Der Mauerweglauf (100 Meilen Berlin)


Marathon Nr. 46



11.08.2018

Startzeit: 19:59 Uhr

Startnummer: 2012-2

Startgebühr: 90

Marathonauflage: 8

Start: Berlin, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

Ziel:  Berlin, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

Laufzeit: 10:13:03 h (70 km)

HM-Zeit: -

Pace: 08:34 km/min

Herzfrequenz: 149

Rundenanzahl: 1

Kalorienverbrauch: 6633

Finisher: 24 (2er Team)

Rang: 22 (2er Team)

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 52

Temperatur (min): 18 C

Temperatur (max): 20 C

Wind: schwach/mittelmäßig

Niederschlag: -

Wetterstand: sternenklar

Höhenmeter: 199



Stille Nacht beim Mauerweglauf

Start bei Sonnenuntergang - Ziel bei Sonnenaufgang

Als Motivator beim Zuschauen war ich am frühen Morgen für meine Frau als Startläuferin für die 10er-Gruppe dabei...
Als Motivator beim Zuschauen war ich am frühen Morgen für meine Frau als Startläuferin für die 10er-Gruppe dabei...

Eine unglaubliche, wunderschöne Laufgeschichte beim Berliner Mauerweglauf war leider schnell vorbei. Ich hätte es nicht gedacht, dass es alles am Ende so erlebnisreich und verlockend für mich war. Als ich vor drei Jahren mit dem Marathonlauf angefangen habe, habe ich schon öfters von 100 Meilen Berlin (heute auch genannt: Mauerweglauf) aus vielen verschiedenen Medienquellen erfahren. Das war damals für mich einfach eine Nummer zu groß, denn alles was mit Ultraläufen zu tun war, war ich schnell abweisend. Ganz einfach, zu lang und zu extrem ist der bekannte Ultralauf! Ab jetzt ist es für mich eine klare Begeisterung als Ultraläufer, nachdem ich bei diesem langen Ultralauf mitgemacht habe…

 

An diesem Mauerweglauf war es für mich ganz neu, denn sehr viele Hörgeschädigten waren bei diesem besonderen Laufevent dabei. Wie es dabei kam, haben wir unsere gehörlose Langstreckenläuferin namens Claudia S. zu verdanken. Sie ist seit 2015 im Mitglied beim „LG Mauerweg Berlin“. Durch ihre Idee, mit den Gehörlosen in der Staffelgruppe zusammen zu laufen, kam erst nach ihren Teilnahmen für die hörende 4er-Staffel aus den beiden letzten Jahren. In der WhatsApp-Gruppe "DEAF MARATHON" (überwiegend Halb- und Marathonis sowie Triathleten in dieser Gruppe) gab Claudia einen tollen Vorschlag und ihr größter Wunsch war so, dass möglichst viele Gehörlosen ein Team bilden sollte und beim Mauerweglauf mitzumachen. Es war für uns mit ihrem Vorschlag sehr interessant. Allerdings hatte Claudia uns schon vorgewarnt, dass die Anmeldungen für 100 Meilen schon gleich am Anfang sehr schnell vergehen werden. Fast 17 Leute haben für diesen Mauerweglauf sein Interesse gezeigt und das war für mich überraschend sehr viel. So kamen wir langsam zu einem vorbereiten Plan und es wurde locker drei Teams gebildet. Für den 2er- Team war ich verantwortlich für die baldige Anmeldung. Zwei anderen Jemands sollten für die 4er- sowie 10er-Staffelgruppen ebenfalls mit der Anmeldung gut vorbereiten. Wir waren sozusagen die "Kapitäne" und genau an dem wichtigen 9. November in der Mitternacht (Anmeldefreigabe erst ab 0 Uhr!) sollten wir darauf achten bzw. schnellstmögliches anmelden lassen. 


9 Monate zuvor

Aufgeregt waren die Kapitäne zu Hause kurz vor der Mitternacht an den Laptops und nach 10 Minuten waren unsere kompletten Anmeldungen für 3 gehörlose Staffelgruppen erfolgreich ausgegangen. Große pure Freude war bei allen zu erkennen, einige waren sogar in der Nacht noch wach und wollten auf die positive Ergebnisse erfahren lassen. Das war cool! Ein blanker Wahnsinn war das für mich, nach 10 Minuten waren die freien Startplätze schon alles vergriffen. Für die Staffeln standen vor der Anmeldung insgesamt 100 Startplätze zur Verfügung:

  • 25 Startplätze für 2er-Staffeln (91 km + 70 km),
  • 50 Startplätze für 4er-Staffeln (58 km + 32 km + 37 km + 34 km),
  • 25 Startplätze für 10Plus-Staffeln und
  • 5 Startplätze kann die Rennleitung nach freiem Ermessen (auch nach Meldeschluss) vergeben.

Nun sollten wir im Laufe der Zeit unsere Namen des Teams sowie seine Startreihenfolgen aufstellen. Was ich später mitbekommen hatte, dass der gesamte 2018er-Lauf bereits um 8:00 Uhr morgens ausgebucht war. Das war bisher ein großes Zeichen, das es sehr beliebt war und es wird sicher noch beliebter in der weiteren Zukunft!

 

Der Mauerweglauf (100 Meilen Berlin) ist ein interessanter Gedenklauf auf den Spuren deutscher Geschichte. Es findet jedes Jahr in Erinnerung an die Teilung Berlins und die Mauertoten statt.

Der 161 Kilometer lange Lauf wird auf dem größtenteils asphaltierten Mauerweg absolviert, der um das ehemalige West-Berlin führt und dem früheren Grenzverlauf entspricht.  Der Schirmherr für diesen Ultramarathonlauf ist der ehemalige Bürgerrechtler Rainer Eppelmann und findet jährlich rund um den offiziellen Mauerbau-Gedenktag am 13. August statt. An jenem Tag im Jahre 1961 wurde mit dem Mauerbau begonnen. Die Grenzbefestigung aus Beton und Stacheldraht wurde bis zur Wende die Kontrollfahrten für die Grenztruppen genutzt. Bis zum Mauerfall im Jahre 1989 kamen nach Erkenntnissen der Stiftung Berliner Mauer dort mindestens 138 Menschen, darunter 100 DDR-Bürger, bei Fluchtversuchen ums Leben. Aus diesem Grund trägt auch die Finisher-Medaille jedes Jahr das Porträt eines Maueropfers und  dieses Jahr war JÖRG HARTMANN zu sehen. Er war das jüngste Maueropfer und wurde nur 10 Jahre alt. Er hielt sich gemeinsam mit seinem 13-jährigen Lothar Schleusener nach Einbruch der Dunkelheit im Grenzgebiet im Berliner Stadtbezirk Treptow auf. Das wurde für diese beiden Jungen ein trauriges Schicksal gegeben. Ein Grenzsoldat sah ihre Schatten und eröffnete das Feuer. Beide Jungen verloren ihr Leben. Zwei Wochen nach Jörgs Tod erhält seine Großmutter die offizielle Nachricht vom Generalstaatsanwalt Ost-Berlins, dass Jörg ertrunken sei. Seine Leiche sei am 17.März aus einem See in Köpenick geborgen worden. Viele Jahre wurde der Tod von Jörg Hartmann und seinem Freund vom DDR-Regime verschleiert. Erst nach Öffnung der Mauer wird aufgedeckt, dass Jörg und Lothar Opfer des ostdeutschen Grenzsystems wurden….

In Gedenken an Jörg wurde eine besondere Aktion angestoßen: Jede*r Läufer*in war dazu aufgerufen, ein Spielzeug zu spenden und an Jörgs Gedenkort niederzulegen.

Seit 2011 war der 100-Meilen-Lauf immer in bekannter großer Beliebtheit zu erkennen und mehr als 400 Volunteers waren für die gesamte Laufstrecke verantwortlich und sie versorgten die Mauerwegläufer nicht nur an den gesamt 26 Verpflegungspunkten mit Getränken und Speisen, sondern sie waren auch Motivations- und Trostspender hinzukommend.

