Erfurt Marathon 5


Marathon Nr. 47



18.08.2018

Startzeit: 08:30 Uhr

Startnummer: 33

Startgebühr: 39 EUR

Marathonauflage: 5

Start: Erfurt, Nettelbeckufer

(Kanustation)

Ziel: Erfurt, Nettelbeckufer

(Kanustation) 

Laufzeit: 04:43:26 h

HM-Zeit: 02:05:07 h

Pace: 06:55 km/min

Herzfrequenz: 157

Rundenanzahl: 1

Kalorienverbrauch: 3882

Finisher: 67 (Marathon)

Rang: 45 (Marathon)

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 608

Temperatur (min): 16 C

Temperatur (max): 19 C

Wind: -

Niederschlag: -

Wetterstand: bewölkt, später etwas Sonne

Höhenmeter: 356



Benefizlauf auf künstlerischer Art und Weise

Startzeit kurzfristig um eine Stunde früher angeordnet

Aniko, die Hauptsponsorin für mein Laufblog war auch vor Ort anwesend...
Aniko, die Hauptsponsorin für mein Laufblog war auch vor Ort anwesend...

Meine Marathonsammlung ist nicht nur bei den europäischen Hauptstadtläufen an erster Stelle gedacht, sondern auch mit den deutschen Bundeshauptstädten.

Gerade im Hochsommer ist es nicht leicht für mich, ein passender Hauptstadtmarathon zu finden und mit Glück ist diesmal die Landeshauptstadt Thüringens Erfurt dran.

 

Schon vor einem Jahr habe ich mit meinem Berliner Lauffreund Robert über diesen Marathonlauf unterhaltet und ihn habe ich mit der Entscheidung für dieses Jahr empfohlen.  Es ist ein kleiner, junger Jubiläumslauf (5 Jahre alt) und vielleicht können wir mit Glück doch eine schöne Erinnerungsmedaille erhalten.

 

Für Robert ist es sehr optimal, beim Erfurt Marathon 5 teilzunehmen. Das hat seine einfache Gründe: Seine Frau Heike wohnt wegen ihrer Arbeitsstelle in Erfurt und der Start- und Zielbereich ist zufällig unweit von ihrer Wohnung. Also komplett sehr praktisch für Robert!

 

In meinem Leben war ich noch nie in dieser 200.000-Einwohnerstadt und darauf bin ich sehr gespannt, was die Stadt uns anbietet? Bewusst habe ich mit diesem Marathon so eingeplant, dass es für mich ein ganz normaler Trainingslauf sein soll und gute zwei Monate vor dem Start melde ich beim Erfurt Marathon 5 erfolgreich an.

 

Eine Woche davor habe ich von Robert nach meinem erfolgreichen, langen Mauerweglauf (70 km) die wichtige Info bekommen. Er ist sicher, dass ich ganz bestimmt die wichtige Info übersehen habe. Der Veranstalter vom EM5 hat diese Info auch an allen Teilnehmer*innen per Email mitgeteilt. Nach dem Mauerweglauf habe ich keine freie Gelegenheit, alle Mails für mich nachzuschauen. EM5 hat uns informiert, dass die geplanten Startzeiten der Läufer um eine Stunde nach vorne zu verlegen. Das hat der kulturelle Verein wegen des angekündigten 30-Grad-Wetters so beschlossen.

 

Leider ist das schlecht für meine geplante Ankunftszeit in Erfurt, denn ich soll um 7:40 Uhr dort ankommen und für die Fahrt mit dem Pkw bis zum Startbereich braucht man eine knappe Viertelstunde dafür. Im Normalfall ist der Start für alle Marathonis um 9 Uhr. Sofort habe ich mit dem EM5-Veranstalter über Facebook kontaktiert und schon in kürzester Zeit bekomme ich zum Glück seine Lösung, was ich sie sehr gut finde! Für meine knappe Ankunftszeit kann ich um eine halbe Stunde später mit den Zweier- und Viererstaffeln zusammenstarten. Also wirklich eine Erleichterung für mich und Robert wird mit mir ebenfalls gleichzeitig starten.

