8. Horizontweg Marathon


Marathon Nr. 42



24.03.2018

Startzeit: 13:00 Uhr

Startnummer: 187

Startgebühr: 15 EUR

Marathonauflage: 8

Start: Hamburg, Energieberg Georgswerder

Ziel: Hamburg, Energieberg Georgswerder

 

Laufzeit: 04:35:04 h

HM-Zeit: 02:07:37 h

Pace: 06:27 km/min

Herzfrequenz: 149

Rundenanzahl: 46

Kalorienverbrauch: 4695

Finisher: 17

Rang: 8

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 556

Temperatur (min): 3 C

Temperatur (max): 8 C

Wind: leicht bis mittelmäßig

Niederschlag: -

Wetterstand: bewölkt

Höhenmeter: 4



Exklusiver Panoramalauf am Horizontweg

Viele Momente an diesem Lauf waren für mich außergewöhnlich

Endlich konnte ich Christian, derzeitiger Weltrekordhalter für vielen Marathonläufen, persönlich kennenlernen...
Endlich konnte ich Christian, derzeitiger Weltrekordhalter für vielen Marathonläufen, persönlich kennenlernen...

Ich suche immer wieder sehr gern die außergewöhnlichen Marathonläufe und bisher hatte ich im Monat März fast keine einzige gelungene Marathonteilnahme absolviert. Das war ungewöhnlich für mich.

 

Bei unserem Badeurlaub in Ägypten, eine Woche vor diesem 8. Horizontweg Marathon, hatte ich meinen kleinen Bedarf, noch ein Marathonlauf im März mitzumachen. Daher suchte ich mit meinem Smartphone nach den freien Marathonterminen. Wir alle haben wirklich ein großes Glück für die heutige digitale Welt mit der Internetnutzung, was wäre heutzutage ohne sie?

 

Seit Jahren verfolge ich viele interessante Lauftermine, speziell Voll- sowie Ultramarathons, von Christian H. aus Hamburg. Er ist eine sehr bekannte Marathonlegende und derzeitiger Weltrekordhalter in der Vielläufer- und Distanzläuferszene. Seit dem 3. August 2011 führt er die Weltrangliste (World Megamarathon Ranking) bei der Anzahl der absolvierten Marathonläufe an. Christian läuft etwa 150 Marathons und Ultramarathons im Jahr, zwei- bis dreimal pro Woche. Er ist von Beruf Arzt für Allgemein- und Sportmedizin. Für mich war es außergewöhnlich, dass er als Arzt mehr als 2600 Marathonläufe zurückgelegt hatte. Aktuell bei diesem Marathonlauf hatte er 2339 Marathon- und 418 Ultraläufe mitgemacht (insgesamt 2657). Mein allergrößter Respekt!

 

Im letzten November war die gehörlose Linda selbst auch dort dabei. Linda kannte ich aus der WhatsApp-Gruppe „Deaf Marathon“ und sie hatte uns allen von ihrer erfolgreichen Marathonteilnahme beim 7. Horizontweg Marathon mit Interesse berichtet. Ich war schon darüber fasziniert und stellte diesen interessanten Lauf schon lange in meiner Wunschliste auf. 

Persönlich habe ich Christian noch nicht kennengelernt. Ich wollte schon immer einmal nach Hamburg fahren und mit ihm beim Laufen miterleben. Deswegen hatte ich bei meiner Suche am Handy diesen außergewöhnlichen Laufevent von ihm gefunden und war schnell davon begeistert.

Dann kam der glückliche Zufall noch, dass an diesem Samstag  für mich ein freier Termin war und ich habe endlich ohne Bedenken bei Christian angemeldet. Normalerweise hatte ich schon längst bei meinem Jahreslaufplan für 2018 ein 50-km-Lauf von Störitzsee in Grünheide/Störitz (südöstlich von Berlin) eingeplant, aber mit dem Preis- und Leistungsvergleich war dieser Horizontweg Marathon unschlagbar, man bekam mit einer kleinen Startgebühr für alle eine Erinnerungsmedaille und bei dem 50-km-Lauf war im Gegenteil (teurer und nur Urkunde sowie Souvenir zur Verfügung). 

