33. Havanna Marathon


Marathon Nr. 76



10.11.2019

Startzeit: 06:30 Uhr

Startnummer: 103

Startgebühr: 70 EUR

Marathonauflage: 33

Start: Havanna, Central Park

Ziel: Havanna, Central Park

Laufzeit: 05:41:11 h

HM-Zeit: 02:34:26 h

Pace: 07:47 km/min

Herzfrequenz: 162

Rundenanzahl: 2

Kalorienverbrauch: 4103

Finisher:   (Marathon)

Rang:   (Marathon)

Platz unter Deutschen: -

Finisher aus Deutschland: -

Zeitverschiebung: 6 Std

Reisekilometer: 8385 

Temperatur (min): 22 C

Temperatur (max): 28 C

Wind: schwach

Niederschlag: anfangs Starkregen, später trocken

Wetterstand: leicht bewölkt

Höhenmeter: 209



Im Zeichen des 500-jährigen Stadtjubiläums

Zwei verschiedene Wettercharakter laufend unterwegs

Video-Impressionen vom 33. Havanna Marathon

Die kubanische Hauptstadt feierte 2019 ihren 500. Geburtstag. Havanna war bis heute immer noch ein Fest für die Sinne und das noch mehr, wenn diese Stadt mit rund 2,10 Millionen Einwohnern ein halbes Jahrtausend feierte. Havanna, oder wie die Einheimischen sagen "La Habana", ist nicht nur eine der ältesten Siedlungen der Neuen Welt, sondern auch die Hauptstadt der Kontraste. In Havanna befindet sich die größte erhaltene koloniale Altstadt Lateinamerikas (seit 1982 UNESCO-Weltkulturerbe) direkt neben den 1950er Jahre Hochhausblocks im amerikanisch gehaltenen Stadtteil Vedado. Ein Spaziergang von Ost nach West führt auf wenigen Kilometern einmal durch die Baugeschichte Amerikas.

 

Eine Urlaubsreise auf Kuba war unser Wunschziel seit Jahren, denn Kuba ist bis heute noch ein kommunistisch regierter Inselstaat in der Karibik. Da wir unsere Kindheit in der ehemaligen DDR (Deutsche Demokratische Republik) aufgewachsen waren, wollten wir in der heutigen Zeitphase dort noch ein wenig Kommunismus "wiederatmen" können. Typisch für La Habana waren die pastellfarbenen Häuser und die Autos aus den 1950er Jahren. Kubas Geschichte hatte weit mehr zu bieten als Fidel Castro und die Revolution, wie z.B. Spanische Kolonialherrschaft, Sklaverei, Unabhängigkeitskriege usw.

DEAF VIDEO kommt bald...

(DEAF VIDEO is coming soon)

Meine Frau wollte schon immer im Januar eine Badeurlaubsreise teilnehmen und ich hatte im Normalfall eigentlich nichts dagegen, aber da ich genau wusste, dass die großen Temperaturunterschiede im Jahresverlauf auf Kuba nicht gab. Die etwas kühleren Monate Oktober bis Februar liegen die durchschnittlichen Höchsttemperaturen bei knapp über 25°C und in den wärmeren Monaten, vor allem von Mai bis September auf über 30°C. Das entspricht die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei rund 27°C und somit ist diese Insel bei den sonnenhungrigen Touristen sehr beliebt. Die Nähe zum Äquator und das warme Meer trägt dazu bei, dass das Wetter und Klima auf Kuba ganzjährig relativ ausgeglichen ist. Für mich ist das "traumhafte Badereise" auf Kuba somit fast ganzjährig garantiert!

