Deutschlandlauf 2017 (Einzeletappenteilnehmer)


Marathon Nr. 31



24.07.2017

Startzeit: 06:17 Uhr

Startnummer: 93

Startgebühr: 30

Marathonauflage: -

Start: Solingen, Jugendherberge

Ziel: Bornheim, Schule

 

Laufzeit: 07:42:44 h

HM-Zeit: 02:49:48 h

Pace: 07:23 km/min

Herzfrequenz: 156

Rundenanzahl: 1

Kalorienverbrauch: 6753

Finisher: 12 (Einzeletappenl.)

Rang: 4 (Einzeletappenläufer)

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 963

Temperatur (min): 29 C

Temperatur (max): 32 C

Wind: -

Niederschlag: -

Wetterstand: leicht bewölkt

Höhenmeter: 33



Mein erster langer Ultralauf

Kleine Traurigkeit am Start - große Freude am Ziel

Da war seine Welt noch in Ordnung für uns, als Jörg bei der 8. Etappe zum Ziel ankam.
Da war seine Welt noch in Ordnung für uns, als Jörg bei der 8. Etappe zum Ziel ankam.

Wie ich beim Deutschlandlauf darauf gekommen war, gab es für mich etwas lange Geschichte zu lesen und deshalb in diesem Bericht meine offene Zusammenfassung an Euch!

 

Ehrlich gesagt, ich kannte den härtesten, deutschen Laufwettbewerb „DEUTSCHLANDLAUF“ (DLL) bisher noch nie. Durch Zufall hatte ich mit diesem Begriff vom gehörlosen Ultraläufer Jörg aus Mülheim/Ruhr erfahren.

Er hatte persönlich in der privaten Videonachricht per WhatsApp an unsere hörgeschädigten Lauffreunde bekanntgegeben, dass er trotz auf der langen Warteliste zwei Monate vor dem Start vom Deutschlandlauf 2017 nominiert wurde. Er hatte schon seit Jahren immer wieder versucht, dort beim DLL mit seiner Teilnahme zu bewerben und auf sein Glück lange warten. Das lange Warten hat endlich für Jörg ein positives Ende gebracht.

Für uns war natürlich erstmal eine tolle, überraschende Neuigkeit. In Ruhe schaute ich ins Internet mit diesem großen Thema an. Ich war schon sehr erstaunt, dass er großen Mut hatte und diesen großen Lauf alles mitzumachen möchte. 

 

Wenn ich auf der Landkarte von Deutschland anschaute, musste ich immer wieder meinen Kopf schütteln. Wirklich wahnsinnig hart und lang, dieser Deutschlandlauf!!!

Der Deutschlandlauf ist ein Ultramarathon, der von Norden nach Süden quer durch die Bundesrepublik Deutschland geht. Die gesamte Laufstrecke ist auf 19 Tagesetappen mit 1321 Kilometer lang. Die längste Etappe ist ca. 90 km und die kürzeste ca. 24 km. Der Start ist im Norden in Sylt und das Ende dieser Lauf im Süden auf der Zugspitze – der höchste Punkt Deutschlands mit 2.962 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Beim DLL können von einem Sololäufer oder mehreren Läufern (als Einzeletappenteilnehmer, Gruppen- oder Staffellauf) teilnehmen.

Der allererste DLL fand 1998 als erster privat organisierter, deutscher Etappen-Ultramarathon von Ingo Sch. statt. Es sollte der Grundstein für den Spreelauf, den Transeuropalauf sowie weitere Deutschlandläufe werden.

Bis zu 2005 war es mit dem DLL still, wo ab dann die weitere fünf Jahren DLL angeboten wurde.

 

Mit dem aktuellen Deutschlandlauf 2017 haben wir den Cheforganisator Oliver W. zu verdanken, wo wir 7 Jahre warten mussten. Sein langfristiger Traum ging mit dem Deutschlandlauf in glücklicher Erfüllung. Oliver war selbst seit 1994 auch ein Läufer (nahm über 100 mehrere Marathonläufe sowie sein erster 100-km-Lauf). Seine Leidenschaft mit dem Laufen blieb bis heute noch und moderierte viele verschiedene Laufveranstaltungen im Raum vom Bergischen Land.

