3. Karneval Marathon


Marathon Nr. 54



11.11.2018

Startzeit: 11:11 Uhr

Startnummer: 27

Startgebühr: 33,33

Marathonauflage: 13

Start: Köln-Pesch, Pescher See

Ziel: Köln-Pesch, Pescher See

Laufzeit: 04:41:37 h

HM-Zeit: 02:13:56 h

Pace: 06:40 km/min

Herzfrequenz: 148

Rundenanzahl: 15

Kalorienverbrauch: 3881

Finisher: 42

Rang: 23

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 980

Temperatur (min): 11 C

Temperatur (max): 14 C

Wind: ganz schwach

Niederschlag: teils Regen

Wetterstand: anfangs 

bewölkt, später Regen

Höhenmeter: 128



Kölner Karnevalsstimmung

In Köln wird "Alaaf" und nicht "Helau" beim Karneval aufgerufen

Evert D. war der Cheforganisator vom Karneval Marathon und selbst lief er auch mit...
Evert D. war der Cheforganisator vom Karneval Marathon und selbst lief er auch mit...

Genau in der Mitternacht vom Aschermittwoch war die Anmeldung für 3. Karneval Marathon gestartet und war nur bis 50 Teilnehmer begrenzt. Weitere Anmelder wurden dann in einer Warteliste aufgestellt und es bestand die Möglichkeit, über diese Warteliste ins Startfeld nachzurücken. Schnell habe ich mit meiner zweiten Anmeldung erfolgreich ausgeführt. Im letzten Jahr hatte ich mit Erfolg den Startplatz bekommen und musste leider im Oktober 2017 diese Teilnahme absagen. Zwei Wochen später nach meiner erfolgreichen Teilnahme beim 40. Harzgebirgslauf (Brockenlauf) bekam ich leider den bekannten "Shin Splints"(Schienbeinkantensyndrom), ein häufiges Überlastungssyndrom bei fast allen Sportlern und meine Heilung war ausgerechnet noch nicht ganz fertig. Mit akzeptablem Schmerz musste ich den 2. Karneval Marathon verzichten und ich gab dem Cheforganisator Evert D. im Email-Schreiben meine Absage bekannt, dass er jemanden aus der Warteliste meinen Startplatz weitergeben sollte. Er fand von mir sportlich und fair, dass ich rechtzeitig ihm Bescheid gegeben habe und das war für mich selbstverständlich. 

 

Die Idee vom Cheforganisator für diesen 3. Karneval Marathon war sehr einfach: "Leidenschaft für das Marathonlaufen und Begeisterung für den Kölner Karneval". Diese Kombination stand am Anfang seiner Planung für diesen Marathon im Jahr 2016 und damit zu einer Sessionseröffnung der besonderen Art und auch natürlich einem einzigartigen Event zu Beginn der 5. Jahreszeit. Als "fünfte Jahreszeit" wird ein mehrere Tage bis Wochen andauernder Zeitraum bezeichnet, in dem ein Ereignis stattfindet, das den Lebensrhythmus vieler Menschen so stark beeinflusst, wie es sonst nur der Wechsel der vier Jahreszeiten tut. Welcher Zeitraum als "fünfte Jahreszeit" angesehen wird, ist regional unterschiedlich. Es kann sogar vorkommen, dass mehrere fünfte Jahreszeiten gibt. In vielen Gegenden Deutschlands gelten die Wochen, in denen Karneval, Fastnacht und Fasching gefeiert wird, als fünfte Jahreszeit.

Mit meiner zweiten Anmeldung war ich endlich froh, dass es gut geklappt hatte. Weil die Idee vom Cheforganisator für mich richtig passte, wollte ich unbedingt beim Karneval Marathon einmal mitmachen. Mit Sicherheit kannten bisher viele aus meinen vielen Lauferlebnissen, dass ich ein "leidenschaftlicher" Marathonläufer und gleichzeitig ein "begeisternder" Kostümläufer war. Deshalb hatte ich schon lange mein Wunsch, einmal beim Marathonlauf in einer großen Gruppe mit den kostümierten Teilnehmer*innen dabei zu sein. Ich konnte bundesweit sehr wenige Marathonläufe, die ausschließlich mit Kostüm auftreten, finden. 

 

Der Karneval Marathon war es also nach dem 3. Anlauf schon ein Brauchtum. Eine Kölner Redewendung sagt: "Beim ersten Mal haben wir es ausprobiert, beim zweiten Mal war es Tradition und ab diesem dritten Mal Brauchtum." 