 

Deshalb hatte ich bei meiner lieben Frau Sabine immer wieder angesprochen, dass wir bei jedem Badeurlaub (wenn es möglich wäre!) mit einer Marathonteilnahme mitmachen sollten. So blieben wir mit unserem Kuba-Urlaub auf diesen Monat November, wo wir nach dem gemeinsamen Lauferlebnis beim 33. Havanna Marathon unseren langen Badeurlaub in Varadero entspannen wollten. So ein langer Flug von Deutschland nach Kuba ohne Marathonteilnahme wäre für mich ein enormer Genussverlust. Für mich war es auch die Freude groß bei diesem "Marabana" (zusammengesetzt aus den Worten Marathon und Habana (spanisch für Havanna)), denn die Laufstrecke war ein bescheidender Rundkurs mit einer Halbmarathonlänge und somit konnte ich mit Sabine gemeinsam die volle Runde begleiten. Für die Marathonis sollte zweimal durchlaufen, was für mich normalerweise kein Problem war.

Wir hatten uns an dieser Urlaubsreise so bewusst, dass wir uns an die veränderten klimatischen Verhältnisse in Kuba anzupassen. Nach langem, gutem Hinflug (13 Stunden) waren wir schon am Donnerstag, dem 7. November, um die Mittagszeit in Havanna angekommen. Um die gute Anschlussmöglichkeiten für unsere Läufe beim großen Havanna-Marathon "Marabana" haben wir in der geringen Nähe von Kapitol das Hostel genommen. Es war praktisch alles zu Fuß erreichbar für die Abholung der Startunterlagen sowie der Start- und Zielbereich. Aus den letzten Marathonberichten von den anderen Laufbloggern habe ich zufällig mitbekommen und darüber war ich wirklich sehr froh, denn aus den letzten Jahren waren den Standorten für die Startunterlagen-Abholung anders und weit weg. In diesem Jahr war alles praktisch in der nahen Umgebung, welch ein Glück für uns?!

 

Den halben Tag schnupperten wir Kuba-Hauptstadt etwas und für uns wirklich eine interessante Beobachtung. Erstaunlich war gleich zu erkennen, dass diese schöne Stadt nach und nach zerfiel. Fast jedes Haus war komplett zerstört, es fehlte den Häusern oft die Fassade oder umgekehrt stand nur mehr die Fassade und waren teilweise richtig rausgeputzt. Viele Häuser waren noch aus dem 16./17. Jahrhundert, dementsprechend pompös und liebevoll waren sie verziert. Eigentlich sehr schade, es wäre die Stadt doch so charmant.

 

Was war auch typisch für Kuba, und insbesondere für Havanna? Der Rum, die Zigarren, die Musik? Natürlich! Aber es fehlte noch. Genau: DIE OLDTIMER! Kein anderes Land der Welt war so sehr für seine alte Autos berühmt, wie der Inselstaat Kuba mit seiner charismatischen Hauptstadt Havanna. Auf buchstäblich jedem Bild, das in den Straßen von Havanna aufgenommen wurde, sah man in der Realität mindestens einen der amerikanischen Oldtimer aus den 40er- und 50er- Jahren. Schon beim Anschauen gab uns immer wieder große Freude, wie die farbenfrohen, alten Oldtimer auf den Straßen Havannas fuhren. 

Manchmal fragte ich mich, was wäre Kuba ohne seine Oldtimer? Es gab keine genauere Zahlen, doch dürften zwischen 40.000 und 60.000 US Oldtimer noch heute auf Kuba rumfahren. Wie es zu dieser Ansammlung von alten amerikanischen Autos gekommen war? Der Grund lag in der politischen Entwicklung des Landes verborgen. Als die Kommunisten nach der Revolution im Jahr 1959 die Macht übernahmen, brachen alle Beziehungen mit anderen, insbesondere westlichen Ländern ab und die Kubaner mussten fortan mit den Dingen zurechtkommen, die bereits im Land waren. Dazu gehörten natürlich auch die Autos. Und da in den Jahren und Jahrzehnten danach der Import von Fahrzeugen (und vielen anderen Gütern) sehr stark reglementiert wurde, tat man alles Menschenmögliche dafür, die alten Autos zu erhalten. Immer wieder wurden und werden die Fahrzeuge repariert und restauriert, werden mit viel Phantasie eigene Ersatzteile aus allen möglichen Materialien angefertigt. Kaum ein anderes Volk erweist sich dabei so kreativ wie die Kubaner.

