist.

Ich hatte daheim für diesen Lauf alles gut vorbereitet und ausgerechnet an diesem Lauftag nichts mitgebracht, das darf doch nicht wahr sein! Zum Glück konnten wir etwas aus unseren eingeprägten Köpfen noch den richtigen Laufweg finden.

 

(Daheim hatte ich noch einmal nachgeschaut, vom Veranstalter gab zusätzlich auch die Streckenbezeichnungen in Wort und Bild. Da sollten wir eigentlich recht zur kleinen Brücke überqueren.)

 


 

Wieder durch den schönen, aber welligen Wald liefen wir noch gemeinsam weiter. Wir hatten bisher unseren Spaß. Bevor wir bald in Plau am See erreichten, stand ein großes Holzschild „LUFTKURORT PLAU AM SEE“. Es war ein staatlich anerkannter Kurort. Das Wort „Luftkurort“ hatte ich noch nie erfahren. Dann kam für uns wieder der Radweg zur Verfügung. Ab da war dann fast genau die Hälfte der gesamten Laufstrecke für uns erreicht. Ab 27 km bemerkte ich schon, dass mein Lauftempo unerwartet immer langsamer wurde. Da gab ich meinem Lauffreund Robert mein klares Zeichen, dass er schon alleine weiterlaufen kann, wenn er möchte. Ich würde nicht auf ihn böse sein und auf seine mutige Entscheidung mit dem ersten langen Ultralauf habe ich mich immer wieder gefreut. So wie er bis jetzt am Lauf positiv auftritt, hatte ich zu mir leise gesagt: „Er schafft das locker!“

 

Abwechselnd nahm ich bei den weiteren Kilometern in Wander- sowie Laufschritten. Der kalte Wind war immer mein unangenehmer Begleiter. Leider war es nicht möglich, ihn zu vermeiden. Meine verkrampften Oberschenkeln sowie mein A… waren richtig russisch kalt und ich nahm selbst vorsichtig an, nicht beim weiteren Lauf zu übertreiben. Es könnte vielleicht eine leichte Zerrung für mich geben. Zur Ablenkung konnte ich viel am Plauer See schöne, erlebnisreiche Momente ansehen, auch wenn keine Schiffe, Boote oder Segler zu sehen waren. Dieser Anblick mit Sonnenschein zum See war für jeden ein winterlicher Genuss.

 

An der B 103 kamen dann für mich zwei erkennbare Wege vor der Brücke, wo der Fluss Elde durchfloss, zur Wahl. Kurzes Überlegen und das hatte auch viel mit Logik zu tun. Meine Frau kannte mich schon lange, ich habe tatsächlich meine große Schwäche an Logik. Deswegen habe ich nach meinem Bauchgefühl entschieden, also einfach über die Brücke weiterlaufen und dann suchte ich wieder eine zweite Antwort, in welcher Richtung ich nun nehmen sollte? Geradeaus oder gleich um die Kurve vom Radweg zum kleinen Hafen von Plau am See? Zufällig sah ich den winkenden Mann (wahrscheinlich ein Helfer vom Veranstalter?) aus dem dritten VP und das war meine notwendige Rettung gewesen.

 

Nun kam ich dort bei 30 km an der Café Pavillon an und alles in voller Zufriedenheit blieb ich bei der Verpflegung etwas länger als sonst. Es gab zum Glück warmen Tee und einiges Essen zum Verstärken. An der Elde war fast alles eingefroren und viele Boote bzw. Kleinschiffe standen beiseite da. Dieser kleine Hafenplatz erinnerte mich bei meinem 5. Marathonlauf „Müritz-Marathon“ und es sah wie der Ort Röbel, der bunte Hafen am kleinen Meer, aus.

Nun musste ich weiterlaufen und immer durch den erkennbaren Radweg „Plauer See“ folgen. Nun erreichte ich bei dem Stadtteil Quetzin. Als ich über die kleine Straße gequert hatte, stand ich wieder mit der Ungewissheit. Die Pfeilmarkierung zeigte geradeaus und es war nichts weiter, außer links ein paar weiter war dann der Waldweg zu sehen oder doch links immer weiter am Radweg? Das war nicht gut, dass ich die wichtige Streckenkarte nicht mitgebracht habe. Es sollte eigentlich ein Teil der Pflichtausrüstung sein. Auch die Telefonnummer von Holger, da fiel mir erst ein, für den Notfall habe ich nicht vorher besorgt.