 

Eines Tages hatte der spätertaubte Mario Schr. aus Waldfeucht seinen wertvollen Versuch genommen und er schrieb an den Bayerischen Rundfunk (BR) an, ob die Sendung „Sehen statt Hören“ (SHS) daran Interesse hat, darüber uns zu berichten?! (siehe sein Schreiben als Foto) 

Von Ihm hätte ich nicht erwartet und schrieb ihm in der WhatsApp-Gruppe kurz dazu, dass das Sendungsteam "SHS" ganz bestimmt kein großes Interesse auf unsere Teilnahme beim Mauerweglauf. Null Chance habe ich an erster Stelle selbst gedacht, aber unser Mario blieb cool und sein Motto war: "Alles kann, nichts muss!"

 

SEHEN STATT HÖREN ist eine wöchentliche Fernsehsendung im Magazinformat speziell für gehörlose und schwerhörige Zuschauer.

Diese regelmäßige Sendung wird vom Bayerischen Rundfunk produziert und in allen Dritten Programmen der ARD sowie auf 3SAT und ARD-alpha wird sie ausgestrahlt. Sie ist zurzeit die einzige Sendung im deutschsprachigen Raum, die sich regelmäßig den Interessen und den Informationsbedürfnissen hörgeschädigter Zuschauer widmet. SEHEN STATT HÖREN wurde 1975 erstmalig ausgestrahlt und bis heute waren über 1600 Sendungen zu sehen. Darüber hinaus ist die gesamte Sendung untertitelt und die Moderation wird gebärdet.

 

Am 15. März bekam Mario Schr. die Antwort vom Bayerischen Rundfunk und es wurde mit seinem Themenvorschlag „Mauerweglauf Berlin“ überprüft. Das hieß für uns also, weiter Daumendrücken…

Von der hörenden Billa (sie beherrscht die deutsche Gebärdensprache) hatten wir eine Woche später ihre traurige Nachricht erhalten, dass sie aus der 10Plus-Staffelgruppe aus gesundheitlichen Gründen (Bandscheibenvorfall) nicht teilnehmen konnte. Nun musste dann ein Ersatz für Billa gesucht werden. Sehr schade für uns, denn Billa war mit der Anmeldung für den 10-Plus-Staffel verantwortlich und konnte als ERSTER der gesamten Staffelteams angemeldet. Dafür haben wir ihr viel zu verdanken. Zum Glück konnte man in kürzester Zeit einen Ersatz locker besorgt werden und es war der schwerhörige Läufer Lucas P. aus Neubrandenburg. 

 

Bei meiner erfolgreichen Anmeldung für die 2er-Staffel brauchte Jörg, dem deutschbekannten gehörlosen Ultraläufer (aktueller Weltrekordhalter für 100-km-Straßenlauf der Gehörlosen), seine Bedenkzeit bis Mai. Im Herbst 2017 bekam er vom Arzt die traurige Diagnose, dass er an seiner Hüfte die Arthrose (Coxarthrose) hatte. Das bedeutete für ihn also, dass er in seiner Zukunft nie wieder lange Läufe mitmachen sollte. Bei unserer schönen gemeinsamen Teilnahme beim 5. WHEW 100 (Run and Bike) in Wuppertal gab er das grüne Licht für seine Teilnahme beim Mauerweglauf. Mit diesen 91 Kilometer bei der 2er-Staffel würde er als sein Abschiedslauf mitmachen und für mich war das natürlich eine erstaunliche Befreiung. Für seine mutige Entscheidung habe ich zu ihm Vertrauen und war mir sicher, dass er es schaffen könnte. Es war ja ein großes Risiko für uns, ob er doch den langen Laufweg absolvieren konnte. Im Normalfall wollten wir eigentlich als Sololäufer mit der ganzen Mauerweg-Strecke antreten, aber wir blieben bei unserem klaren Verstand. Für uns war diese Herausforderung einfach zu groß, aufgrund der großen Belastung seiner Coxarthrose sowie meine sehr wenig Erfahrung als Ultralauf.

 

Ich war wirklich sehr sprachlos, als Mario Schr. Mitte Mai endlich die positive Antwort per E-Mail von Frau Putz, die Autorin vom Sehen statt Hören erhalten hatte. Scheinbar hat diese Sendung großes Interesse an unsere komplette Teilnahme und begann nun die Planung mit Mario Schr. Ich konnte immer noch nicht glauben, dass es doch über uns gedreht wird!

3 Monate zuvor

Im Mai bei den 6. Kulturtagen der Gehörlosen in Potsdam hatte Claudia S. mit dem gehörlosen Ultraläufer Jörg R. über die Auflistung der Staffelgruppen besprochen und so kam dann zu einer endgültigen Entscheidung von Claudia S. Aufgrund ihrer Armverletzung seit Monaten war sie nicht in optimaler Trainingsverfassung und deshalb hatte sie als Erstläuferin mit dem 58-km-Lauf für die 4er-Staffel bewusst verzichtet. Dafür war sie mit der kleineren Laufdistanz für 10 Plus-Staffel bereit. Die nächste Absage nach einigen Tagen kam wieder zur unerwarteten Stelle. Die gehörlose Bio-Studentin Linda H. aus München, die eigentlich als Schlussläuferin in der 4er-Staffelgruppe laufen sollte, musste unbedingt absagen. In diesem Zeitraum sollte sie dann von über ein halbes Jahr für das Studium in Norwegen bleiben. Weitere Ersatzsuche war wieder nötig und in kürzester Zeit hatten wir dann zwei neue hörende Ersatzläufer bekommen. Diese beiden Männer waren bereit, für die gehörlose 4-er-Staffelgruppe mitzulaufen. Henrik M. aus Berlin als Startläufer und den Schlussläufer nahm dann Wolfgang K. aus Erfurt. Sie sind erfahrene Marathonläufer und Henrik M. ist ebenfalls im Mitglied beim "LG Mauerweg Berlin", wo Claudia S. ihn schon lange kannte.

 

Am 28. Mai 2018 war für uns ein unvergesslicher, wunderschöner Zusage-Termin vom Sehen statt Hören. Die Autorin Frau Putz war selbst auch froh darüber, dass sie mit ihrem Kamerateam ein Film zum Mauerweglauf drehen konnte. Auf diese positive Nachricht war ich unglaublich sprachlos und nahm immer noch nicht richtig wahr. Deshalb musste ich unserem mutigen Mario Schr. loben, der mit seiner gut geglaubten Chance immer im Fokus blieb. Alle Teilnehmer*innen waren im großen Freudenausbruch.

 

Einen Monat später bekam Mario Schr. wieder von Frau Putz die schriftliche Mitteilung, dass sie und das Kamerateam mit uns drei Tage lang ein kompletter Filmbeitrag drehen möchten. Noch nie im Leben hatten wir für einen Filmbeitrag mit drei Drehtagen und wir waren natürlich sehr gespannt darauf, was am Ende mit dieser Sendung dabei rauskam? Claudia S. hatte beim 100-Meilen-Veranstalter, LG Mauerweg Berlin, für diese Dreharbeiten vom BR rechtzeitig informiert und selbst war der Veranstalter froh bzw. stolz darüber. Eine gute Werbung für diesen großen beliebten Laufevent war auf jedem Fall für den Veranstalter vorprogrammiert.