Schon lange hatte ich in meiner Tagesplanung, dass wir nach der Ankunft in Havanna an diesem Tag noch die Unterlagen unserer Startnummern abholen sollten. Es war nicht weit vom Hostel und es fand im 5-Sterne-Hotel "Iberostar Parque Central" statt. Mit ein wenig Mühe konnten wir endlich auf der oberen Etage ein großer Saal für die Startunterlagen-Abholung finden. 

Es waren einige Teilnehmer*innen zu sehen und ungewöhnlich war für mich, dass es keine Marathonmesse gab. Das freiwillige Helferteam war freundlich zu uns und es klappte alles wunderbar. Vorsichtshalber habe ich dem Team gefragt, ob wir zu den Offenen Meisterschaften für Gehörlosen angeordnet waren? Neben den 10-km-, Halbmarathon- sowie Marathonläufen gab für Gehörlose, Blinde und Rollstuhlteilnehmer die Sonderpreise zur Verfügung. Alle Läufer*innen mit besonderen Behinderungen konnten dort teilnehmen und alles abhängig von der Anzahl der angemeldeten Teilnehmer in jeder Modalität und bei mehr als 8 Teilnehmern. Eine seltene Interessantheit vom Veranstalter!

Es war eine wirklich entspannte Startnummernausgabe und jeder bekam die Papiertüte von ADIDAS eine Startnummer mit aufgeklebten Einmalchip, ein schönes Funktionsshirt sowie ein Kunstposter mit dem Titel "Unendliche Havanna" vom Künstler Luis Miguel Valdés als Geschenk zum 500. Jahrestag von Havanna. Es war auch ein Gutschein zur Pastaparty, wo aber recht weit im Süden der kubanischen Hauptstadt war. 

 

Vergeblich habe ich zu Hause in Zeuthen im Internet nach den Medaillen von Marabana 2019 geschaut, nirgends war es zu finden! Aber mit großem Glück habe ich dort auf dem großen Präsentationstisch gesehen, wo die Finishermedaille für 2019 zu sehen war. Ich war richtig happy und wollte schon am liebsten jetzt schon loslaufen für DIESE MEDAILLE.

 

Umso mehr war ich auch beruhigt mit der Medaillensache, denn in den letzten Jahren waren die Finishermedaillen schon VOR DEM MARATHONSTART in der Startertüte eingepackt. Das wäre für mich kein schöner Empfang, ungewöhnlich auch noch...

Am nächsten Tag hatten wir am Morgen unseren lockeren Trainingslauf beteiligt und wir konnten noch etwas mehr um die Havanna ansehen. Ein geiles Gefühl bei den warmen Temperaturen laufend unterwegs zu sein. Außerdem war es schon um die 8 Uhr viel zu warm für uns und so konnten wir unsere baldige Laufteilnahme am Sonntag mit dem subtropischen Klima besser daran gewöhnen.

 

Die restlichen Tagen vor dem großen Marathontag waren wir fast an allen Ecken von Havanna unterwegs und dabei konnten viel um die einzigartig interessanten Sehenswürdigkeiten kennenlernen.

Schon Mitte April haben wir für diesen 33. Havanna Marathon erfolgreich angemeldet. Erstaunlich waren die Startgebühren aller Distanzen für die internationale Teilnehmer*innen die gleiche Preise, was für mich nicht normal war. Die Summe der Startgebühr war 70 EUR wert. Für die Einheimischen wurden natürlich anders berechnet und waren somit billiger als unsere.