 

Vom Veranstalter Christian kam auch die Info, dass dieser Horizont Marathon in der Frühlings-Option keine weitere Fortsetzung mehr finden bzw. nur noch im November geben wird. Der Grund für diesen Wegfall war die wenige Teilnehmernachfrage im Frühjahr.

 

Natürlich habe ich vor meiner Anmeldung die Startzeit sowie die Fahrtverbindung kurz angesehen und alles war für mich passend. Um 13 Uhr war der Startbeginn und mit der IRE (Interregionalexpress) konnte ich am frühen Morgen (8:00 Uhr) locker nach Hamburg (HH) fahren und am späten Abend (19:30 Uhr) auch genug Zeit für die Heimreise. Vom Hauptbahnhof bis zum Treffpunkt war für eine knappe halbe Stunde zeitlich akzeptabel.

 

In meinem Auftrag konnte mein Vater für mich in Deutschland für meinen Startplatz locker überweisen. Danke!

Gute drei Stunden mit dem IRE war ich am Samstag zum Bahnhof Hamburg-Harburg gut angekommen und weitere Fahrt mit der S-Bahn bis zum Bahnhof Veddel. Leicht konnte ich locker am Bahnsteig von oben aus die bewegliche Windmühle sichtbar erkennen und das war der Wettkampfort „Energieberg Georgswerder“. Kleiner Fußmarsch (15 Minuten) kam ich mit zwei Teilnehmern vor dem großen Tor an. Ein Mann namens Dirk, er war der Vertreter der Behörde (Beauftragter der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) ließ uns mit Namen auf der Meldeliste nachprüfen. Er lief nachher auch seinen Marathon. 5 Minuten nach meiner Ankunft war das Tor für alle nur für uns eine Stunde offen. Danach wird es bis zum Veranstaltungsende geschlossen. Es war von Christian eine genehmigte Laufveranstaltung und für die normale Besucher*innen konnte man dort erst ab Anfang April bis Ende Oktober kostenfrei oben auf der Kuppe des Energiebergs besichtigen.

 

Zum Glück gab es vor der Kuppe gut beheizte, großräumige Toiletten zur Verfügung, so dass ich mich dann endlich mein Laufkostüm in Ruhe und ohne Kälte umziehen konnte. Bisher hatte ich immer Glück die Möglichkeiten zum Umziehen.

 

Vor dem geschlossenen Informationszentrum für Besucher stand bis zur Laufstrecke ein sehr langer Treppenweg. Ein wenig war ich schon ja aufgeregt, denn so nah an der Windmühle hatte ich in meinem Leben noch nie gegeben. Ich kannte viele Windmühlen meistens auf den Autobahnen und war für mich viel zu weit entfernt. Als ich oben auf dem Horizontweg ankam, war ich völlig sprachlos. Die feine Laufstrecke bestand aus abgelegten Metallbändern auf den Betonstelzen. So ein leicht federnder Laufweg habe ich bisher noch nicht beteiligt und war für mich vollkommen außergewöhnlich.

Aus der Ferne sah ich schon Christian am kleinen Standtisch, wo er mit den Startunterlagen aufsuchte. Endlich konnte ich ihn hautnah ansehen und war richtig froh, die zwei deutsche Marathonlegenden (beide weltweit unangefochten Nr.1 für die viele Marathonläufe) vor Ort gesehen zu haben. Die weibliche deutsche Weltrekordhalterin war Sigrid E. aus Berlin (über 2100 Marathon- u. Ultraläufe) und diesmal den männlichen Christian H. aus Hamburg. 

