1. Lüneburger Heide-Staffellauf und Ultra-Marathon


Marathon Nr. -



16.06.2018

Startzeit: 07:00 Uhr

Startnummer: 55

Startgebühr: 65 EUR

Marathonauflage: 1

Start: Lüneburg, Am Sande

Ziel: Lüneburg, Sülzwiesen

 

Laufzeit: 05:13:07 h (42,2 km)

HM-Zeit: -

Pace: 07:30 km/min (42,2 km)

Herzfrequenz: 146

Rundenanzahl: -

Kalorienverbrauch: 4668

Finisher: 54 (100-km-Sololauf)

Rang: DNF (Abbruch nach 42,2 km)

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 576

Temperatur (min): 15 C

Temperatur (max): 24 C

Wind: kaum

Niederschlag: -

Wetterstand: bewölkt

Höhenmeter: 244 (nach 42,2 km)



Abbruch nach Anstrengungskopfschmerzen

Komplett völlig unterschätzt von mir

Eigentlich wäre ich über diese schöne Erinnerungsmedaille mit dem ersten 100-km-Ultralauf sehr glücklich gewesen...
Eigentlich wäre ich über diese schöne Erinnerungsmedaille mit dem ersten 100-km-Ultralauf sehr glücklich gewesen...

Daraus wurde leider für meine 100-km-Laufpremiere nichts! Einige Wochen davor hatte ich die kommenden Lauftermine von der DUV (Deutsche Ultramarathon Vereinigung e.V.) aus Neugier mal angesehen und da hatte ich diesen Lauf mit Interesse gefunden. Auf seiner Webseite habe ich mich noch genauer mit diesem 100-km-Lauf gründlich informieren lassen. Für den Monat Juni habe ich eigentlich außer 40. Stockholm Marathon nichts vor und deshalb war mit meiner Anmeldung beim 1. Lüneburger Heide-Staffellauf und Ultramarathon dann schnell fertig. Die angegebene Laufstrecke war nach meiner Vorstellung eigentlich für mich optimal. 

 

Lüneburger Heide ist eine der schönsten und abwechslungsreichsten Naturlandschaften Deutschlands. Es verbindet mit dieser Strecke sanft-wellig bis flach die Städte und Dörfer. Sie führt durch faszinierende Heide-, Moor- und Waldgebiete und sollte für uns ein garantiertes einmaliges Naturerlebnis geben. Das war für mich irgendwie reizvoll und ich wollte noch in diesem Jahr einmal in meinem Leben 100-km-Lauf ausprobieren. Es sollte beim 5. WHEW100 in Wuppertal sein, aber aus gesundheitlichen Gründen konnte mein gehörloser Laufpartner Jörg nicht mit dem 100-km-Ultralauf teilnehmen konnte. Ich möchte nicht allein am Start sein und darum hatten wir ein anderes Laufdisziplin genommen. Diesmal war „Run and Bike“ entschieden.

Normalerweise hatte ich an diesem Samstag geplant, beim 9. Allermöher Triple-Marathon in Hamburg, wo aus 3 einzelnen Marathons an einem Tag nacheinander gelaufen werden sollte. Da war der 100-km-Lauf einfach zu interessant für mich gewesen.

 

Das Angebot für alle angemeldeten Ultraläufer*innen beim Lüneburger Heide-Ultramarathon war nicht schlecht:

 

- Erinnerungsmedaille sowie Urkunde

- Pastaparty am Freitag

- Kostenlose Gemeinschaftsübernachtung in der Turnhalle

- Shuttle-Busse an jeden Wechselzonen

- Duschen nach dem Lauf

- Kleidertransport

 

Am Freitag nahm ich den halben Arbeitstag und ich fuhr allein mit dem Auto nach Lüneburg. Ich brauchte über eine Stunde dafür (12 km!), bis ich auf der Autobahn fahren konnte. Alles wegen dem kleinen Unfall stand ich leider im Stau…

In Lüneburg an den Sülzwiesen konnte ich mit viel Mühe finden. Es war fast alles abgesperrt und mein Navi im Auto konnte mir nicht viel unterstützen. Jedes Jahr im Juni feierte Lüneburg mit seinen Einwohnern und allen Besuchern vier Tage lang das Stadtfest. Mit ca. 100.000 Besuchern ist es das größte Fest der Heideregion mit musikalischen, kulinarischen und kulturellen Highlights in der Innenstadt. Darunter wurde der Sport wie Lüneburger Heide-Staffellauf auch angeboten. 