Eine Woche vorm Start

An dem sehr warmen Samstag waren ein langer Drehtag mit Frau Putz sowie ihr Kamerateam für uns. Frau Putz wollte etwas für ein reibungsloses Drehwochenende eine Woche später beim Mauerweglauf  gut vorbereiten. Nur die Hälfte der Mauerweg-Teilnehmer*innen waren dort mit dem Kamerateam in Begleitung und wir bekamen dann auch ein guter Überblick für unseren baldigen Start. Zum größten Teil der gesamten gehörlosen Teilnehmer kamen aus allen verschiedenen Richtungen von Deutschland und deshalb war uns verständlich, dass sie nicht an beiden Wochenenden nach Berlin hinfahren mussten. Mit dem ersten Drehtag hatten wir unseren Spaß und ich war selbst überrascht, wie eine geplante Sendung so gedreht wurde. Die Beteiligten an diesem Drehtag waren Mario Sch. und seine Lebensgefährtin Sigrid L. aus Waldfeucht, Frank L. (vor kurzem von Münster nach Potsdam umgezogen), Claudia S., hörender Wolfgang K. aus Erfurt sowie meine Frau Sabine und ich. Billa kam auch dazu als unterstützende Gebärdensprachdolmetscherin, obwohl Frau Putz etwas gebärden konnte. Billa war die hörende Läuferin, die im Frühjahr aus der 10Plus-Staffelgruppe leider absagen musste.

 

Erstaunlicherweise war für uns, als wir zum ersten Mal Frau Putz mit ihrem Kamerateam gesehen hatten. Sie wirkten auf uns supercool und ließen von ihrer Dreharbeit nicht so stressig machen. Jeder war beim Interview-Dreh automatisch mit der annähernden Zeit locker und es gab keine verkrampften Hemmungen für alle. Das fand ich vor allem toll!

1. Drehtag

12-24 Stunden vorm Start

Im Hotel "H4" am Berliner Alexanderplatz war am Freitag richtig viel los. Da war der Tag für die Abholung der Startunterlagen für alle Mauerwegläufer*innen. Unweit vom Hotel war vorher ein gemeinsames Treffen für alle gehörlosen Staffelläufern und endlich konnte ich ein paar neue Gesichter aus der WhatsApp-Gruppe "Deaf Marathon" persönlich kennenlernen. Bisher hatten wir nur über Handys kommuniziert und das war für mich schön. Bei der Startunterlagen-Abholung waren einige bekannte aktive Ultraläufer(innen) zu sehen, die morgen zum größten Teil auch mitmachten. Sogar die Weltrekordhalterin mit den meisten Marathonläufen Sigrid E. war vor Ort als Helferin zu sehen, toll!

 

Das Kamerateam hatte uns natürlich bei der Abholung sowie beim Briefing begleitet und diese Teilnahme am Briefing war für alle Teilnehmer sowie Begleiter die Pflicht! Zum Glück hatten wir beim Briefing zur richtigen Verständigung, wo fast nur ungefähr 50 Minuten gedauert hatten, eine Gebärdensprachdolmetscherin wie Billa zur Verfügung. Für uns hatte sich gelohnt, beim wichtigen Briefing teilgenommen zu haben und vieles konnten wir den wertvollen, gut verständlichen Informationen erhalten.

In der Zwischenzeit von 17 bis 20 Uhr gab es 100-Meilen-Buffet (Pasta-Party) und der Einlass galt nur für Teilnehmer mit Bändchen! Es war sehr reichhaltige, leckere Buffetauswahl und für alle war genug vorhanden. Einige bekannte hörende Teilnehmer*innen habe ich mit Freude wiedergesehen. Nach dem Briefing waren einige beim Interview mit Frau Putz dabei. Der bekannte Berliner Hobbyfotograf Stefan D., der auch einige Male mit den gleichen Laufkostüm wie meins unterwegs war, war im Auftrag vom Veranstalter dabei und wir waren sehr gespannt auf seine Fotos. Wie viele von ihm kannten, er machte viele schöne Schnappschüsse. Auch ein schönes Wiedersehen für mich war der bekannte Arbeitskollege Alexander und er ist auch ein guter schneller Läufer. Er organisierte für unsere Sportgemeinschaft BMF 07 e.V. einige Staffelläufe, wie z.B. Berliner Wasserbetriebe 5x5km Staffellauf, Airfield Run (ehemals Berliner Marathonstaffel) sowie Lauf um den Britzer Garten. 

 

Wie jeder ganz genau gewusst hatte, dass alle Starter*innen beim Mauerweglauf sehr unterschiedliche Startzeiten hatten. Schon um 6 Uhr frühmorgens sollten die Sololäufer losstarten und für alle Startläufer der Staffelgruppen dafür eine Stunde später, also um 7 Uhr. Deshalb waren viele von unserer Gehörlosengruppe schon nach dem Gruppenfoto-Shooting schon weg. Sehr viele übernachteten bei den gehörlosen Mitläufern im privaten Zuhause. Das fand ich die tolle Gastfreundschaft.

Startunterlagen-Abholung und Pasta-Party

Briefing für Staffelläufer

Genauso ließ ich auch drei gehörlose Lauffreunde, namens Dieter N. und Rano A. (beide aus Wuppertal) sowie Jörg R. aus Mühlheim/Ruhr, bei uns übers Wochenende übernachten. Schon am sehr frühen Morgen waren meine Frau Sabine sowie Jörg wach und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Sport-Park unterwegs. Dort war der Start- und Zielpunkt für alle Teilnehmer*innen. Man könnte auch unser Pkw nehmen, aber dafür war dann für uns zu belastend. Jeder hatte seine unterschiedlichen Startzeiten bzw. Startorten und das könnte für uns großer Zeitdruck geben. Deshalb sparten wir ohne Auto unser Stress und Hektik. Das Tollste vom Veranstalter war für alle so, dass die Startnummer für die Fahrten zum und vom Lauf bzw. im Falle eines Ausstiegs aus dem Rennen als Fahrausweis war. 

 

Einige Wochen davor hatten jeder die WhatsApp-Gruppe, speziell für 2er-, 4er- und 10Plus-Staffel zugeordnet. Es wurde jede Läufer/in der eigenen, geschätzten Lauftempos bekanntgegeben und das bedeutete also für die bestimmte Gruppe, sie bekam die Vorinformationen für die voraussichtlichen Zielzeiten an jeden Wechselpunkten. Das war prima für alle. Normalerweise war mein Start wie schon vorher gewusst, dass ich erst am Abend in Schloss Sacrow bei Potsdam losstarten sollte. Aus Liebe zu meiner Frau wollte ich bei ihrem Start für die 10Plus-Staffelgruppe dabei sein. Man erlebt ja diesen Moment nur einmal im Leben und deshalb meine selbstverständliche Entscheidung. 

Vorm Start am Jahnsportpark gab für alle ein Frühstücksbuffet von 4:30 bis 7 Uhr und wir waren schon um 5 Uhr dort. Wer vom Hotel H4 Alexanderplatz kam, gab es drei verschiedene Abfahrtszeiten von Shuttle-Bussen bis zum Jahn-Sportpark zur Verfügung.

Viele Sololäufer*innen machten sich am Startbereich warm. Für mich gab es ein Wiedersehen mit den bekannten Gesichtern und ein schönes Beispiel war die bekannte, vegane Ultraläuferzwillinge Marek und Henrik, wo sie auch in dem tollen Laufblog viele interessante Laufberichte geschrieben haben. Ich bin bis heute ein Fan von seinem Laufblog und war glücklich darüber, dass ich Henrik aus München endlich zum ersten Mal gesehen hatte. Er wirkte sehr cool auf mich und war sehr entspannt vor seinem langen Ultralauf. 

Im Ganzen war ich etwas erstaunt, dass sehr viele Läufer*innen, die ich sie kannte davon tatsächlich den 100 Meilen (161 km) laufen wollten. 4 Marathonläufe auf einem Schlag! Darüber machte ich schon viel Gedanken und ich fragte mich immer wieder, wie sie alles schafften?! 

 

Das Kamerateam von SEHEN STATT HÖREN war ebenfalls vor Ort und es gab ein paar Interviews mit den Startläufern (meine Frau Sabine und Jörg). Die beiden Startschüsse von Solo- sowie Staffelläufern hatte ich genussvoll alles miterlebt. Was aber meine liebe Frau nicht davon wusste, habe ich schon noch ein schönes Überraschungsprogramm seit langem organisiert. Es klappte ganz gut, denn meine Eltern sowie ihre Mutter wollte unbedingt beim Wechsel von meiner Frau am zweiten Verpflegungspunkt (VP2) und somit ein Wechselpunkt für unsere 10Plus-Staffel an der weltbekannten Denkmal „East Side Gallery“ ansehen. Ebenfalls waren unsere gehörlose Freunde Gerlinde sowie ihr Mann Steffen dort nachgekommen. 