 

Aus purer Neugier ließ ich mir schnell die interessante Panoramastrecke anschauen und war nicht so groß wie ich mir vorgestellt habe. Ein Horizontweg war 914 Meter lang. 46 Runden sollten wir sowie zusätzlich mit einem  Auftaktstück von ca. 200 Meter für die volle Marathondistanz laufen. Es war nicht so kalt, dafür frisch und angenehm. Vor dem unberechenbaren Hamburger Wetter hatte ich immer gefürchtet. Das launische Wetterspiel in Hamburg war für alle bekanntlich, wo meistens Wind und Kälte zusammenmischt. Laut Wetterprognose sollte kein Regen kommen und das war für mich gut so.

Bis zum pünktlichen Startschuss kamen zeitweise Teilnehmer*innen nach und ein paar Laufbekannte konnte ich erkennen, wie z.B. die auffällige blonde Christine. Ich hatte sie zum ersten Mal beim Prora-Marathon im Sommer 2017 gesehen und dort hatte sie ihr 750. Marathonjubiläum. Für mich war sie immer eine fleißige und charmante Läuferin, sie war oft mit Christian auf vielen Laufreisen unterwegs. Über Facebook konnte ich vieles ihre schöne Lauferlebnisse verfolgen. Aktuell belegte Christine in der World Megamarathon Ranking den 8. Platz für Frauen.

 

Ich war sofort vor dem Start schon über diesen Laufweg begeistert, nachdem ich eine lockere Proberunde gelaufen habe. Man konnte rundum das ganze Hamburger Panorama (mit herrlicher Aussicht auf die Hamburger Innenstadt, den Hafen, die Autobahnen und Aurubis) locker ansehen. Sozusagen war dieser Panoramablick von Hamburg beim Laufen wie ein Unterhaltungsfilm schon vorprogrammiert. In der Mitte der Panoramarunde stand eine hohe Windmühle zur Verfügung. 

 

Ein kurzer Videochat in Gebärdensprache mit meiner lieben Frau war für viele ein außergewöhnlicher Blickfang, denn so eine telefonische Unterhaltungsart kannte bei vielen Hörenden nicht. Für mich war die selbstverständliche Normalität.

 

Es gab vor Ort eine ordentliche, aber professionelle Zeitmessung von Christian P. aus Münster. Er organisierte jedes Jahr den deutschbekannten „6-Stunden-Lauf von Münster“. Zum ersten Mal sah ich ihn auch und mit seiner Frau waren sie für mich ein sympathisches Paar. Der Transponder sowie die Zielmatte wurden aufgestellt und am Kofferraum war der Fernseher für den Überblick der Ergebnissen sowie Laufzeiten zu sehen. Alles nach seiner Erfahrung!

Kleines Briefing von Christian und wir gingen bis zur Auftaktstelle, wo eine volle Cola-Plastikflasche an den Außengeländer stand. Das war der Startpunkt und das fand ich richtig lustig. 

Der Start verlief für uns ganz locker und ruhig. Die schnellen Läufer waren schon ganz vorne weg. Ein unbeschreibliches Gefühl war für mich, dass man mehrere Runden viele schöne Weitblicke von Hamburg zu sehen konnte. An einigen Stellen waren die aufgestellten Infotafeln für die Besucher zu sehen.

 

Der Zeitkontrolleur Christian P. blieb eine Stunde neben seinem Kombi, um die reibungslose Zeitmessung für immer erhalten zu bleiben. Dann lief er später mit seiner Frau auch mit. 

 

Am Verpflegungspunkt waren ein paar Helfer*innen da und man konnte für uns genug versorgen lassen. Am Verhungern sowie Verdursten war keiner beteiligt.

 

Etwas sah für mich wie die Wuppertaler Schwebebahn aus, als ich aus der Ferne die gebogene Brücke des Horizontweges sah. Ein edles Architekturbild war das!


Für diese spontane Marathonteilnahme am Horizontweg hatte ich mir vorgenommen, es sollte für mich ein Trainingslauf werden und deshalb schaute ich nicht so oft auf meine Sportuhr. Anderseits versuchte ich etwas, dass ich mindestens bei der 4:30-Std-Zielzeit zu bleiben.