Der Karneval-Marathon sollte an erster Stelle der Spaß stehen und war keine handeltreibende Laufveranstaltung. Eine Verkleidung der Teilnehmer war ausdrücklich gewünscht, aber natürlich kein Zwang. Das fand ich alles ganz toll.

 

Welch eine zusätzliche Freude für mich, dass ich nicht der einzige gehörlose Teilnehmer war. Ralf, ein taubblinder Marathonläufer sowie sein gehörloser Taubblindenassistent Jörg waren ebenfalls dabei. Sie hatten vor meiner Anmeldung von mir schon lange mitbekommen und waren auch davon interessiert. 

Am frühen Morgen waren wir ab Mülheim an der Ruhr gemeinsam mit der Bahn unterwegs. Davor war ich bei Jörg übernachten und gerade noch konnten wir in Köln-Pesch ankommen. Pesch ist ein linksrheinischer Stadtteil im Nordwesten von Köln im Stadtbezirk Chorweiler. Im Westen von Pesch liegt der Pescher See und im Norden der Escher See. Der Karneval-Marathon fand auf einem befestigten 2,7 km Rundkurs um den Pescher See statt. Der Pescher See ist ein Baggersee und ein Landschaftsschutzgebiet, in dem die Natur Vorrang hat und der Mensch hierauf Rücksicht zu nehmen hat. Somit ist dort auch ein Badeverbot hingewiesen.

 

Am großen, grünen Pavillon mit dem Aufdruck "Gilden Kölsch" war die Ausgabe der Startunterlagen sowie der Start- und Zielpunkt inkl. Verpflegung zu sehen. Es stand ein Spielplatz nahe am Pescher See. Evert, der Organisator des Laufes war vor Ort und er ist Mitglied beim 100 MC (100 Marathon Club Deutschland) sowie bei den "Blauen Funken" (ordentliches Mitglied im Festkomitee Kölner Karneval und damit ein der ältesten Kölner Karnevalsgesellschaften) und er kümmerte die gesamte Abwicklung der Startunterlagenabholung. Bei der ersten Premiere vom Karneval Marathon nahm Evert seine 111. Marathon teil. Da waren nur 40 Läufer*innen am Start und heute war mehr als 50 Marathonteilnehmer*innen nicht möglich, da die Stadt Köln nicht zugelassen hatte. 

Jeder bekam zusätzlich ein Kölsch-Glas (auch "Kölner Stange" genannt) von GILDEN KÖLSCH sowie ein Kugelschreiber als ein gesponsertes Geschenk.

 

Für das Umkleiden, Duschen sowie Toiletten konnte man im nahe gelegenen Klubheim des FC Pesch 1956 e.V. während der gesamten Marathonveranstaltung genutzt werden. Es war ca. 300 Meter vom Start/Ziel entfernt. Dort war das Fußballpflichtspiel zu sehen. Wir hatten von zu Hause mit dem Umziehen schon längst gut vorbereitet.

Langsam wimmelten viele kostümierte Läufer*innen sowie Zuschauer an diesem Bereich. Einige Zeit später gab eine beeindruckende Tanzvorstellung von den Escher Mädchen. Eine kleine Begrüßung vom Organisator Evert und neben ihm stand der Bezirksbürgermeister Reinhard Zöllner, wo er dann von Evert das Glöckchen bekam. Später sollte er den traditionellen Startschuss für alle geben. 

Evert rief ihn an und auf einmal kam ein bunter, fröhlicher Läufer namens Markus P. ganz vorne an. Das war das Tollste bei ihm an diesem Marathontag, denn er hatte an diesem Sonntag, dem 11.11. seinen Geburtstag und hatte seine Startnummer 11. Noch interessanter war dann auch noch, dass er an seinem Geburtstag seine 111. Marathonteilnahme war. Es gab ein gemeinsamer "Happy Birthday to you"-Gratulationsgesang. Das war für mich wunderschön. Markus P. ist ein aktiver Laufreporter für die Läufer-Webseite "marathon4you" und dort konnte man aus seinen bisherigen Läufen interessante Laufberichte lesen.

Fotobild: Evert Delbanco

Es gab eine kleine Einweisung, indem wir vom 2,7-km-Rundkurs 15 Runden laufen bzw. für die volle Marathondistanz mit einer zusätzlichen Pendelstrecke gleich am Anfang mitlaufen sollten. Zur sicheren Kontrolle gab es für die Rundenzählung, wo am Startnummernschild mit den Zahlen 15 bis 1 zu sehen waren. Bei jeder gelaufenen Runde wurde sollte vom Ausrichter eingelocht werden.