 

Zwei Wochen vor dem Marathonstart teilte man uns per Email, dass die geplante Startzeit auf eine halbe Stunde vorgezogen wurde. Es sollte aus technischen Gründen sein und am frühen Morgen um 5 Uhr wurden uns geweckt. Diese frühe Zeit war aktuell 6 Stunden hinter der Zeit in Deutschland. Um 11 Uhr vormittags in Deutschland war es in entsprechend erst 5 Uhr morgens.

 

Mit ruhiger Gelassenheit gingen wir auf der "San Rafael"-Boulevardstraße zum Startbereich, das waren fast 300 Meter lang und für mich wohl der kürzeste Fußweg aller meinen Marathonzeiten. Auf allen Straßen waren schon nass vom letzten Regen und laut Wettervorhersage sollte tagsüber etwas regnen. Damit hatten wir nicht gerechnet, dass hier in Kuba, wo wir eigentlich die "sonnenhungrigen" Touristen waren, auch ab und zu mal regnet.

 

Es war noch dunkel und am Startbereich waren einige schon zu sehen. Wir hatten kein hektisches Gefühl von großen Gedrängen und trotz frühen Morgen war es relativ warm. Es gab nicht viele Dixieklos zur Verfügung, das waren für unsere "Geschäfte" überhaupt kein Problem. Das hatten wir glücklicherweise schon im Hostel vorher erledigt.

 

Der Start- und Zielbereich war neben dem "Parque Central" - aus dem Englischen übersetzt: Der Central Park von Havanna war eine der bekanntesten und zentralsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Havanna auf Kuba. Aus den letzten Jahren war diesmal neben dem weltbekannten "Kapitol". Das Kapitol von Havanna wurde 1929 als Sitz der Legislative gebaut und diente diesem Zweck bis 1959. Nach achtjähriger Renovierung wurde es im März 2018 wieder für Besucher geöffnet.

 

Durch meine auffällige Gebärdensprache hatte ein gehörloser Kubaner, der 10-km-Lauf teilnahm, mich erkannt und er stellte sich vor, dass er auch gehörlos war. So schön konnte die Gehörlosenwelt noch kleiner sein und mit der einfachen internationalen Kommunikation klappte es einwandfrei.

Über eine halbe Stunde wurde langsam heller und auch die Läufermasse am Startbereich voller. Ich freute mich unheimlich auf diesen Marathonlauf, wo ich schon sehr lange immer gewünscht hatte. Ganz vorne waren die gehbehinderten Teilnehmer mit den Krücken zu sehen. Hut ab, dass sie Mut und Freude am Laufen hatten. Sowas habe ich in Deutschland nicht gesehen. 

 

Der Veranstalter hatte auch in der Homepage uns darauf hingewiesen, dass für die Teilnahme am Marathon/ Halbmarathon große Lauferfahrung und sehr gute Fitness vorausgesetzt werden sollte. Die Laufstrecke war ein Halbmarathonkurs, wobei die Marathonis zweimal durchlaufen sollten. Der Rundkurs war überwiegend flach mit einigen kleineren Steigungen, vor allem sollte der Faktor Luftfeuchte nicht zu unterschätzen. Der Marathon musste in max. 6,5 Stunden, der Halbmarathon in max. 3 Stunden absolviert werden. Wenn die Marathonis das Halbmarathonlimit nicht erreicht hat, wird sie dann zur Halbmarathonwertung eingegeben und somit für die zweite Runde verzichtet. Zu meiner Frau habe ich schon lange zugesichert, dass ich ihre Halbmarathonrunde begleiten möchte. Mit ihrer Halbmarathonerfahrung war ich überzeugt, dass sie unter drei Stunden den HM schaffen könnte.

Als der Startschuss losging, war dann meine Motivation angekommen und sehr gespannt auf diesen Marathonlauf war ich schon. Für meine Frau war das ihre dritte Halbmarathonteilnahme, wo sie über drei Monaten Laufpause hatte. Sie hatte vorhin ein wenig Knieschmerzen und wollte damit nicht noch mehr belasten. Ich war sowieso froh, dass sie an diesem Tag teilnehmen konnte und allein auf der Halbmarathonstrecke ohne sie hätte ich mich nicht richtig gefreut wie an diesem Moment.