 

Dieses Denkmal, East Side Gallery, ist eine dauerhafte Open-Air-Galerie auf dem längsten noch erhaltenen Teilstück der Berliner Mauer in der Mühlenstraße zwischen dem Berliner Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke entlang der Spree.

Nach dem erfolgreichen Startschuss aller Startläufer*innen sollten Mario Schr. sowie Sigrid und ich zum zweiten Wechselpunkt fahren. Aus meiner Erfahrung könnten wir in einer halben Stunde dort ankommen. Die ganze Zeit nach dem Start wollte Jörg immer an der Seite meiner Frau Sabine bleiben und mit ihr durch diese Strecke zusammenlaufen. Sabine hatte für ihren ausgesuchten Lauf die beste Strecke genommen, denn an dieser Laufstrecke konnte sie viel mit dem restlichen Berliner Mauerteil nebenan laufen. Da gab es dort viel zu besichtigen. Sigrid war die zweite Läuferin von der 10er-Staffel und am VP2 hatten wir genügend Zeit, um die schöne Überraschung für Sabine vorzubereiten. Ich habe zusätzlich ein paar Motivationsplakaten besorgt und alle Anwesenden waren da. Nach ca. 90 Minuten waren Jörg sowie meine Frau schon in der Sichtweite und bewusst hatten wir uns schnell versteckt, damit sie uns nicht erkennen sollte. Für Sabine war ein unglaublicher schöner Moment mit Gänsehautfeeling, nachdem sie ihren Besuch überrascht gesehen hatte. Diese wunderbare Überraschung  habe ich endlich gut verstecken können, denn es war oft für mich schwer mit dem Verbergen. Das Beste für uns alle waren die Begleitung des Kamerateams und den ersten Etappenlauf hatte diese Film-Crew mitverfolgt bzw. zum größten Teil aufgenommen. Es klappte für Sabine auch ganz gut, dass den Hand-Zeitchip gleich nach dem Wechsel an Sigrid weitergegeben wurde. Sonst wäre der Lauf ohne Zeitaufnahme alles umsonst gewesen. 

 

Nach dem kleinen Plausch mit den gehörlosen Besuchern am East Side Gallery waren wir wieder auf dem Nachhauseweg, denn mein Start war erst am Abend bestimmt und das war ein wenig blöd für mich. Ein paar Stunden Nachholschlaf musste ich einsammeln, denn davor war mein Schlaf leider viel zu kurz.

Mit dem Nachholschlaf klappte es bei mir nicht so gut, nur eine Stunde konnte ich schlafen und da waren meine Gedanken einfach zu viel im Spiel. In der späten Mittagszeit dann wieder los mit Rano und wir hatten zufällig den gleichen Ort für unseren Staffelwechsel. Dieter war schon um eine Stunde früher von unserer Wohnung in Zeuthen weg. Er sollte ab dem VP 12 bei 79,2 km (Brauhaus Meierei) bis zum Schloss Sacrow 11,9 km laufen und dann mit Rano wechseln.

 

Über WhatsApp-Kommunikationen hatten wir unseren genügenden Informationen bekommen, wer schon gewechselt bzw. im Lauf waren. Jeder konnte dann seine Ankunftszeit etwas rechtzeitig schätzen und vor allem gut für den nächsten Wechsel vorbereiten. Das fand ich dank moderner Kommunikationstechnik super!

 

Von Zuhause ab Zeuthen war der Hinweg sehr weit bis zu diesem Wechselpunkt (91,1 km vom Start am Jahnsportpark entfernt), fast 2 Stunden brauchten wir dafür. Während meiner Fahrt mit Rano bekam ich plötzlich die unerwartete Nachricht von meinem Staffelpartner Jörg, dass er nach 45 km nicht mehr in der Lage, bis zum Wechselpunkt normal weiterzulaufen. Seine letzte Möglichkeit nahm ihm seinen Laufweg in Fußschritten. Er hatte Schmerzen am Oberschenkel sowie an seinen Füßen und seine geschätzte Ankunftszeit sollte von ca. 20 Uhr. Für seine Entscheidung habe ich mein Verständnis, aber auf anderer Seite fand ich etwas blöd. Ich musste am Wechselpunkt NOCH LÄNGER auf ihn warten. Von Rano erfuhr ich durch die GPS-Liveverfolgung vom Dieters Lauf, dass er bald zum Wechselpunkt ankommen könnte. Das war für Rano schon etwas hektisch und die Zeit wurde knapp für seinen Wechsel. Zum Glück war unser Fahrweg nicht weit bis zum Schloss Sacrow. Er hoffte natürlich auf sein rechtzeitiges Ankommen.

 

Es klappte ganz gut mit unserem Ankommen und es war wirklich sehr weit, als ich mir vorgestellt habe. Dieter war noch unterwegs bei seinem Lauf und sollte in Kürze zum 14. Verpflegungspunkt ankommen. Nun habe ich viel zu viel Zeit für meinen Wechsel und war richtig an erster Stelle froh, dass es trocken war. Bei Regen wäre sicher unangenehm.

Schloss Sacrow

Dieses Schloss Sacrow kam mir bei meiner Ankunft irgendwie bekannt vor. Nicht lange beim Nachdenken fiel es mir ein, dass Schloss Sacrow mit seinen Nebengebäuden ein neuer Außendrehort der Telenovela „Wege zum Glück“ war. Mit meiner Frau waren wir Fans dieser mehrteiligen Seriensendung vom ZDF. Von 2006 bis 2008 war die Drehzeit dort. Vom ersten Blick war das Schloss schon ungepflegt und ein wenig bröckelig aus. Schade!

 

Es war ein Schloss im Potsdamer Stadtteil Sacrow und es wurde 1773 vom schwedischen Generalleutnant erbaut zu sehen. Die Geschichte dieses Schlosses war sehr lang, nur einige wurde ich informiert und zwar, dass vor der Mauerbau  das Volkseigentum der DDR war. Es diente als Kinder- und Erholungsheim für Verfolgte des Naziregimes und mit dem Mauerbau zogen dann die NVA (Nationale Volksarmee), ab 1973 die Zollbehörden der DDR im Schloss ein. Im Park entstanden Trainingsanlagen für die Spürhunde des Zolls. Nach der deutschen Wiedervereinigung diente dieses Schloss mit der gesamten Parkanlage nun als Museum.

In kleinen Zeitabständen kamen die Staffelläufer und vor allem die Sololäufer vorbei. Es war dort auch eine Aufbewahrungsstelle (Dropbags), wo die meisten Läufer*innen ihre Lampen und Warnwesten deponiert haben. Deshalb blieben einige dort und lassen sich seine neue Laufsachen umziehen und zum Teil machten sie locker längere Pausen. Sie hatten noch einen sehr weiten Weg bis zum Ziel am Jahnsportpark, wo sie dann durch die Nacht laufen mussten. Für mich etwas schon ein Wahnsinn, wie sie die ganze 100 Meilen durchsetzen?!

 

Der dritte gehörlose Staffelläufer Mario H. war schon lange vor Ort und Rano A. ließ sich schnell umziehen. In kürzester Zeit klappte sein geplanter Wechsel mit Dieter und Rano war danach schon schnell weiter unterwegs. Es war ein zufälliger Wuppertaler Wechsel für das 10er-Team und darüber musste ich ein wenig lachen. Diese beiden Staffelläufer wohnen in Wuppertal. Nun wartete Mario H. auf den nächsten Wechsel mit der schwerhörigen Claudia P. Einige Zeit blieb ich bei diesen Männern in der lockeren Unterhaltung. 