 

Der Kontakt mit dem Ultraläufer Jörg kam ebenfalls viel später. Nachdem mein gehörloser Kurfreund Dieter aus Wuppertal über seine viele erfolgreiche Läufe, speziell im Langlauf, erzählt hatte, kam ich neugierig auf seinen Namen an. Dieter kannte ihn persönlich durch die deutsche Gehörlosen-Nationalmannschaft sowie bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften. Er war für viele Jahre ehrenamtlich Technischer LA-Leiter sowie später Leichtathletikwart für Deutscher Gehörlosen-Sportverband tätig.

 

Ich war fasziniert von seinen aktuellen eigenen Weltrekord im 100-km-Straßenlauf (9:42:09 h) und hatte mehrmals mit eigenen Weltrekorden gebrochen. Beim Marathonlauf hatte er seine persönliche Bestleistung mit 2:47 Stunden erreicht. Hut ab vor seiner respektablen langen Laufleistung!

 

Die 19 kompletten Etappen vom Deutschlandlauf habe ich gründlich alles unter der Lupe genommen. Sie waren meistens sehr lang und mein Bauchgefühl teilte zu mir, ich sollte auch meinen Mut etwas zeigen und einmal bei diesem DLL eine passende Einzeletappe für mich mitzumachen.

 

Länger als ein Marathonlauf habe ich im Wettkampf noch nie teilgenommen. Dann habe ich mich doch mit großem Bedenken die 9. Etappe mit der Entfernung von 60,1 km angemeldet. Ich wollte gern mit Jörg unterwegs zusammenlaufen und jede Unterstützung von außen könnte er sehr gut gebrauchen. Außerdem wäre diese 9. Etappe fast die Hälfte der gesamten Laufstrecke vom Deutschlandlauf erreicht und meine Einzeletappe war die zweitkürzeste Laufroute von allen Etappen. Die erste sowie die letzte Etappen waren nur für die Solo- sowie Teamläufer*innen vorgesehen. Die Gründe waren einfach, dass sich die Pressegruppen sowie Fotoaufnahmen vor Ort waren. Deshalb keine Teilnahme für Einzeletappenläufer…

 

Zu Jörg habe ich auch mal angeschrieben, er sollte auf alle Fälle irgendwas mit dem Tagebuch unterwegs beim Deutschlandlauf seine Erlebnisse aufschreiben.

Georgios aus Reutlingen (sein Spitzname ist Gogo), selbst ein gehörloser Läufer aus unserer Laufgruppe, kam auf seine gute Idee, dass Jörg im Facebook mit seinen Lauferlebnissen sein Blog für alle Facebook-Besucher auf dem aktuellen Stand begleiten soll. Ich fand seine Idee nicht schlecht und bot ihm als meine zusätzliche Unterstützung an. Georgios hatte mehr Ahnung mit Facebook, so dass alle Inhalte wie Texten, Bilder/Videos im Facebook von ihm alles aufgestellt wurde und ich konnte locker die grafische Gestaltungen, Kartenmaterialien sowie seine tägliche Laufberichte vorbereiten. So bildeten wir ein solides Team und Jörg konnte ruhig mit seinem Deutschlandlauf weitermachen.

So klappte es alles wunderbar und viele konnten sein Laufabenteuer beim DLL mit Begeisterung verfolgen. Meine Frau sowie ich waren ebenfalls leidenschaftliche Fans von Jörg und täglich fieberten wir mit ihm zusammen. Es war wie ein deutsches Sommermärchen beim Deutschlandlauf.

 

An dem Sonntag, dem 23. Juli 2017, (diesen Tag konnte ich nicht vergessen) waren wir mit dem Auto unterwegs nach Remscheid, die fünftgrößte Stadt des Bergischen Landes im Nordrhein-Westfalen (NRW).