 

Zum Glück waren dort auf der großen Wiese gute Parkmöglichkeiten für alle Teilnehmer zur Verfügung. Bevor ich meine Startunterlagen abholen wollte, traf ich zufällig Uwe sowie Sascha, beide aus Berlin. Ein kurzer Plausch mit diesen beiden starken Ultraläufern und ich deutete sie an, dass sie für mich die klaren Favoriten waren. Erstaunlicherweise blieben sie locker und bescheiden und das waren sie für mich gute Vorbilder.

 

Bei der Pastaparty gab es zwei verschiedene Nudelangebote im Angebot. Alles war noch wenig zu sehen, obwohl viele Stände bzw. großes Pavillon standen. Von dem Cheforganisator Rolf D. bekam ich ein paar Infos über sein Smartphone mit den Bildern über die Streckenmarkierungen. Er behauptete mir, dass es alles gut mit den violetten Sprühmarkierungen sowie Hinweisschildern aufgestellt wurde. Das war nämlich meine große Sorge mit der Erreichbarkeit dieser Laufstrecke.

Für die freiwillige, kostenfreie Übernachtung war die Turnhalle von der Herman-Löns-Schule zur Verfügung gestellt und war unweit von der Veranstaltergelände an den Sülzwiesen. Mit dem Auto brauchte man 5 Minuten dahin.

 

Für mich war das erste Mal, in der Turnhalle vorm Wettkampflauf zu übernachten und selbst habe keine Vorstellung. Ich suchte einen guten Schlafplatz und das war nicht in der Turnhalle, sondern in einem kleinen Aufenthaltsraum für Betreuer sowie Sportlehrer. Das war für mich notwendig, denn ich brauchte unbedingt die Steckdosen für die Aufladung meines Handys. Bewusst ließ ich schnell für meine spätere Übernachtung gut einrichten und war sehr gespannt auf meine erste Übernachtung mit dem Schlafsack und –matte in der Turnhalle. Diese Übernachtungssituation kannte ich vorher nur vom Deutschlandlauf im letzten Jahr. Da hatten alle Sololäufer in 19 Tagen fast nur auf allen Turnhallen übernachtet und bei 4 Uhr frühmorgens war schon die Weckzeit. Das musste wirklich sehr hart sein.

 

Da es fürs Schlafengehen etwas für mich zu früh war, suchte ich in der Umgebung ein passendes Lokal aus, wo ich dann in der Ruhe das WM-Fußballspiel zwischen Spanien und Portugal anschauen möchte. Am Ende war das ein tolles, torreiches Spiel und brav zurück mit dem kleinen Fußmarsch bis zur Turnhalle.

Bei mir war es immer so, dass mindestens 2 Stunden vorm Start mein Frühstück beteiligen möchte. Es gibt Läufer, die können kurz vorm Beginn locker frühstücken und das kann ich nicht. Also stand ich um 5 Uhr frühmorgens auf und hatte leider nach meinem Gefühl nur zwei bis drei Stunden Schlaf. Es war nicht angenehm an der Schlafmatte und es gab kein ordentliches Kopfkissen. Schon sehr lange hatte ich nicht mehr unterm Zelt (Camping) mit dem Schlafsack übernachtet.

 

Gegen 6:20 Uhr war ich wieder mit dem Auto am Zielbereich an den Sülzwiesen. Ausnahmsweise war der Start für alle am Sande in der Stadtmitte Lüneburgs, wo dort das Stadtfest war. Zum Glück war es ebenfalls nicht weit und mit dem kleinen Fußmarsch war ich mit den anderen Teilnehmer*innen schon dort. Nun hatte ich noch 20 Minuten Zeit, um sich ein Bild dort zu machen. Das Wetter war allem wie von mir gewünscht, alles bedeckt mit Wolken und relativ angenehm. Ein paar Ultraläufer waren leicht zu erkennen, auch Uwe und Sascha, sie waren nach meiner Ansicht sogar in lockerer Motivation bei dieser Laufpremiere. 

 

Oben auf der Bühne, wo überall viele Stände beim Stadtfest zu sehen waren, war der Cheforganisator Rolf da und gab uns zur allerersten Premiere dieses Ultralaufes frei. Um 9 Uhr werden dann die Staffelläufer starten. 