 

Über einen Kilometer waren wir in der vollen Läufermasse in die nördliche Richtung laufend unterwegs, bis wir links abgebogen hatten, wo neben dem Park "Parque Martires del 71" stand. Dann kam für alle die Kubas berühmte Uferpromenade "Malecón". Das spanische Wort "Malecón" bezeichnete eine Ufermauer aus Stein und meist verstand man darunter eine Uferstraße auf einem Steindamm, die oft nachträglich vor einer bestehenden Bebauung errichtet wurde. Die berühmte Uferpromenade der Malecón in Havanna ist zum Sinnbild für die vielen Probleme der Hauptstadt Kubas geworden. Aber neben dem Schauplatz von politischer Propaganda und Prostitution gibt es auch viel Hoffnung.

 

Erste Impressionen von Havannas Uferpromenade waren die starken Wasserwellen, die gegen die Kaimauer darüber hinwegspritzten. Eine interessante Augenweide für alle Laufteilnehmer*innen und als ich teilweise einige Foto- bzw. Videoaufnahmen gemacht habe, war meine liebe Sabine nicht mehr in der Laufgruppe zu sehen. "Oh, Gott!" habe ich zu mir selbst gesagt und lief mit großem Suchblick nach ihr. Vor dem Start habe ich zu Sabine gesagt, dass wir immer beim Laufen an der äußeren rechten Seite bleiben sollten, um leichter zu erkennen. Vergeblich suchte ich nach Sabine und lief immer weiter mit schnellerem Tempo, wo ich in Kürze schon schnell erschöpft war. Es war schon sehr schwül am Morgen und fast komplett bewölkt. Noch war kein Regen zu sehen und mein Herz war so traurig, dass ich sie verpasst hatte, gemeinsam bis zum Halbmarathonziel zusammenzulaufen. Oftmals fragte ich mich, warum sie nicht einmal anhalten bzw. etwas auf mich warten könnte? Einfach Pech - weiterlaufen und mit Traurigkeit genießen! Trotzdem lenkte ich mit ein paar Videoaufnahmen ab, denn ich schätzte schon auf die 2. Streckenhälfte, da könnte ein anderes Laufbild geben als in diesem Moment. Blöd war es auch, dass wir gegenseitig nicht mit den Handys kommunizieren konnten. In Kuba herrschte ein wenig Internetmangel und man könnte mit einer Internetkarte für 1 EUR pro Stunde kaufen. Später erfuhr ich, dass Kuba in Riesenschritten ins Internetzeitalter rannte und es sollte auch gewusst haben, dass das Internet in Kuba das schlechteste der westlichen Welt war. Also, diese Situation sollten wir es akzeptieren.

 

Bei 5 KM gab es eine Wendeschleife für 10-km-Teilnehmer*innen und dann wurde das Gruppenbild der Halb- und Vollmarathonis etwas kleiner, da die 10-km-Läufern umgebogen haben. Die kubanischen Helfer haben mit Hilfe der Stoppuhr die Zeiten aufgeschrieben, wobei sie an unseren Startnummern beobachtet hatten. Deren Zeit wurde nicht mit einer Matte erfasst!

Über 7 km liefen wir an dieser berühmten Uferpromenade durch und eins stand schon fest, wie schade die alten Häuser an der Malecón standen. Denn an stürmischen Tagen trieb der Atlantik seine Wellen gegen die Kaimauern, deren meterhohen spritzendes, schäumendes Wasser dann bis auf die Straße schlugen. Das Salz, die Sonne und die Folgen wirtschaftlicher Probleme haben den älteren Gebäuden entsprechend zugesetzt: die Farben waren verblasst und große Narben durchzogen das Mauerwerk. Trotzdem war das eine charmante Ausstrahlung für mich. Wer weiß, wie lange noch? Bereits 1901 wurde das erste Teilstück der Uferpromenade gebaut, beginnend am Paseo del Prado, der Flaniermeile, die durch die Altstadt Habana Vieja, Centro Habana und Vedado auf knapp sieben Kilometern zusammengefügt.