 

Nun kam zu einem harmonischen Wechsel zwischen Claudia P. und dem Mario H. Sie wohnen im Freistaat Bayern und für mich war das ein schöner, zufälliger Bundesland-Wechsel. Mario. H war der vorletzte Staffelläufer für 4er-Staffel und somit sein allererster langer Lauf bisher. Da wünschte ich ihm natürlich alles Gute für seinen Lauf und glaubte sicher an seine gute Chance, bis zum Ziel anzukommen.

 

Mit dem Laufwetter hatten wir ja großes Glück, denn die Hitzewelle mit Temperaturen weit über 30 Grad waren mehrere Tagen vorbei und wir hatten an diesem Lauftag nur zirka 25 Grad. Es könnte für jeden Teilnehmer bei der weiteren Hitze ein brutaler Lauf geben.


Ein weiterer, kurzer Plausch mit den schon ausgewechselten Staffelläufern Claudia P. und Dieter. Claudia, die dreifache Deutsche Gehörlosen-Meisterin im Triathlon, möchte schon dann zum Abendessen mit ihren anderen Staffelläuferinnen, die ebenfalls fertig mit dem Staffellauf waren, zusammen essen gehen. Nun blieb Dieter noch eine Stunde mit mir und ich konnte etwas Ablenkung durch lange Wartezeit gut gebrauchen. Ich holte mir gegen den kleinen Frust für die lange Wartezeit ein Glas richtig leckeres Weizenbier, natürlich mit Alkohol und ich machte mir keine Gedanken für meinen allerersten langen 70-km-Lauf. Eine Sache sollten mein Erstläufer Jörg und ich darauf achten, denn durch den gestrigen Briefing hatten wir die festgelegte Zeitgrenze (Limit) mitbekommen - das bedeutete also, Jörg darf nicht länger als 15:10 Stunden bis zu unserem Wechsel überschreiten. Er sollte bis 22:10 Uhr hier eintreten und bei Nichteinhaltung drohte uns dann die unnötige Disqualifikation! Es wäre mir zu blöd und peinlich, wenn wir als 2er-Staffelläufer nicht bis zum Ziel geschafft hätten, wo die anderen Staffellgruppen locker erreicht haben.

 

Der letzte gehörlose Läufer an diesem Wechselpunkt Dieter wollte auch langsam wieder zum Jahnsportpark zurückfahren und nun war ich ganz allein hier. An diesem Zeitpunkt hoffte ich auf das positive Ankommen von Jörg. Eine kurze Nachricht habe ich ihm geschickt, er sollte sich nicht mit seiner Gesundheit weiter quälen und er könnte sein Lauf beenden. Dafür hätte ich mein vollstes Verständnis gezeigt. Aber er wollte einfach weiter und ich war selbst überzeugt, dass er es vor seinem Zeitlimit schaffen sollte. Wie ich ihn aus seiner bisherigen, kurzen Zeit kannte, war er immer schon ein Kämpfertyp im Laufsport. 

 

Ab und zu mal schrieb mein gehörloser Lauffreund Georgios (sein Spitzname Gogo) aus Reutlingen und er hatte ein wenig Mitleid mit mir. Durch mich bekam er meine kleine Info, dass ich nun allein sehr lange auf Jörg warten sollte. Deshalb gab er als lockerer Zeitvertreib mit mir unseren einigen Videochat-Unterhaltungen. Ich fand von ihm supernett und sehr verständnisvoll!

 

Ich hatte auch eine gute Unterhaltung als Ablenkung mit der anderen WhatsApp-Gruppe "ZEWS Running Crew" (nette, wunderbare hörende Laufgruppe aus Zeuthen, Eichwalde, Wildau und Schulzendorf - deshalb "ZEWS"). Als ich in der Nachmittagszeit hier ankam, waren die Zwillingsbrüder Marek und Henrik schon beim Laufen vorüber und das war schade für mich, ein kurzes Wiedersehen hätte ich mich gefreut. Dann erfuhr ich aus der WhatsApp-Nachricht, dass Marek nicht so gut ging und war dabei fast beim Aufgeben. Ich hatte an seine gut geglaubte Chance gehofft, dass er mit Henrik beim langen Ultralauf durchsetzen könnte?! Ich hätte nicht damit gerechnet, dass Ultralauf für alle eine unberechenbare Teilnahme sein könnte... Aber eine geschätzte Stunde später schrieb Marek, dass er trotzdem weiter bis zum Ziel walkte... Er gab noch nicht auf und das war für mich erfreulich zu lesen.

 

Ein paar bekannte Sololäufer hatte ich beim Vorbeilaufen wiedererkannt und aus der Ferne, 10 Minuten vor 20 Uhr, war Jörg auffällig durch sein bekanntes Laufstil zu erkennen. Dann kam meine große Freude und ein blanker Wahnsinn für mich, wie er trotz großen Schmerzen bis zum Wechsel hart durchgesetzt hatte. Einfach RESPEKT vor diesem geborenen Ultraläufer! Über 40 Kilometer war er ZU FUSS gegangen, NICHT GELAUFEN! Unglaublich, aber wahr... 

Meine unerwartete Laufreise begann pünktlich um 20 Uhr und es war noch hell an diesem Abend. Die Sonne war bereits auf dem Weg beim Untergehen. Nach ein paar hundert Metern war der Vorort von Potsdam SACROW vorbei. Nun war ich der letzte Läufer in der aktuellen Startzeit von allen gehörlosen Staffelläufern. Nun möchte ich mit meinem langen Ultralauf auch gut durchsetzen. 3/4 aller gehörlosen Mauerwegläufer*innen waren mit der Laufteilnahme fertig. Ich hatte mich als letzter gehörloser Läufer eingeschätzt und das könnte sehr hart werden, denn es kam bald die Nacht und da sollte ich problemlos durchstehen. Also, weiterlaufen und positiv denken!

Nach 7,6 km zum nächsten Verpflegungspunkt "Pagel & Friends" war dann die erkennbare kleine Dunkelheit zu sehen und deshalb machte ich die neongelbe Warnweste (zum ersten Mal für mich beim langen Lauf!) sowie das Lauflicht an der Brust bereit. Ich war mir sicher, dass bis zum weiteren nächsten Verpflegungspunkt (6 km) schon dann sehr dunkel sein würde und ich spare mir den unnötigen Stress mit der Vorbereitung für die Beleuchtung.

 

Laut in der Ausschreibung war in der Kladower Kuckuckstraße bei Familie Pagel und ihren Freunden die namhafte Verpflegungsstation. Es war vom ersten Mauerweglauf an dabei und dort sollte immer Partystimmung garantiert geben. Am dem Vorgarten war die kleine 100-Meilen-Fanmeile und sogar ein eigener DJ zu sehen. Es war wirklich die wunderbare Atmosphäre beim "Pagel & Friends" zu erkennen und die Auswahl der Verpflegung war relativ groß. Für mich war die Einnahme dieser Verpflegung viel zu früh, denn ich war noch in der Anfangsphase dieses langen Ultralaufes. Deshalb nahm ich die einfachste Trinkversorgung dort teil. Wie bekannt beim Ultralauf hatten die meisten Läufer einige Magenprobleme und deshalb wollte ich dieses Risiko nicht eingehen lassen. Es grenzte fast zwischen Berlin und Brandenburg und ich lief in fröhlicher Stimmung weiter.

Nach 15 Minuten, so gegen 21 Uhr, war es dann richtig dunkel und für mich begann dann ein ungewisseneren Lauf, ob ich jemals durch die Nacht durchstehen konnte? Mein letzter Nachtlauf war beim 1. Berliner Zeitsprung Marathon fast vor einem Jahr und das klappte wunderbar. Das gab mir schon ein wenig Selbstvertrauen und ich zeigte meinem Lauffreund Gogo per Video, wie ich hier unterwegs schon in der Dunkelheit klar kam?! Es machte mir noch Spaß und nach 6 km kam ich beim VP16 beim "Team Mauersberger & Kollegen" (Rechts- und Fachanwälte) an. Da war ich nun im Berliner Stadtgebiet. Kurz vorm VP standen gemütliche Kerzenlichter und das gab jedem Ultraläufer ein wenig Harmonie. Ein toller Empfang!  