Ein erstaunliches Gefühl von mir war es, dass ich kurz vorm Start keine Aufregung besaß. Immerhin hatte ich da ein gutes Gefühl für diesen Ultralauf, nur meine Müdigkeit hatte ich schon bemerkt und nahm trotzdem nicht so ernst.

Davor hatte Rolf bei mir angekündigt, dass ich mit meinem Ganzkörperanzug für meinen 100-km-Lauf viel zu warm sein könnte. Im Prinzip hatte er Recht, aber was er nicht wusste, habe ich mit dem warmen Wetter schon genug meine Übung aus meinen vielen Marathonteilnahmen.

 

Nach dem 7-Uhr-Startschuss auf dem Platz Am Sande, umgeben von prächtigen mittelalterlichen Backsteingiebeln, war alle verrückte Ultraläufer*innen dann los. Einige Schaulustigen waren noch da und sicher waren alle anderen noch im Schlaf…?

Über 1,5 km liefen wir auf der noch flachen Strecke an den Sülzwiesen dem späteren Zielbereich vorbei. Die Mitarbeiter von der  Zeitmessungsfirma „sportident“ waren noch aktiv und jeder bekam für seine eigene Zeitmessung ein Armband mit dem Chip. Ich kannte diesen Chipband schon vor einem Jahr von meiner ersten Crosslauf-Teilnahme beim 10. Schlaubetal-Marathon in Eisenhüttenstadt im Bundesland Brandenburg. 

Bis zum ersten Wechselpunkt bei 10,4 km an der Erlebnisschmiede in Südergellesen war ab 9 km  ein leichter Anstieg zu erkennen. Alles noch in guter Verfassung bei meinem Laufen. Die Favoriten bei diesem ersten langen Ultralauf waren Uwe sowie Sascha nach ein paar Kilometer am Anfang schon nicht mehr zu sehen. 

Die zweite Teilstrecke ist die längste Etappe, aber relativ flach, teilweise ein wenig wellig und schnell. Dieser Lauf war an das Dorf Oldendorf/Luhe, später in den Waldweg Richtung Amelinghausen und über die Holzbrücke an der Luhe zum Lopausee zu besichtigen. An der Sportanlage  erreichten wir die zweite Wechselzone bei 24 km. 

 

Ein paar Kilometer davor hatte ich nun meine Kopfschmerzen zu spüren. In der Zwischenpause blieb ich etwas länger als üblich, um mich mit meinen Kopfschmerzen zu schonen.

Die 3. Laufetappe war dann ein wenig abwechslungsreich, mal auf den Geh- und Radwegen sowie etwas an den Waldwegen. Es wurde immer schlimmer mit meinem Kopf und ich konnte nur noch mit schwerem Biss weitermachen, aber noch weitere 70 km bis zu meinem Traumziel war mein Gedanke. Kurz vorm dritten Wechselpunkt bei 32 km war meine Motivation schon im Eimer und ich dachte fast schon ans Aufgeben. Am Verpflegungspunkt warteten viele Staffelläufer*innen für die Staffelübergabe und sie gaben für mein Lauf-Outfit großen Applaus. Das war für mich schön, aber sie wussten noch nicht von meiner Klage mit dem Kopf. Ein wenig Nachdenken hatte ich mich danach entschieden, noch weitere 10 Kilometer wollte ich mal testen, wie schnell ich beim Wandern war und konnte auch für meine spätere Erfahrung sehr gut gebrauchen. 

 

Die 4. Etappe beginnt auf dem zunächst welligen Luhe-Radweg, ein befestigter Waldweg unweit der Luhe in Richtung Steinbeck. Das war hart und auch interessant für mich, nur im Wanderschritt unterwegs war gerade noch angenehm für mich. Aber über 60 km bis zum Ziel nur im Wandern wäre für mich die große mentale Frage, ob ich es schaffen konnte? Zufällig traf ich ein Hamburger Ultraläufer namens Osman, von Beruf Lehrer, auf dem Weg und wir hatten eine angenehmere Unterhaltung. Er wollte auch nicht mehr bis zum Ziel laufen, sondern noch bis zur 50-km-Grenze erreichen. Sein Knie schmerzte und daher verzichtete er ebenfalls auf sein Risiko.

 

Aus meinem Vernunft war ich spontan entschieden, dass ich nach der vierten Etappe für immer mein großes Ziel, als erstmaliger 100-km-Läufer in meinem Leben, aufzugeben. Ich möchte meine Gesundheit nicht noch mehr riskieren.