 

Kurz vor dem "Rio Almendares" bei 7,5 KM kam dann die 3. Verpflegungsstelle an der Reihe und vor 10 Minuten hatte es angefangen, leicht zu regnen. Rio Almendares war ein Fluss, der im Westen Kubas 45 km lang floss und stammte aus dem Osten von Tapaste. Er floss nordwestlich in die Straße von Florida und diente als Wasserversorgung für Havanna. Da wollte ich meine kleine Chance besorgen und ich wartete an diesem Verpflegungspunkt auf meine Frau Sabine, vielleicht war sie doch im Hintergrund, wo ich einfach sie übersehen hatte? Mehr als 5 Minuten gab ich einfach auf und war noch mehr traurig auf meinen Sololauf, warum musste es so einfach passieren?

 

Vorbei an der Wendeschleife lief ich weiter und beobachtete auf der anderen Straßenseite von Malecón weiter. Meine Hoffnung war nicht aufgegeben und was sah ich da? SABINE war doch zu sehen und vor Freude rief ich mit lautem Gebrüll ihren Vornamen. Ein hörender Laufer gab ihm Bescheid und sie sah winkend zu mir. Mir war ein Stein vom Herzen gefallen. Ich habe etwas geweint und ab da MUSS ich dann richtig aufpassen, ich sollte immer an ihrer Seite kleben... Später hatte meine Frau mir berichtet, dass ich bei meiner vergeblichen Suche viel zu schnell nach vorne gelaufen hatte und sie wollte mich nicht überholen lassen, denn um sie möchte ihr bestimmtes Lauftempo weiter behalten. Also, alles ging auf meiner Kappe! Der Regen wurde immer stärker und unser Zusammensein gab uns weiterhin Freude am Laufen. 

 

Als wir bei 9 KM an der Calle 12 (auf spanisch Straße) abgebogen haben, kam dann die einige Steigungen für uns. Es gab viel Regenflut auf dieser Straße und schon beim Auftreten hatte ich das Gefühl, ich lief am Wasser und nicht auf dem Asphalt. Es hatte richtig sehr doll geregnet und alles war nass an den Kleidungen. Zum Glück war es nicht kalt draußen, irgendwie doch angenehm.

Nach einer guten Stunde war der Regenguss nicht mehr vorhanden und langsam kam die Sonne an unserer Seite, welch ein schönes Gefühl?! Bei 12 KM liefen wir neben dem Nationalzoo "Parque Zoológico Nacional" vorbei. Bisher gab an allen Verpflegungsstellen nur noch Wasser in kleinen Flaschen. Was wir sehr gut fanden, dass alle Verpflegungsstellen mit den Abständen um 2 bis 2,5 km zu erreichen waren. Zwischen 13 KM und 14 KM gab es eine große Umrundung am großen Springbrunnen "Fuente Luminosa" (Lichtquelle). Diese Lichtquelle wurde von einem breiten Kreisverkehr an der Kreuzung begrenzt.