Ein tolles Glück war das für alle mit Sicherheit, dass die meisten Verpflegungsstationen im Durchschnitt alle 6-7 km eingerichtet waren. Da brauchte man beim Mauerweglauf keine Gedanken zu machen und sollte man sich nur auf das Laufen fokussieren. Unterwegs bekam ich zufällig die WhatsApp-Nachricht von der Laufgruppe "Deaf Marathon". Die komplette 10er-Staffelgruppe war dann alles fertig und Martin Z. kam mit den fast gesamten Staffelläufern gemeinsam zum Ziel. Sie waren nun in der fröhlichen Feierstimmung und für diese erfolgreiche Staffelgruppe freute ich mich mit. Unterwegs kam ich erstmal an der roten Ampel und daran hielt ich an die Regeln der Straßenverkehrsordnung ein, obwohl kein Mensch weit und breit zu sehen war. Sicher war sicher!

 

Da es relativ dunkel bei meinem Mauerweglauf war, gab es eine super Alternative für die erkennbaren Streckenmarkierungen. Mit Hilfe der Lauflampe konnte man an den angeklebten reflektieren blauen Pfeilen die Laufrichtung erkennen und das war wunderbar zu erkennen. Ansonsten war bei Tageslicht die gesamte Laufstrecke mit Sprühpfeilen markiert. 

Immer am Gehweg in der Dunkelheit lief ich locker nach 19,8 km zum VP17 kurz vor der Mauer-Gedenkstätte für die "deutsche Teilung". Es stand direkt an der Grenze zwischen der Spandauer Straße und der Falkenseer Chaussee. Etwas nahm ich zur kleinen Verstärkung Essen und da sah ich ein paar Becher mit gefülltem "Berliner Pilsener"-Bier. Darauf hatte ich etwas Appetit und trank davon für den Erfolg meiner kompletten Staffelgruppen. Nun war ich der letzte Staffelläufer von allen und musste meine Hausaufgabe bis zum Ziel machen lassen. Zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall konnte ich auf dem ehemaligen Grenzstreifen den kleinen Verlauf der Berliner Mauer im Dunkeln etwas erkunden. Bei Tageslicht wäre natürlich schöner mit dem angrenzenden Havelland von Falkensee und Schönwalde-Glien. 

 

Ein kurzer Rückblick dachte mich an vielen Jahren in der ehemaligen DDR-Zeit, wo ich mit meinen Eltern jedes Wochenende in Brieselang bei Falkensee zu unserer Gartenlaube vorbeigefahren bzw. übers Wochenende geblieben war. Da mussten wir wegen der Berliner Mauer über die Gemeinde Stolpe vorbeifahren, das war für uns ein großer Umweg. 

Auch immerhin musste ich an die damalige Zeit, wo hier die dicke Betonmauer unter strengender Bewachung stand. Für alle Teilnehmer konnten an dieser gesamten, langen Mauerstrecke von 161 Kilometer wieder die Erinnerung weckten, wo die Berliner Mauer 28 Jahre lang stand.

Die nächste 8 km bis zum VP19 am Grenzturm Nieder Neuendorf lief ich zum großen Teil durch das Waldgebiet "Spandauer Forst". Nieder Neuendorf liegt nordwestlich von Berlin und es gab einen der letzten Grenztürme der ehemaligen DDR zu sehen. Nieder Neuendorf liegt  direkt an dem wunderschönen Nieder Neuendorfer See. Dort verläuft die "Grenze" zwischen Berlin und Brandenburg und verlief auch 25 Jahre lang auch die Grenze zwischen der DDR und West-Berlin. Dieser alte Grenzturm war ein Bruchstück aus der Zeit der Teilung Deutschlands. Hier verlief von 1961 bis 1989 die innerdeutsche Grenze und rund um West-Berlin standen über 300 Türme zur Grenzsicherung. Es wurde 1987 gebaut und diente die Kontrollsicherheit des 10 Kilometer langen Abschnittes von Schönwalde bis Stolpe-Süd, an dem 18 weitere Grenztürme standen. Nach dem Mauerfall blieb dieser Grenzturm erhalten und steht heute als Mahnmal am Ufer der Havel. Die Stadt Hennigsdorf hat den Grenzturm unter Denkmalschutz gestellt. Als "Zeitzeuge" wurde für die Öffentlichkeit zur Besichtigung frei zugänglich.

An diesem Verpflegungspunkt Nieder Neuendorf traf ich trotz in der Dunkelheit überraschend den bekannten Frank-Ulrich E., der sympathische Laufveranstalter aus den beiden "Berliner Ostermarathon" sowie "Berliner Vollmondmarathon". Das war wie vom Blitz getroffen und über unser Wiedersehen habe ich mich sehr gefreut. Dieser VP war vom seinem Team unterstützt. Zwei Becher Bier habe ich mit Genuss genommen und war mit meinem bisherigen Nachtlauf noch in Zufriedenheit. Etwas war mir schon am Rücken kalt und das war meine neue Erfahrung, ich hätte für den Rücken was Warmes besorgen sollen. Mit Geduld lief ich weiter durch die stille Nacht bis zum nächsten VP20 sowie der 3. Wechselpunkt "Ruderclub Oberhavel" in Hennigsdorf. Bei Dunkelheit für mich als Gehörloser empfand ich noch angenehm, aber etwas langweilig. 

Durch den Lichtkegel aus der Lauflampe musste ich immer gut konzentrieren lassen, damit ich nicht stolpern sollte. Das war relativ anstrengend mit der Konzentration in der Dunkelheit. Zum Glück war ich noch nicht müde und damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. An einigen Stellen habe ich meistens unterwegs in der Dunkelheit zwei Läufer zusammenlaufen gesehen und dabei waren sie im gemütlichen Smalltalk. Nur so hatten sie keine Langeweile und mehr Sicherheit beim Lauf. 

In der großen Halle vom Ruderclub Oberhavel habe ich einige Staffelläufer*innen gesehen, wie sie auf ihren baldigen Wechsel warteten. Auch die Sololäufer blieben dort lange Zeit zum Auftanken seiner Kräfte. Bis jetzt habe ich schon 38 km gelaufen und noch habe ich genug Kraft für den weiteren langen Lauf. Das war für mich das Wichtigste und ein bekannter Läufer aus Berlin, namens Micha B. habe ich zufällig erkannt. Mit seiner Frau Jana nahm er viele Laufevents von Torpedo teil und außer dem Lauf stellten sie tolle Videotrailer von jeden Läufen her. Darüber waren viele von seinen schönen Videoberichten sehr begeistert. Er sollte für seinen letzten Lauf mit dem Wechsel warten und wir hatten eine kleine angenehme Plauderei. Diesmal hatte ich längere Pause eingelegt und wollte mich nicht zu sehr belasten für den späteren Nachtlauf.

Bisher konnte man im Dunkeln nicht viel anschauen, nur die volle Konzentration ist gefragt. Nach 4 Kilometer erreichte ich beim VP21 Frohnau, ein Berliner Ortsteil im Bezirk Reinickendorf und ging 1910 aus dem Projekt einer Gartenstadt hervor. Locker weiter mit den nächsten 6,6 km kam ich dann zum VP22 am Naturschutzturm an. Es war der nördlichste Verpflegungspunkt der gesamten Mauerweg-Laufstrecke.

 

Die ehemalige Grenze zwischen dem Bezirk Potsdam der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und West-Berlin verlief im Bereich zwischen Bergfelde und Berlin Frohnau durch ein Waldstück. Dieser Abschnitt wurde als Teil der Grenze zwischen Viermächte-Stadt Berlin und der DDR 1952 geschlossen. AB 1961 wurde der Grenzstreifen mit technischen Sperranlagen als Teil der Berliner Mauer ausgebaut. Der heutige Naturschutzturm entstand als Führungsstelle Bergfelde der Grenztruppen der DDR in den 1980er Jahren. Sie diente der Grenzüberwachung und als Kommandozentrale für die umliegenden Beobachtungstürme. Nach dem Mauerfall  wurde diese Führungsstelle Bergfelde am 25.6.1990 an Vertreter der Deutschen Waldjugend übergeben und als Naturschutzturm für Zwecke des Naturschutzes hergerichtet. Er steht seit Ende 2009 als Baudenkmal unter Denkmalschutz.