 

Trotz mehreren Runden zu laufen war für mich der Eindruck bis zum Ende irgendwie doch ein sehr langer Laufweg. Das war einfach nur die optische Täuschung im Kopf. Zum Glück hatte ich genug die mentale Übung wegen der vielen Rundenanzahl. Meine allererste Teilnahme mit den vielen Runden war beim 11. Hallenmarathon in Senftenberg in der Niederlausitzhalle, wo ich dann über 170 Runden für die volle Marathondistanz laufen sollte. (pro Runde 250 m!) Das war wirklich hart und trotzdem eine wertvolle Übung für den Kopf! Hier war für mich deswegen eine kleine leichte, harmlose Aufgabe.

 

Dieser Horizontweg machte einen sehr unempfindlichen Eindruck und die Metallblechplatten war genug fest sowie eben. Der Untergrund ließ sich leicht nachfedern und für mich angenehm zu belaufen

 

Kurz vor meinem Ziellauf konnte man an den äußeren Geländern durch integrierte, leuchtende LEDs erkennen. Das musste wirklich sehr schön sein, wenn man bei Dunkelheit von außen sowie von innen die beleuchtete Strecke anschaut. Da konnte ich ihn noch nicht sehen, denn bis es richtig dunkel war, war ich schon längst am Hamburger Hauptbahnhof.

 

Mit voller Zufriedenheit kam ich nach 4:35 Stunden über der Zielmatte an und bekam sofort die wohlverdiente Finishermedaille. Bereut habe ich mit meiner Trainingsteilnahme nicht. 

Bevor ich wieder auf dem Rückweg war, habe ich ohne Wenn und Aber bei Christian für seine wirklich tolle Organisation herzlich bedankt. Es hatte mir Spaß gemacht und alle waren füreinander da, das hatte mir sehr gut gefallen. Alle Achtung, Christian war überall als Organisator da und gleichzeitig auch aktiver Langläufer unterwegs, das war wirklich eine große Aufgabe für ihn. Hut ab! 

 

Bei der Bahnrückfahrt schaute ich mehrmals die Fotos/Videos an. Alles war für mich so außergewöhnlich und wunderschön auf einmal. Ein unvergesslicher Lauf vor der baldigen Sommerzeitumstellung…

 

Die Hansestadt Hamburg habe ich wirklich voll unterschätzt, denn sie hat viele schöne Ecken und diese sollte man unbedingt ansehen. 

 

Deshalb konnte der Veranstalter Christian „Fun & Erlebnis Marathon“ (FEM) mit dieser Hansestadt sowie im Hamburger Raum viele interessante Marathonläufe anbieten. Für mich war klar schon die Qual der Wahl bei seiner Laufevents! 

 

Zu Hause habe ich mehr um den Energieberg Georgswerder genauer kennengelernt. Diese ehemalige stillgelegte Mülldeponie in Georgswerder im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, wo dann seit 2013 durch internationalen Bauausstellung IBA Hamburg von den Landschaftsarchitekten Häfner/Jimenez zum Energieberg Georgswerder umgestaltet wurde.

Als Erhebung bietet er eine fantastische Sicht über Hamburg (rund 40 Meter hoch aufragend)

Energieberg Georgswerder ist bis heute ein wichtiger Energielieferanter, denn durch Windkraft und Sonnenenergie (am Südhang stehen bis zu 10.000 Quadratmeter große installierte Fotovoltaik-Anlage zur Verfügung) wird der Energieberg Georgswerder rund 4000 Haushalte mit „grünem“ Strom versorgt.

Fotos: Christine Schroeder


Strecke (Route)


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Kommentare: 2
  • #1

    Georgios Gerasimou (Freitag, 30 März 2018 07:38)

    Ein tolles Bericht und tolles Erlebnis.....sehr interessant

  • #2

    Robert (Deafrunner) (Dienstag, 03 April 2018 16:26)

    Danke, mein Lauffreund Gogo... Ja es war für mich ein schönes Lauferlebnis. Sowas gibt es nicht überall.