Ich war so erstaunt darüber, dass das Bergische Land wirklich auch hohe Berge gab. Bergisches Land ist eine Mittelgebirgsregion in NRW und der höchste Berg war mit 519 Metern bei Gummersbach zu finden. Vorher dachte ich an einem Industriegebiet in NRW, das war aber nicht so der optische Fall. Gut so, ich liebe die Natur und konnte für meinen morgigen Lauf gut gebrauchen.

 

Kurze Zeit später waren Rano sowie seine Frau Erika aus Wuppertal vor Ort da. Wir hatten uns schon lange ausgemacht, dass wir am letzten Verpflegungspunkt  der 8. Etappe mit unserem Besuch für Jörg eine Überraschung anbieten wollten. Rano war selbst auch ein guter Läufer, speziell 5000 sowie 10.000 Meter. Ich kannte Rano schon lange beim Berliner Gehörlosen-Sportverein 1900 in der Leichtathletikabteilung. Er war auch einige Male bei der deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft dabei. Seine Bestleistung im Halbmarathon war 1:12:55 Std, wirklich für ein gehörloser Läufer im Vergleich mit den Hörenden eine super Laufleistung!!!

Am achten und letzten Verpflegungspunkt von der 8. Tagesetappe (75 km) waren in unterschiedlichen Zeitabständen die kommenden Sololäufern zu sehen. Dann kam Jörg endlich nach und ein Wiedersehen mit uns war für ihn eine große Freude. Ich konnte ihn endlich hautnah kennenlernen, sonst waren wir sozusagen die Online-Freunde. Für uns war es etwas schockiert, dass Jörg nach der achten Etappe schon etwas abgemagert sowie ein wenig erschöpft war. Aus den seinen Videoberichten sah er aber anders aus als in der Realität.

Rano lief zusammen mit Jörg die letzten 15 km bis zum Ziel an der Jugendherberge in Solingen-Burg. Mit dem Auto kamen wir dann zum Zielbereich an und es war schon einige gehörlose Zuschauergruppe vor Ort. Sie kamen überwiegend aus der Umgebung von NRW. Die schnellen Sololäufer waren schon längst am Ziel.

Über 1 ½ Stunden hatten wir mit der anderen Zuschauergruppe auf den Zieleinlauf von Jörg gewartet. Am Ende war ein sehr emotionaler, schöner Empfang für Jörg. Kurze Mitteilung von Jörg: Er hatte etwas Schmerzen am Fuß und brauchte für kurze Zeit seine Ruhe. Beim DLL gab es auch eine Masseurin zur Verfügung und mit meiner Spende für eine Bein-/Fußmassage konnte Jörg daran teilnehmen.


Sehr großzügig war der Cheforganisator Oliver zu uns, wir konnten mit den anderen DLL-Teilnehmer*innen beim Abendessen teilnehmen. Herzlichen Dank dafür! Auf anderer Seite war ich über die Welt der Ultraläufer sehr erschrocken, denn ich kannte sowas nicht. Viele waren zum größten Teil sehr erschöpft und teils auch etwas verletzt, aber sie gaben nie auf und wollten bis zum Ziel erreichen. Einer kam mit dem dick angeschwollen Fuß, bei den anderen mit Muskelverhärtungen usw. Lange musste ich alles so verstehen, dass das die Welt der Ultraläufer waren und vollkommen ein anderes Maßstab mit den Marathonis.

 

Nach dem Abendessen, wo Jörg unterm Tisch sein schmerzhafter Fuß in einem Schüssel heißes Wasser abgelegt hatte, hatte er sich beschlossen, dass er nicht mehr weitermachen möchte. Also für ihn eine sinnvolle Aufgabe und ein Selbstschutz vor seiner schlimmeren Fußverletzung, es war sein Achillessehnenentzündung und mit den weiteren Etappenteilnahmen war leider nicht mehr möglich. Für mich kamen dann aus Mitleid die Tränen und ich hatte auf unseren Zusammenlauf am nächsten Tag sehr gefreut. Daraus wurde es nicht und das bedeutete für mich, dass ich dann mit meinem ersten Ultralauf über Köln allein laufen musste. Ich konnte es sehr gut verstehen, dass er mit seiner Gesundheit nicht noch mehr riskieren möchte. Ich fand von ihm wirklich eine heldenhafte Aufgabe und bis zur 8. Etappe von über 600 km hatte er es mit Ach und Krach geschafft. Es gab in der dritten Etappe einen schlimmen Sturz, so dass er mit Biss doch weiterlief.