Das Luhetalbad in Bispingen war die Wechselzone nun erreicht und gab dem Betreuer am Verpflegungspunkt bekannt, dass ich nicht mehr weitermachen möchte. Auf seiner Anweisung sollte ich trotzdem zum Sanitäter aufgrund meines Kopfschmerzen untersuchen lassen. Aber ich hatte auf die Untersuchung verzichtet und wusste sowieso, dass man mir nicht helfen konnte. Der Sanitäter durfte mir keine Kopfschmerztabletten geben, was ich auch nicht gewollt hatte. Ich war schon immer kein Freund für die Medikamente.

Ich musste fast eine gute Stunde auf den Bus-Shuttle warten und die Fahrt bis zum Zielbereich war auch eine Stunde lang. Bei meiner Wartezeit habe ich meiner Frau, Familie sowie Lauffreunde kurz mit der Videonachricht informiert, dass ich nicht mehr in der Lage war, weiterzulaufen. 

 

Bei der Rückfahrt auf der staufreien Autobahn habe ich mir viel Gedanken gemacht und konnte nun unterm Strich sagen, dass ich alles mit meiner spontanen Teilnahme beim 100-km-Lauf völlig unterschätzt habe. Es war nicht zu vergleichen mit meinen mehrmaligen Marathonläufen und hatte auch keine optimale Trainingsvorbereitung für diesen Ultralauf gemacht. Anderseits war ich sehr froh darüber, dass ich auf meine Gesundheit gehört bzw. eine neue wertvolle Erfahrung mitgebracht habe. Außerdem ist kein Meister vom Himmel gefallen!

 

Mein Ziel bleibt trotzdem immer noch, einmal den 100-km-Ultralauf mitzuerleben und darum habe ich mich schon entschieden, dass ich in zwei Jahren noch einmal nach Lüneburg fahren werde und meinen zweiten Versuch mit diesem 100-km-Ultralauf antreten möchte. Bis dann müsste ich schon genug Übung haben, hoffentlich!?

 

Die Schlafsituation in der Turnhalle war ganz neu und unerwartet für mich, daher mein sehr schlechter Schlaf. Das musste ich in der Zukunft gut vorbereiten, denn ich habe für meine Teilnahme von 8 Etappen am Stück beim Deutschlandlauf 2019 schon angemeldet! Dort sind die Übernachtungen meist in den Turnhallen vorprogrammiert.

 

Von den 65 angemeldeten Ultraläufer*innen kamen nur noch 43 zum Ziel, darunter 5 Frauen. Die Gewinner waren wie von mir erwartet die beiden Berliner Ultraläufer Sascha und Uwe, die gleichzeitig mit beiden erhobenen Händen an der Ziellinie überquerten. Dort gab es aber nur ein Pokal und Sascha hatte an Uwe diesen Ehrenpreis überreicht, dafür teilten sie beide die Siegerprämie. Sowas nenne ich die wahren Gewinnerhelden!

 

Nun möchte ich bei meinen interessanten neuen Herausforderungen im August beim Mauerweglauf im 2-er Team (100 Meilen = 160 km) meistern, wo ich als zweiter Läufer 70 km laufen soll und im September beim Jungfrau-Marathon in den hohen, schönen Bergen hinaufsteigen möchte. Das sind meine allerwichtigsten Läufe in diesem Jahr überhaupt, wo ich bisher noch keine Erfahrungen habe und deshalb möchte ich nicht wieder noch einmal während des Laufes grundlos ABBRECHEN lassen… Der Abbruch-Fluch in diesem Jahr ging für mich weiter und das dreimal!!! 

Für mich war es schon zu viel auf einmal… 

 

Ansonsten hatte es mir alles gut gefallen. Für diese Laufpremiere vom Veranstalter möchte ich mit der kompletten Organisation meinen Hut abnehmen. Alles war mit viel Herz und Mühe durchgeführt. Die Laufstrecke war ohne Schwierigkeiten wunderbar markiert, mit den Verpflegungen konnte keiner klagen. Viele Helfer waren lauffreundlich und zeigten ihren Spaß. So war mein Eindruck und ich möchte gern jemanden Werbung machen. Vor allem die Teilnehmer*innen der Staffelläufe könnten für alle sehr interessant sein. 


Strecke (Route)



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