Bei ca. 16 KM konnten wir aus der Sichtweite das Statue und Turm des José.Martí-Denkmals am Plaza de la Revolución sehen. Da wussten wir schon, dass es nicht mehr weit war und bald wir zum Zentrum Havannas waren. "Plaza de la Revolución" (spanisch für Platz der Revolution) war ein Stadtbezirk der kubanischen Hauptstadt, häufig kurz Plaza genannt. Der Stadtbezirk erstreckte sich von seinem Namensgeber, dem Platz der Revolution, bis hinunter zum Meer am Malecón und beinhaltete den Stadtteil Vedado. Dieser Platz war mit 72.000 Quadratmetern der größte innerstädtische Platz Kubas. Hier fanden regelmäßig offizielle politische Kundgebungen statt. Fidel Castro sprach hier jährlich zu besonderen Anlässen beispielsweise am 1. Mai oder am 26. Juli vor mehr als einer Million Kubanern. Der Platz der Revolution wurde dominiert durch das José-Martí-Denkmal, bestehend aus einem 109 Meter hohen Turm und einer 18 Meter hohen Statue. Der Turm war das höchste Bauwerk der Stadt und man konnte mit einem Fahrstuhl bis an seine Spitze fahren. Das konnten wir leider aufgrund der Bauarbeiten nicht miterleben. Gegenüber dem Denkmal befand sich das Gebäude des Innenministeriums mit einem großen Bildnis von Che Guevara und dem Spruch "Hasta la Victoria Siempre" (immer bis zum Sieg). Auf dem danebenstehenden Informationsministerium war Camilo Cienfuegos mit seinem Zitat "Vas bien Fidel" (Fidel, du gehst recht/machst es richtig) zu sehen.

Etwas erschöpft waren wir weiter durch Nuevo Vedado. Ab 18 KM waren die Isogetränken in Folienbeuteln zu verteilen und ich nahm es einfach aus Neugier, wollte mal nachkosten. Man musste mit den Zähnen aufreißen und es war mit dem Geschmack ein wenig ungewohnt. Die letzten drei Kilometer schafften mit ein wenig Mühe bis zum Halbmarathonziel. Davor hatten wir einen Rückwärtsläufer aus Puerto Rica gesehen und unser Respekt an ihm!

 

Zwei Kilometer vorm Ziel kam der schnellste Marathonläufer vorbei und ganz vorne wurde von einem gelben hübschen Fahrzeug begleitet.

Es wurde immer wärmer und meine Frau lief fokussiert bis zum Ziel weiter. Ich machte mir schon Gedanken auf die zweite Halbmarathonhälfte und schaute auf die Sportuhr, es könnte knapp werden mit meinem Marathonlimit. Auf der Salvador-Allende-Straße hatten wir ein anderes Bild bekommen und man konnte dann das richtige Alltagsleben dort ansehen. Viele Kubaner ließen uns freundlich zuschauen.

Bis zum Ziel war ich an der Seite meiner Frau und nach ihrem glücklichen Ziellauf hatte ich mich auf den Erfolg sehr gefreut. Sie hatte es geschafft! Sie bekam dann die wohlverdiente Medaille und nun war ich an der Reihe, den zweiten Rundkurs zu komplettieren. Ich wusste es da an diesem Moment schon, dass es nicht einfach sein könnte. Es war richtig warm und man merkte auch an die steigende Feuchtigkeit schon, denn aus dem nassen Boden vom Regen wurde durch Sonnenschein verdunstet. 

Ich habe dann die gesamte Halbmarathonrunde schon im Kopf und wusste auch dann, was dann kam...?! Irgendwie doch eintönig, aber meine Stärke war schon immer, dass ich locker durchgehen konnte und ließ mich nicht abschrecken. Über 2 1/2 Stunden waren schon vorüber und ich habe noch fast 3 Stunden Restzeit. Es könnte eng werden, weil ich nicht im Voraus schätzen konnte, ob ich bis zum Ende locker laufen könnte?

 

An der Malecón war dann komplett ein anderes Streckenbild zu sehen, weit und breit ganz wenige Marathonis zu sehen. Alles so leer und das könnte mein mentaler Bruch geben... Die totale Einsamkeit könnte die mentale Leere entstehen und davor hatte ich zum Glück keine Angst. Ich habe noch viel Schlimmeres bisher erlebt. 