Ich hatte auf den Radweg getippt und weitere 2 km bis zur Einmündung der B 103.

 

Wieder war auf dem asphaltierenden Radweg mit viel unangenehmeren Gegenwind zu bekämpfen. An meiner Sportuhr zeigte ab dort nun das „Marathönchen“ (42,195 km). Das war wirklich für mich bisher der brutalste Lauf mit über 4 km starken Gegenwind. Zum Glück hielt mein Hut noch fest, aber die eisige Kälte in der Luft schlug mein Gesicht schmerzhaft zu sehr. Ich suchte immer noch vergeblich die blauen Pfeile auf dem Radweg und ich machte zu oft Gedanken selbst. Vielleicht habe ich eine wichtige Stelle mit dem blauen Pfeil zum Abbiegen einfach übersehen? Zurücklaufen wäre ja blöd!

 

Zwischendurch habe ich ein lockerer Videoanruf mit meinem gehörlosen Lauffreund Georgios aus Reutlingen (Baden-Württemberg) teilgenommen. Er hatte sich auf meinen Videoanruf sehr gefreut und gab uns das Lob für unsere Teilnahme. Er meinte, dass wir trotz bei starker Kälte und diesen langen Weg doch unseren Kopf mit viel Nerven behalten hatten. Gogo (sein Spitzname von Georgios) hatte bei seiner ersten Marathonteilnahme in Athen im November 2017 ebenfalls mit mir zum ersten Mal videotelefoniert und das war für mich die beste tolle Neuheit. Mitten beim Marathonlauf so locker einfach jemanden anzurufen und sein Gesicht im Video zu präsentieren, das hatte er locker getan und darum wollte ich in diesem Ultralauf mit meinem Videoanruf auch zurückgeben. Es war auch für mich sowieso langweilig auf diesem Radweg, weit und breit kein weitere Läufer*innen zu sehen. Ich bin eher ein unterhaltsamer Typ. Für die Gehörlosenwelt war die Videotelefonie eine wichtige Kommunikationsmöglichkeit und dafür danken wir mit der heutigen Multimediagesellschaft.

 

Zum Glück waren bei 44,3 km ein paar große Schilder auf der B 103 zu sehen und ich war richtig sehr erleichtert, dass ich doch den richtigen Laufweg gefunden habe. Ein blauer Pfeil stand vorm Abbiegen drauf. Nun kam ich auf der B 192 zum letzten VP an und ich staunte nicht schlecht. Es gab nur Kirschkuchen am Blech und Kaffee zur Verfügung. Das passte zu meinem Tagesgeschmack und ich hatte einfach großen Appetit darauf. Weil der erste Kuchen mir so schmeckte, nahm ich noch zwei weitere Kuchenschnitte ein. Der Kaffee war für mich eine gute zusätzliche Unterstützung zum Aufwärmen. Die männlichen Helfer teilten mit, dass für uns noch fast 5 km bis zum Ziel betrugen und ich war heilfroh, dass es bald alles vorbei war.

 

Mit lockerem Biss ging ich weiter bis zum Campingpark am See bei 47 km, wo dann viele Campingsstände sowie Wohnwagen zu sehen waren. Alles war im ruhigen Winterschlaf bis auf ein paar Leuten beim Spazierengehen. Zum Glück kam eine Läuferin entgegen, nachdem ich gute 5 Minuten am Plauer See war. Dort waren die Eissegler sofort zu erkennen und ich hatte wirklich noch nie in der

Realität gesehen. Ein wenig aufgeregt war ich aufs Eis vom See. Es wäre mir zu peinlich, ein Kostümläufer mit Hut bei Eisbruch ins kalte Wasser hinunterfällt. Es klappte wunderbar und die Eissegler*innen waren erstaunt und wollten gern wissen, was ich für ein Lauf teilnahm? Sie hatten ja mein Startschild mit dem Betreff „Fishermanstrail“ erkannt. „Einmal um den Plauer See ab Alt-Schwerin laufen“! habe ich sie angesprochen. Sie waren sprachlos und konnten sich selbst gar nicht vorstellen, bei der Kälte so ein langer Lauf mitzumachen. Für mich war die Normalität.