 

Mit meinem bisherigen Laufrhythmus war ich absolut zufrieden und nur langsam bemerkte ich schon an meine kommende Müdigkeit. Um diese Zeit waren alle sicher im Schlafmodus. Sehr froh war ich darüber, dass KEIN Regen dazwischen kam, sonst wäre mir mit dem langen Nachtlauf nicht angenehm. Die gute Ablenkung gegen die Einsamkeit für mich war die kurze Abständen der Verpflegungsstationen, nur so konnte ich ein wenig selbst aufmuntern.

Unterwegs hatte ich mit meiner Frau über meine geschätzte Ankunftszeit etwas kommuniziert. Da für meine Frau sowie ihre Gäste dann nur ein paar Stunden Schlaf  bekommen könnte, hatte ich mich entschieden, dass ich die letzten restlichen Verpflegungsstationen meine längere Pausen einlegen möchte. Nur diese verlängerten Pausenzeiten bekamen sie von mir etwas mehr Schlaf geschenkt. Meine Frau sowie ihre Gäste Dieter und Rano wollten unbedingt bei meinen Ziellauf vor Ort da sein bzw. mit ansehen.  Nun wusste meine Frau in Bescheid und ich lief ganz entspannt im Dunkeln weiter.

 

Nach dem Aufenthalt am Naturschutzturm rechnete ich kurz an, dass ich noch ca. 22,1 km bis zum Ziel laufen sollte und das war theoretisch nicht schwer vorstellbar, aber mein müder Verstand sagte mir.... ZU LANG, um noch wach zu bleiben! Ich nahm es mir nicht so schwer und blieb bei meiner positiven Motivation. Bis zum nächsten VP23 waren nur 5 km entfernt und trotzdem war es einfach im Dunkeln für mich zu lang. Oftmals war ich allein unterwegs und ganz selten überholte ich ein paar Ultraläufer. 

Auf anderer Seite bekam ich von der anderen WhatsApp-Gruppe "ZEWS Laufgruppe" kurze Info von Marek, der so geschätzte 7 Kilometer von mir entfernt war. Bisher war sein Lauf noch in Ordnung und er könnte bis zum Ziel schaffen. Ich dachte kurz an die wenige Kilometerentfernung und hatte eigentlich vor, dem Marek nachzulaufen. Aber mit meinen gewünschten längeren Pausenaufenthalten war das nicht möglich. 

Ein großer Unterschied für mich war schon sofort aufgefallen. Auf dieser Strecke war ich schon mal bei der 3. MauerwegTour im Oktober 2017, wo ich als Einzeletappenteilnehmer für den 3. Etappenteil teilnahm, dabei. Der Laufweg war von Hennigsdorf bis Berlin-Hauptbahnhof (45 km) aufgestellt und dabei war diese Laufstrecke zum großen Teil identisch gleich. Das war leider nicht meine Lieblingsstrecke überhaupt, denn es war nichts mit dem Mauerweg viel zu besichtigen. Aber an dieser Nacht war es NOCH SCHLIMMER und man konnte NICHTS von außen etwas erkennen. Das war ein wenig Qual an dieser Strecke für mich und Jammern halfen mir nichts! Weiterlaufen... 

 

Vorbei nach 6,7 km beim VP24 Lauftreff Lübars lief ich weiter bis zum VP25 "S-Bahnhof Wilhelmsruh". Langsam erkannte ich aus dem Himmel, dass es bald wieder hell wurde. Das Wiederlaufen nach den Gehpausen wurde immer nicht leicht und ich war richtig froh, als ich in der Ferne den leuchtenden Fernsehturm erkannt hatte. "BERLIN KANN KOMMEN" habe ich zu mir gesagt und gab dann mein lauter Freudenschrei raus... Da wusste ich dann, dass ich mit meinem ersten langen Ultralauf von 70 km fast erreicht habe. 

 

Beim letzten Verpflegungspunkt an der Wollankstraße war komplett endlich hell und ich erkannte sofort dem freiwilligen schwerhörigen Helfer Martin N. Er war fast durch die ganze Nacht dort und aus seinem geplanten Staffelteam musste einer absagen, deshalb konnte er nichts teilnehmen. Das fand ich wirklich schade und mein Respekt an ihm, so lange an dieser Verpflegungsstation für uns geblieben zu haben! Eine kurze Nachricht an meine Frau habe ich schnell abgeschickt und Dieter sowie Rano, die beiden Wuppertaler und meine Frau sollten bald zum Ziel ankommen. Mit dem gehörlosen Freund Steffen H., wollten sie auch unbedingt bei meinem Ziellauf dabei sein. Noch 4 km bis zum Ziel lief ich ganz entspannt und vor ein paar Tagen habe ich für meine Danksagung an das tolle Orga-Team ein auffälliges Plakat vorbereitet. "DANKE FÜR ALLES" war mein Aufruf und das haben sie zu Recht verdient!

 

Immer war der Weg bis zum Ziel kürzer und meine Vorfreude stieg schon an. Es kamen ein paar Freudentränen bei mir, denn ich hatte es immer an meinen Erfolg sicher geglaubt!

 

Eine Runde am Jahnsportstadion nahm ich ein wenig Vollgas und es war ein stiller, schöner Ziellauf. Es war morgens nach 6 Uhr und da war mir noch klar, dass viele noch im Schlaf waren. Über den kleinen, lieben Empfang meiner gehörlosen Freundschaft war ich sehr froh darüber. Ein herzliches Dankeschön! Rano meinte zu mir, ich sei noch genug frisch für weitere Kilometern. Das stimmte und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass ich bis 100 km an dieser Tagesform weiterlaufen konnte. 

 

Die Siegerehrung für alle Staffelläufer sollte um 12 Uhr im Hotel H4 erfolgen und deswegen bekamen ALLE keine Medaillen nach dem Ziellauf. Das bedeutete also für mich, dass ich nicht nach Hause fahren bzw. etwas schlafen gehen konnte. Die Zeit war einfach zu kurz und da blieb nichts anderes übrig, mit den anderen Besuchern am Jahnsportstadion zu bleiben. Dieter und Rano sollten in der Vormittagszeit ab Berlin-Hauptbahnhof wieder nach Hause fahren. Das Gute war für mich, dass nach dem Ziel auch tolle Verpflegung am Stadion gab und ich war immer noch in der glücklichen Stimmung. Mittlerweile kamen dann einige Sololäufer in der Vormittagszeit zum Ziel. Für uns wirklich eine respektable Vorstellung, wie sie die ganze Laufstrecke von 100 Meilen (161 km) mitgemacht hatten. Da habe ich mich entschieden, wenn die anderen konnten, könnte ich auch als Sololäufer mit einem Zeitlimit von 30 Stunden auch schaffen! In ein paar Jahren werde ich wiederkommen und als Sololäufer anmelden. Ihr habt mein Wort!


Übersicht aller gehörlosen Teilnehmer*innen von den Staffelteams

2er-Staffel:

Jörg Rosenbaum

Robert Boyde-Wolke

 

4er-Staffel:

Henrik Matzke

Claudia Platzek

Mario Hager

Wolfang Kölsch

 

10er-Staffel:

Sabine Wolke

Sigrid Lißeck

Claudia Seliger

Britta Hommel

Mario Schröder

Dieter Norf

Rano Astalosch

Lucas Pudschun

Frank Lepach

Martin Zierold

 

Siegerehrung für Staffelläufer

Eine halbe Stunde vor der Siegerehrung waren wir vorm Hoteleingang H4 und jeder beglückwünschten noch einmal gegenseitig persönlich. Rundum waren wir alle glücklich, dass wir unsere drei gemeinsamen gehörlosen Staffelgruppen komplett bis zum Ziel erreicht hatten. Uns war gar nicht so wichtig, wie schnell wir gelaufen waren, sondern das gesunde Ankommen von diesen Gruppen.