 

Ab 25 km gab an den Verpflegungsstellen zusätzlich gefrorenes Eis zur Abkühlung, eine interessante Angebotsalternative vom Veranstalter. Mein Laufkostüm war schnell durch den prallen Sonnenschein wieder trocken. Ab 30 km war dann richtig schwer für mich, die enorme Luftfeuchtigkeit war mein unangenehmer Begleiter und beschloss mich dann nur noch die gemischte Abwechslung zwischen Gehen und Joggen. Mehr konnte ich nicht mehr machen und einfach an das Motto denken: "Der Weg ist das Ziel!".

 

Was mich am meisten aufgefallen war, dass in der zweiten Streckenhälfte nun mehr Autoverkehr herrschte als vorher. Aber die Polizisten sowie die Helfer hatten alles im Griff, wir hatten immer Vorfahrt und bekamen den leichten Durchlauf über die Straßen. Hut ab für diesen reibungslosen Verkehrseinfluss!

 

5 KM vorm Ziel schaute ich auf die Uhr und wusste ab dann schon, dass ich unter 6 Stunden ankommen konnte. Ich rief meine Frau an, denn das hatten wir vorher vereinbart und dass mein Anruf in der Abwesenheit war, war für meine Frau die gute Info. Als ich die Kuppel vom Kapitol von Havanna aus der Ferne sah, war ich sehr erleichtert darüber. Das Kapitol in der kubanischen Havanna gehörte zu den berühmtesten Gebäuden des Inselstaates. Es wurde bei seinem Bau dem Kapitol in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington nachempfunden. Die Kuppel selbst wurde in den USA gebaut und nach Kuba importiert. 

 

Ab 300 Meter vorm Ziel schaute ich links und rechts genau nach, wo meine Frau stand? Doch auf der linken Seite war sie mit ein paar kubanische gehörlose Zuschauer zu sehen und blieb für eine Weile vorm Ziel stehen. Die kubanische Gehörlosen meinten zu mir, ich sollte weiter bis zum Ende laufen und dann zu ihnen nachgehen. Für mich war die Zielzeit schon immer unwichtig, sondern das Publikum war mir wichtiger. Über die Zielmatte gab ich am Boden mein Kuss als Zeichen der Dankbarkeit, dass ich in Havanna den Marathon laufen durfte und dass es mir alles gut gefallen hatte.

 

Das typische Kubas Wahrzeichen - Rum und Zigarre - das habe ich bewusst geplant und ließ mich mit meiner Frau vor dem Kapitol genießen. Diese langjährige Tradition sorgte dafür, dass Kuba bis heute der weltweit erste Platz in der Welt der Zigarren gebührte.

 

Ich war so richtig froh und überglücklich, dass ich mich doch richtig entschieden habe. Mit diesen Badeurlaub auf Kuba war für mich die selbstverständliche Pflicht, zusätzlich die Marathonteilnahme einzubuchen lassen. Bei so weitem Flug durfte es natürlich nicht fehlen. Im Allgemeinen war für mich der Havanna Marathon im internationalen Vergleich eher ein kleiner Lauf, wo aber für alle doch ein unvergessliches Lauferlebnis hatten.  Mit diesem guten Beispiel möchte ich Euch allen gern weiterempfehlen und nach meiner Meinung: "Wer Havanna nicht gesehen hat, der hat Kuba noch nie gesehen!" Wirklich eine interessante Laufreise wert! 

 

Anschließend konnte unser Badeurlaub in Varadero kommen...

Nur eine Sache, die ich sehr schlimm fand, war die Ergebnisse aller Läufe beim 33. Havanna Marathon. Dort konnte ich BIS HEUTE noch keine sichtbare Ergebnisse zu sehen, das nach 3 Wochen....!!! Wirklich sehr schade um seinen eigenen Ruf als Veranstalter...


Strecke (Route)

Originalstrecke (vom Veranstalter)

meine Laufstrecke


Höhenmeter


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