Am nächsten Morgen (4 Uhr frühmorgens!) war meine Aufregung dann da, denn ich hatte keine Erfahrung mit dem langen Ultralauf. Zum Glück hatten wir an dieser Etappe richtige Betten zum Schlafen, da sonst fast an allen Etappen waren die Übernachtungen mit den Schlafsäcken in der Turnhalle zur Verfügung. Das war wohl nicht meine Schlafwelt…

 

Nach dem lockeren Frühstück war ich schon mit den anderen Teilnehmer*innen am Hof der Jugendherberge. Viele ließen sein Gepäck im großen Lkw weitertransportieren. Es gab einige Gelächter für meine Teilnahme im Ganzkörperanzug mit Zylinderhut. Ich blieb cool und sah trotz meiner Aufregung positiv für meinen Lauf. Ein bemerkenswerter Läufer namens Henry, wohnhaft in Norwegen trotz eines Deutschen, war seit 12. Juni 2017 als Sololäufer von Nordkamp-Plateau bis an diesem Tag nonstop unterwegs. Sein Ziel ist nach dem Deutschlandlauf noch mit offizieller Teilnahme beim Spartathlon in Sparta / Griechenland am 30. September 2017 anzukommen. 

Sozusagen ein Solo-Lauf durch Europa mit dem Ziel, 10.000 Kilometer in nur 111 Tagen zurückzulegen. Da sah ich wirklich gezwungen, mit ihm ein Foto zu machen und mein allergrößter Respekt ging an ihm! An vielen Etappen von DLL war er oft an der Spitze unterwegs...

 

Über 600 Meter gingen wir weiter unten an der Straße und der Start war am großen Tor vor dem Schloss Burg. Kurze Anweisung von Oliver und dann habe ich meine Frau sowie Jörg vor dem Start verabschiedet. Es kamen wieder ein wenig Tränen, warum ausgerechnet OHNE Jörg, wo ich schon lange mein Wunsch war, mit ihm bei dieser 9. Etappe über Köln zusammenlaufen möchte?! Es ging nichts anders und ich lief mit traurigem Blick kurz nach dem Start in die Richtung Wald. Schon nach wenigen ersten Kilometern habe ich zu mir gesagt, dass ich nun endlich selbst unter Beweis stellen sollte, dass ich auch schaffen konnte, ein Ultraläufer zu werden. Ein paar Ultraläufer habe ich bewusst schnell fotografieren lassen, da ich nicht wusste, wie es am Ende dieses Laufes aussah? Es waren eine gehörlose Frau sowie ein Amerikaner am Start und das war für mich eine Seltenheit, vor Ort sie gesehen zu haben. Ob wir zusammen ankommen werden oder sie lange brauchten bis zum Ziel? Sie hatten genug Kräfte verbraucht nach 8 harten Etappenläufen. Ich hatte ja über Facebook jeden Tag seine bisherige Läufe verfolgt und musste mein Hut abnehmen, dass sie durchschnittlich pro Tag 75 Kilometer laufen sollte. Das war sehr viel für einen Sololäufer in 19 Tagen.

 

Über 15 Kilometer war ich mit der anderen kleinen Läufergruppe zusammen im Wald, es gab erhebliche Steigungen und ich konnte trotzdem locker überstehen. Die Markierungen waren teils auf Waldwegen oder an den Bäumen/Verkehrsschildern mit rosafarbigen Spraysprühugen bzw. Pfeilaufkleber zu erkennen. 

Man sollte mindestens auf die Markierungen im Fokus bleiben, sonst konnte es schnell zu einem Irrlauf werden. Das hatten wir schon im Wald einmal erlebt, zum Glück konnten wir den richtigen Laufweg finden.