Neben der Läuferin Margit lief ich weiter und das war für mich eine große Hilfe gewesen, denn ich konnte etwas mit ihrem Wohlfühlstempo folgen. Sie kannte sich mit der Laufroute aus. Sie war schon zum vierten Mal hier. Dann sah ich endlich das Haus des Fischers und Holger war auch am Zielbereich zu erkennen. Stolz bekam ich dann im Restaurant die Fisherman-Erinnerungsmedaille in Blinkerform. Mal was anderes! Dazu bekam jeder auch Urkunde sowie Fisherman-Trinktasse und zusätzlich ein kleines personalisiertes Namensaufkleber. Das sollten wir selbst an der Rückseite der Medaille überkleben. Als großen Dank wollte ich mit Holger ein Foto besorgen, denn er hatte ja sowie mit seinem Helfer-Team wirklich dort Großartiges durchgeführt.

 

Robert kam mit seinem ersten langen Ultralauf von über 50 km unter 6 Stunden zum Ziel. Er berichtete mir kurz, dass er davor etwas in die falsche Richtung gelaufen hatte. Es war kurz vor der Eingangsschranke nach dem Campingplatz, das konnte ich gut erinnern. Birgit war ja an meiner Seite und ich wäre genauso falsch abgebogen wie bei ihm. So musste er um ca. 700 Meter mehr zusätzlich bis zum Ziel laufen.

 

Anderseits hatte ich mich auf ihn sehr gefreut, dass er seine Bewährungsprobe locker bestanden hatte und meine positive Überzeugung für seinen Lauf hatte gestimmt. Es gab für alle alkoholfreie Weizenbiere „Störtebecker“ sowie Wasser zur Verfügung. Nebenbei hatten wir für unseren Hunger die leckere, selbstgemachte Fischsuppe bestellt.

 

Mit dem Duschen hatten wir locker verzichtet und auf der Autobahn-Raststätte gab es für LKW-Fahrer die Duschkabinen zur Verfügung. Für wenige Extrakosten waren wir dort beim Duschen sauber beteiligt.

 

Leider hatten wir Pech bei unserer Heimreise und seit Vormittag gab es ein schwerer Verkehrsunfall auf der A10 zwischen Dreieck Havelland und der Anschlusstelle Oberkrämer. Dann war für eine Vollsperrung und langer Stau im Tagesprogramm. Ein Lkw war aus ungeklärter Ursache umgekippt und auf dem Dach zum Liegen gekommen. Bis zur Ausfahrt, wo nur 7 km waren, brauchten wir 2 Stunden dafür.

Wir sollten uns auf anderer Seite doch richtig froh sein, dass es nicht bei der Hinreise gewesen wäre. Da hätten wir mit Sicherheit nicht den schönen, langen Landschaftslauf teilgenommen.

 

Zu Hause war ich rundum mit diesem wunderschönen Landschaftslauf sehr zufrieden. Die Streckenbeschaffenheit war abwechslungsreich, ca.25% befestigte Wege und 75% Waldwege sowie Single Trails. Der Plauer See war fast die gesamte Laufstrecke immer mit diesem Lauf zu sehen. Es war für mich wie eine Bilderbuchreise durch die Mecklenburgische Seenplatte. Nochmals herzlichen Dank an alle!!!

 

Ich möchte gern schon noch ein interessanter Ultramarathon im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte, nämlich eine Runde Deutschlands größten Binnensee mit 75 km beim „Müritzlauf“ in meiner Sammlung haben. Nur dann habe ich alle wichtige Marathonläufe in der Müritzregion komplett teilgenommen.

 

Was mich noch am meisten darüber gefreut habe: Robert hatte nach dem harten, langen Lauf zu mir gesagt, dass es sein erster und letzter langer Ultralauf war und für ihn war die Marathondistanz schon die Schmerzgrenze. Aber einen Tag später war er mit seiner Frau Heike beim Spazierengehen in seiner Waldnähe und doch hatte er großen Lust, wieder ein weiterer Ultralauf mitzumachen. Er meinte zu mir, es war wie eine Sucht für ihn. Da musste ich immer wieder lachen… wie von mir richtig und gut ihn überzeugt habe, dass ein Ultralauf auch eine interessante Teilnahme sein kann…


Strecke (Route)


Kommentar schreiben

Kommentare: 0