 

Danach habe ich vor dem baldigen Start nun den Berliner Kostümläufer Henry wiedergesehen. Er war zum zweiten Mal beim Karneval Marathon dabei. Gemeinsam gingen wir zur Startlinie und der Bezirksbürgermeister ließ mit seiner Uhr nachsehen, es sollte pünktlich um 11:11 Uhr gestartet werden. 

Live-Aufzeichnung aus meinem Facebook

Nach dem pünktlichen Start gingen wir in der anderen Richtung, um die Pendelstrecke anzurechnen. Laut Wetterprognose sollte in der Nachmittagszeit etwas regnen. An diesem Zeitpunkt war noch optimal für unsere Teilnahme beim 3. Karneval Marathon. Es war richtig geil, in einer Gruppe mit den kostümierten Läufer*innen zusammenzulaufen. Da fühlte ich mich als leidenschaftlicher Kostümläufer nicht alleine im Stich gelassen. 

 

Erstmal an der Seite von den gehörlosen Ralf sowie Jörg wollte ich am Anfang bleiben. Von Ralf wurde ich vorm Start informiert, dass er anfangs für ein paar Runden laufen möchte und danach nur noch mit schnellem Gehen zum Ziel beteiligen. Er hatte ein wenig Schmerzen am Steißbein an der unteren Wirbelsäule und wollte einfach nur noch sich schonen lassen. Deshalb nutzte ich mir ein gemeinsamer Zusammenlauf mit diesen beiden Männern. 

Nach zwei lockeren Runden hatte ich das Gefühl, dass es um eine kleine Runde sich handelte. Immer an der Seite des Pescher Sees liefen wir rundum und es war bisher genussvoll. Danach lief ich alleine weiter ohne Ralf und Jörg. Es stand auch nach dem Ziel ein Zeitsponder und ich verglich ein wenig mit dieser Uhr, fast identisch zeitgleich. Die Zuschauer am Spielplatz gaben jeden Läufer*in ordentlich Stimmung und das Rundenzählen konnte keiner verrechnen. Ich sah zum ersten Mal beim Marathonlauf, dass nach jeder gelaufene Runde ein Loch an der Startnummer markiert wurde. Keine schlechte Idee vom motivierenden Veranstalter und ich fühlte mich dabei wie eine Fahrkarte... 

Man konnte leicht an vielen Teilnehmer*innen erkennen, sie hatten trotz einige Regentropfen Spaß an diesem Karneval Marathon. Ich hatte vor ein paar Stunden kurz in meinem Smartphone nachgeschaut, ab welcher Uhrzeit für uns Regen kam? Es sollte geschätzt um ca. 14 Uhr passieren und das war auch die Realität. So schlecht war die Wettervorhersage nicht und locker ließ ich mich nicht vom Regen verrückt machen. Nach 3:03 Stunden, wo ich schon am Verpflegungspunkt war, kam der erste männliche Marathonläufer aus Düsseldorf ans Ziel und zu seinem wohlverdienten Sieg gab ich meine Gratulation bekannt. Respekt vor ihm bei seiner Laufleistung!

Die Verpflegung war genug alles da, was man sich wünschte?! Sogar von Anfang an gab auch Kölsch Bier, natürlich mit Alkohol, im Angebot und ich nahm jede 7 km ein Becher Kölsch Bier - für mich war klar schon ein lockerer Karnevalslauf, da sollte man auch ein wenig in der Feierstimmung haben.

 

Dann kam mein vorbildlicher Kostümläufer Henry mit dem weißen Hut vorbei und war ebenfalls locker drauf. Ihm habe ich immer noch sehr zu verdanken, dass ich schon über 40 Marathonläufe im Ganzkörperanzug gelaufen habe. Mein allererster Marathon im Laufoutfit war beim 15. Mitteldeutschen Marathon, wo von Leipzig bis Halle die Laufstrecke führte und das war vor zwei Jahren. Ein Wahnsinn, wie die schöne Zeit schnell verging?! Danach ein kurzer Plausch mit ihm unterwegs und wir werden uns dann beim 15. Neujahrsmarathon in Zürich wiedersehen. Im neuen Jahr wird er nur den halben Marathon laufen und er meinte zu mir, dass in der kalten Januarnacht schwer mit dem Marathonlauf war. Er war schon einige Male dort und sprach aus seiner Erfahrung. 

 

Vier Runden vorm Ziel traf ich Jörg und Ralf wieder beim Überholen. Über einen Kilometer blieb ich mit ihnen zusammen und wir unterhielten uns über diesen Lauf. Bereut hatten wir uns nicht, dass wir mit diesen gemütlichen Marathonlauf in der Karnevalszeit teilgenommen hatten.