Vom Veranstalter konnte man die geführten GPS-Tracks aus dem PC herunterladen und in den Smartphones/Navigatoren abspeichern lassen. Dafür war diese Hilfe genug vorhanden. Es waren im Wald auch viele herabgefallene Bäume zu überqueren und das war für mich ein schönes Waldabenteuer. Ich musste oft aufpassen, dass ich nicht mich hinfallen durfte und meine weißen Handschuhe nicht an den feuchten Baumstämmen verschmutzen sollte. Das war ein wenig belastend für mich und es gibt auch ein Spruch." Wer schön sein will, muss leiden!" Das passte zu meinem Outfit... Zufällig habe ich auch dem Läufer names  "Kalle" gesehen, er schrieb auch seinen eigenen Laufblog im Facebook und er ist fast überall in den Medien bekannt.


Ab Odenthal, nach 19 Kilometer, war dann auf Gehwegen zu laufen. Es wurde dann bis zum Ziel zur Flachstrecke. Da war meine Ausdauer nun gefragt und bisher lief alles gut im Plan. Nach 30 km war endlich der Rhein zu sehen und Köln, die viertgrößte Stadt von Deutschland, war nicht mehr weit. Ich hatte gute Erinnerung mit dieser großen Stadt von NRW, wo ich vor ca. vier Monaten bei meinem Marathonlauf in Bergisch-Gladbach mitgemacht hatte. In Köln hatte ich übernachtet und beim Bundesligaspiel gegen Hertha BSC im tollen Kölner Stadion angeschaut.

Was ich noch nie in meinem Laufleben gesehen habe, war ein französischer Ultraläufer (sein Spitzname "Crocsman") mit seinen Crocs-Kunststoffschuhen. Diese Plastikschuhe lief er beim Deutschlandlauf bisher und das war natürlich für mich einmalig. Persönlich war er mit seinem freundlichen, coolen Charakter bei allen sehr beliebt.  

Immer neben dem Rhein über die große Kölner Hohenzollernbrücke (viele Liebesschlösser waren an der Brücke festgebunden) lief ich durch die vielen Menschen, ganz bestimmt die Touristen am Kölner Dom (seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe) vorbei. Kurz unter der Hohenzollernbrücke war dann der 4. Verpflegungspunkt bei 37 km zu erreichen und bisher war ich mit meinem lockeren langen Lauf sehr zufrieden. Es machte mir unheimlich großen Spaß, in Köln mit vielen Sehenswürdigkeiten am Rhein zu laufen und zu besichtigen.

Lange neben dem Rhein lief ich weiter durch den Kölner Werft bzw. vorbei beim Deutschen Sport- und Olympia-Museum. Einige hundert Metern weiter kam ich dann zum bekannten Drehort "TV-Kultimbiss aus dem Kölner Tatort (TATORT mit Max Ballauf sowie Freddy Schenk) an und dort habe ich zum ersten Mal gesehen. Bei knapp 52 km war die Stadt Godorf, südlich von Köln, erreicht und den Rest immer auf den gut gepflegten Radweg bis zum Ziel in Bornheim / Hersel. Ich staunte immer wieder, dass der Rhein sehr lang und breit war.


Gute knappe 1 km war meine liebe Frau überraschend am Radweg da. Was für eine schöne Freude für mich und ich dachte zuerst, dass das Ziel in der Nähe war. Sie wollte gern mit mir bis zum Ziel locker zusammenlaufen und ich hatte wirklich nichts dagegen. Aber nach einiger Zeit fragte ich meine Frau, wie lange sollten wir noch laufen? Es war schon etwas zu weit für mich im Kopf, trotzdem war ich nach dem Ziel überglücklich und unglaublich stolz auf mich! Ich hätte selbst nicht gedacht, dass es alles für mich doch ein langer, etwas lockerer Lauf war. Ich musste es immer wieder lange begreifen, dass es ein normaler Ultralauf war. Mehr als 50 km hatte ich noch nie teilgenommen. Von Oliver hatte ich erfahren, dass die Urkunde sowie die Medaille später per Post nachgeschickt werden. Für mich war es etwas ungewöhnlich, nach dem Ziel keine Ehrungspreise wie Urkunde oder Medaille erhalten zu haben. Ich konnte es aber akzeptieren.