 

Ich war etwas schon hundemüde von dem langen Nachtlauf und über 24 Stunden hatte ich keinen Schlaf bekommen. Das war hart, trotzdem war mein glücklicher Stolz stärker als der müde Schmerz. 70 Kilometer war ich beim Laufen unterwegs und mein letzter allererster, letzter langer Lauf war bei meiner Teilnahme als Einzeletappenläufer beim Deutschlandlauf 2017, wo ich mit 61 km durchgesetzt hatte. Das war kein gleicher Vergleich als Ultralauf, denn Tag und Nacht für einen Ultralauf war schon für mich neue interessante Erfahrung. Diese gelernte Erfahrung könnte ich für meine Zukunft sehr gut gebrauchen.

 

Bei der Siegerehrung waren sehr viele Staffelläufer zu sehen und alle Teams wurden aufs Podest aufgerufen sowie mit Medaillen geehrt. 2 Stunden später wurden die Sololäufer dann mit der Siegerehrung durchgeführt. Wer den Lauf innerhalb des Zeitlimits beendet haben, erhielten die Sololäufer*innen nicht nur eine einzigartige Finishermedaille, sondern auch zusätzlich einen 100-Meilen-Buckle nach dem amerikanischem Vorbild (eine Gürtelschnalle). Dies bekamen sie nur, wenn sie den Lauf innerhalb von 24 Stunden erfolgreich absolviert hatten. Es gab noch eine besondere Ehrung für die Einzelläufer, wenn sie die Strecke 2017 und 2018 innerhalb von 30 Stunden beendet haben. Sie bekamen zusätzlich eine Back-to-Back-Medaille. 

Finishermedaille für Sololäufer
Finishermedaille für Sololäufer
Gürtelschnalle für Sololäufer (innerhalb von 24 Stunden zum Ziel erreicht)
Gürtelschnalle für Sololäufer (innerhalb von 24 Stunden zum Ziel erreicht)
Finishermedaille für Staffelläufer
Finishermedaille für Staffelläufer

Einige Wochen vor dem wunderschönen Mauerweglauf hatten die komplette Staffelgruppe ein schönes Geschenk ausgesucht, spendiert und gut vorbereitet, so dass unser Koordinator Mario Schr. die ganze Zeit nichts mitbekommen hatte. Als großes Dankeschön für sein tolles Engagement beim gesamten Berliner Mauerweglauf, z.B. Schreiben an die Sendung Sehen statt Hören für die Drehmöglichkeit, die Planung und Vorbereitung sowie gesamte Begleitung von diesem Laufevent sollte Mario davon dieses Geschenk erhalten.

 

Als Claudia S. im Kreis der gesamten Staffelteilnehmer*innen unsere Dankbarkeit gebärdete, staunte Mario erst nach dem Öffnen dieses unheimlichen Geschenkes sehr.  Es war ein weißer Berliner Bär aus Porzellan, wo alle ihren Namen aufgeschrieben haben und es sah hübsch aus. Ein typisch Berliner Symbol für diesen unvergesslichen großen Tag für alle...

 

Für ihn war eine schöne dankbare Überraschung und er hatte für uns sehr getan. Das war sein stolzer Verdienst, ohne ihn wäre die gesamte Teilnahmeabwicklung nicht so wunderschön ausgegangen. Das war uns klar, ohne Wenn und Aber!

Im Namen aller gehörlosen sowie zwei hörenden Mauerwegteilnehmer*innen möchten wir für das tolle Veranstaltungswochenende mit den wunderbaren Organisatoren sowie herzvolle Helfer*innen herzlich bedanken. Sie haben uns mit diesem Mauerweglauf richtig verwöhnt. Wir haben uns dort wie eine aufgenommene Läuferfamilie wohlgefühlt.

 

Es hatte JEDEM wirklich sich viel gelohnt, beim Berliner Mauerweglauf mit der ungewöhnlichen Mischung zwischen Erinnerungskultur und Sport mitgemacht zu haben. Die Berliner Mauer war wohl eines der bewegenden Baustruktur des 20. Jahrhunderts und der Mauerfall am 09.11.1989 hatte die ganze Welt in der großen Aufregung gesetzt. Heute waren von der Mauer zum Glück nur noch Teilstücke erhalten und die Grenzwege, über die heute der erstaunliche Mauerweg uns führt, sind komplett erhalten. Alte Grenzbefestigungen wie Wachtürme oder Kontrollstellen standen unter wiederaufgebautem Denkmalschutz. Deshalb war immer bisher ein lohnenswerter Lauf für alle beim 100 Meilen Berlin, wo diese Mischung mit dem Sport und die Erinnerungskultur inbegriffen war. Über 15 Kilometer mitten durch die Berliner Stadt war der interessanteste Teil des Mauerwegs und somit konnte man viele Top-Sehenswürdigkeiten wie das Brandenburger Tor, das Parlament- und Regierungsviertel usw. bekommen.

 

Persönlich für mich war es ein tolles, erlebnisreiches Laufwochenende, wo für mich größtenteils auch anstrengend war, und trotzdem bleibt bei mir wie die anderen ebenso in guter Erinnerung. Meinerseits noch einmal HERZLICHEN DANK FÜR ALLES!!! Toll war es für mich auch, dass alle gehörlosen Teilnehmer*innen sich gegenseitig in den aktuellen Verbindungen über WhatsApp blieben. Man hatte das Gefühl, jeder war die ganze Zeit nicht allein und das fand ich solidarisch von allen. 

Schöne Impressionen aus den WhatsApp-Nachrichten rund um die Uhr beim Mauerweglauf

4:00 - 7:00 Uhr

8:00 - 9:15 Uhr

9:15 - 13:45 Uhr

13:10 - 15:00 Uhr

15:00 - 18:06 Uhr

18:10 - 20:00 Uhr

20:00 - 22:50 Uhr

23:10 - 04:35 Uhr

04:35 - 07:00 Uhr

SEHEN STATT HÖREN berichtet über unseren "Mauerweglauf"


Strecke (Route)

komplette Verpflegungsstationen vom Mauerweglauf
komplette Verpflegungsstationen vom Mauerweglauf

Kommentare: 4
  • #4

    Frank (Freitag, 07 Dezember 2018 20:27)

    Sehr schöner und langer ausführlicher Bericht. Beim Lesen und Filme schauen viel Gänsehaut bekommen. Es war echt eine tolle Zeit mit Euch allen zusammen.
    Der Schmerz vergeht und der Stolz bleibt.
    "Deaf Marathon" lässt grüßen!!

  • #3

    Georgios Gerasimou (Freitag, 07 Dezember 2018 12:29)

    Ein super Bericht und dabei ein schönes langes Video mit erzählen ......

  • #2

    Jörg Rosenbaum (Freitag, 07 Dezember 2018 10:40)

    Robert hat immer wieder schöne Blog gemacht, aber diese Laufbericht war besonders wegen einmalige Mauerweglauf (100 Meilen Berlin) mit viele deaf ... (tolle Videogebärden, viele Bildern, interessante Berichte, schöne Gestaltungen, usw.) WOW und Respekt. Das war meine schöne Abschiedslauf (ca. 93 km) trotz starke Beinschmerzen, da ich wegen Koxarthrose kaum gelaufen bin.

  • #1

    Mario (Freitag, 07 Dezember 2018 09:46)

    Ein wundrschöner Bericht von dir über unsere gemeinsame Zeit in Berlin. Hatte beim Lesen oft Pipi in den Augen. Der Berliner Bär hat einen Ehrenplatz bei mir. Danke für die schöne Zeit und diese tolle Überraschung von euch