Bevor ich fast zum Ziel lief, habe ich mich ein wenig gewundert. Das Geburtstagskind Markus ließ mich zum Ziel ziehen und er blieb vorm Ziel, so ca. 10 Meter, mit einem leckeren Kölsch Bier in der Hand stehen. Keine Ahnung, warum er das tat? Aber später habe ich dann richtig verstanden...

 

Nach 4:41 Stunden kam ich sehr erfreut zum Ziel an und bekam wirklich einen edlen Karnevalsorden, der wirklich schwer und für mich hübsch war. Schnell ein Finisherfoto für mich machen und dann kam dieser Markus doch mit gezielten Sprüngen ins Ziel an. Es gab reichlich Applaus für ihn und als ich auf dem Blatt, wo alle Zielzeiten aufgeschrieben wurden, sah.... Ich konnte nur noch "Wow" sagen. Mit seinem heutigen Jubiläumstag wollte er auch seine Zielzeit mit den auffälligen Zahlen ankommen und das waren seine unglaubliche 4:44:44 Stunden! Ich bekam richtig Gänsehaut und fand seine genialen Idee sehr gut!!! Das hatte er richtig verdient und ich freute mich für ihn mit. Schön auch für mich, dass ich vor Ort mit seinem interessanten Ziellauf hautnah erleben konnte. 

 

Anschließend wartete ich nur noch auf die beiden Gehörlosen. Als sie zum Verpflegungspunkt  in der Zwischenzeit ankamen, ließ ich mich von ihnen verabschieden. Sie sollten noch zwei Runden weiter walken und ich war mit meiner Karneval-Marathinteilnahme sehr zufrieden.

 

Mit einer Startgebühr von 33,33 EUR waren inbegriffen:

  • eine der limierten Startnummern für ein besonderes Event
  • Verpflegung vor, während und nach dem Lauf
  • Kölsch nach dem Lauf (bei Bedarf auch früher)
  • einen einzigartigen Finisher-Karnevalsorden
  • Urkunde sowie Ergebnisliste als pdf-file per Email

Der nach Abzug aller Kosten verbleibende Betrag wurde an Kölner Karnevalsgesellschaften zwecks Erhalt des Brauchtums gespendet.

Eine tolle Sache vom Organisator und ich konnte mein Hut abnehmen, alles war SUPER!!! Ein herzliches Dankeschön auch an das Helferteam...

 

Mit großem Stolz war ich nach dem Duschen vom Vereinsheim bis zur Bushaltestelle unterwegs. Eine Station später kamen ebenfalls  Jörg und Ralf in den Bus und wir fuhren gemeinsam bis zu unseren gewünschten Haltestellen weiter.

 

Am Kölner Hauptbahnhof war für mich wie im Ausnahmezustand, denn es wimmelten voller kostümierten Menschen, die von der Karnevalsfeier zurück waren. Fast an allen Bahnsteigen waren rappelvoll und ganz Köln war in der richtigen närrischen Karnevalsstimmung. Nun habe ich endlich verstanden, warum für Köln sowie seine Umgebung mit dem Karneval die fünfte Jahreszeit war....

 

Später bekam ich die Info von Mario Sch., ebenfalls ein Marathonläufer aus unserer WhatsApp-Gruppe "Deaf Marathon", dass man in Köln den Karnevalsausruf mit "Alaaf" und nicht mit "Helau" gesprochen wurde. Das hatte ich nicht gewusst.... Im Internet schaute ich nach und fand die Bedeutung dieses Ausrufes. "Kölle alaaf" könnte man also folgendermaßen frei übersetzen: "Achtung Kölle, Platz da! Hier kommen die Jecken!"


Strecke (Route)


Kommentare: 3
  • #3

    Mario (Freitag, 23 November 2018 10:10)

    Interessanter Bericht über einen kleinen aber feinen Marathon. Dann hast du also 6 Kölsch getrunken unterwegs? :-) Bleibt noch zu erwähnen, dass im Osten vom Pescher See der Köln-Triathlon stattfindet ;-)

  • #2

    Rob Deafrunner (Freitag, 23 November 2018 09:47)

    Lieber Gogo, danke sehr und schön für mich, dass es Dir gefällt... LG Robert

  • #1

    Georgios Gerasimou (Dienstag, 20 November 2018 20:57)

    ein tolles Erlebnis Kanerval Marathon mitgemacht....Schöne Bilder geschossen und auch Video mit Bericht.....