 

Eine Stunde später fuhren wir dann wieder nach Hause und es war für mich wirklich eine super Teilnahme. Mit meiner mutigen Teilnahme beim Ultralauf war eine interessante Herausforderung für mich und in meinem Hintergedanken habe ich für meinen vorbildlichen Ultraläufer Jörg an diesem tollen Tag gelaufen. Vielleicht wäre ich ohne ihn nie an diesem langen Lauf mitgemacht?

 

Auch dass Jörg am Ende doch Recht hatte, musste ich wirklich lachen. Damals hatte ich im kalten Februar 2016 bei minus 4 Grad in meiner Wohnnähe mein eigener 50-km-Trainingslauf absolviert. Das war hart und neu für mich gewesen. Nach dem kalten Trainingslauf hatte ich dem Jörg angeschrieben, dass diesmal mein letzter langer Lauf war und nie wieder Ultralauf mitmachen werde. Darauf teilte Jörg zu mir, man soll im Leben NIE WIEDER sagen. Und bei diesem erfolgreichen Ultralauf hatte ich wieder mein Bedarf, eines Tages noch weitere Ultraläufe mitzumachen. Recht hatte er wohl…

 

Nach ein paar Tagen hatte ich einfach Mitleid mit Jörg und gab mein Angebot bekannt, dass ich ein paar Jahre später mit ihm beim Zugspitztrail mit der normalen vollen Marathondistanz gemeinsam am Start antreten bzw. bis zur Zugspitze zusammenlaufen möchte. Die Startgebühr geht dann auf meine Kosten. Er war darüber überrascht und würde gern mit mir teilnehmen. Ich wollte schon immer einmal beim Marathonlauf bis zur Zugspitze mitmachen. Mal schauen, was dabei später rauskommt?


Strecke (Route)


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Kommentare: 2
  • #1

    Jörg Rosenbaum (Donnerstag, 03 Mai 2018 08:05)

    Schöne Bilder, Video und lange Bericht, ich bekam pur Gänsehaut und erinnere mich schön an DLL 2017. Ich muss wegen Achillessehnenentzündung in Solingen Burg aufgeben und könnte bei 9. Etappe nicht mit Robert zusammenlaufen. Dafür machen Robert (hat mein Teilnahme mir geschenkt, danke) und ich übermorgen run/bike bei WHEW 100 in Wuppertal :), da ich extreme Ultralauf wegen Koxarthrose nicht mehr machen kann. Nun mache ich "leichte Radsport" und Staffel für Triathlon oder Laufteam wie bei z.B. "100 Meilen Berlin - Der Mauerweglauf" im August 2018 :) Ich freue mich auf morgen .... Wiedersehen mit Robert und wir machen auch einen schönen Sonntag auf Ruhrpott :) Nochmals vielen Dank für deine schöne Erzählung über 8/9. Etappe bei DLL 2017 ... WOW

  • #2

    Rob Deafrunner (Donnerstag, 03 Mai 2018 08:10)

    Lieber Jörg, danke und es war für mich ein schönes Lauferlebnis, vor allem dass Du in der Welt der Ultraläufer warst und ich Euch kennenlernen durfte... Das war neu für mich! Unheimlich freue ich mich auf unsere (endlich!) gemeinsame Teilnahme beim WHEW100 am 05.05.18. Es wird sicher schön sein und lassen wir uns einfach überraschen. Kopf hoch wegen Deiner sportlichen Umstellung, Du hast es locker und verständnisvoll umgestellt auf Radsport und es ist auch eine tolle Sportart. Viele werden es lange brauchen, bis es man akzeptiert...
    Auf anderer Seite freue ich mich umso mehr, dass Du mein Geschenk für unsere Teilnahme angenommen hast und für mich ist es selbstverständlich. Durch Dir bin ich ein kleiner Ultraläufer geworden. ;o)