Am frühen Samstagmorgen fahre ich mit dem ICE ab Berlin-Südkreuz ohne Umsteigen nach Erfurt und die Fahrtzeit ist weniger als 1:45 Stunden, damit bin ich viel schneller und vor allem preiswerter als mit dem Auto unterwegs. 

Nach dem Zwischenhalt in Halle habe ich mich kurzfristig entschieden, dass ich im fahrenden Zug für meine Teilnahme umziehen werde. Einmalig ist das für mich schon, dass ich noch im Zug mit dem Laufkostüm unterwegs angezogen bin. Bei meiner Ankunft im Nordpark am Nettelbeckufer bei der Station des Kanuklubs Concordia möchte ich keine Hektik haben. 

 

Mit ganz kleiner Verspätung komme ich gut gelaunt in Erfurt an und schon beim kleinen Empfang am Bahnsteig sind Robert und seine Frau Heike zu sehen. Mit ihrem Pkw fuhren wir nach Nordpark und vor dem Eingang zum Kanustation steht ein großes Plakat „ERFURT MARATHON 5“. Es stehen einige Pavillons, Imbissstände und wir wollen zuerst die Startunterlagen abholen, da wir nur noch fast eine halbe Stunde Zeit haben. Ich selbst persönlich finde es schade, dass ich nicht mit den Marathonis vor dem Start wiedergesehen habe. Aus der Starterliste habe ich einige bekannte Namen locker erkannt und hätte auf ein kleines Wiedersehen gefreut. Sie sind schon längst losgestartet. In der Startertüte sind einige Infobroschüre zu finden und für die Zeitmessung wird ein Chip vom Sportident am Handgelenk festgebunden. Ich hatte so einen Zeitchip schon vor einer Woche beim 100 Meilen Berlin (Mauerweglauf) auch bekommen. Für mich schon fast die Gewohnheit. 

10 Minuten vorm zweiten Startbeginn haben wir noch zur Verfügung und in aller Ruhe kann ich mich ein wenig umschauen. Viele ehrenamtliche Helfer*innen sind zu sehen und ich finde es ganz prima, dass der Veranstalter kein spezieller Sportverein ist. „ANNAKRAM“ e.V. ist ein Verein für Kunst, Bewegung und soziales Engagement und ist schon über 20 Jahre aktiv. Zudem spendet der Veranstalter 10 € pro Teilnehmer für gemeinnützige Zwecke, dieses Jahr dem Verein für die Kinder- und Jugendschutzdienst  „HAUT-NAH“ des MitMenschen e.V. Wir sind also sozusagen die kleinen, stolzen Spender. 

 

An diesem Laufevent sind bis zu 200 Teilnehmer*innen aller Disziplinen begrenzt, da überwiegend auf schmalen Gehwegen im Park gelaufen wird. EM5 bietet uns fast alle verschiedene Läufe an wie z.B. Marathon, Halbmarathon, Zweier- und Viererstaffeln, Nordic Walking sowie Bambinilauf und für mich die seltene Neuheit nämlich das Einrad-Marathon auf der originellen Marathonstrecke. Das ist unglaublich für mich schwer und lang!

Kurz davor beim Startschuss wird mit den anderen Starter*innen über unsere spätere Startzeit als Marathonis  aufgerufen. Locker beteiligen wir in der geschlossene Gruppe von Zweier- und Viererstaffeln nach dem Start. Anfangs werden wir in den Norden bis zur 10-Kilometer-Schleife nach Gipsersleben entlang der Gera. Ich hatte es nicht gewusst, dass der Fluss „Gera“ wie die Großstadt in Thüringen auch so heißt! Gera ist ein 85 Kilometer langer rechter (südlicher) Nebenfluss der Unstrut in Thüringen.

 

Locker bin ich noch mit Robert zusammen und ich habe ihm schon vorher angekündigt, dass ich an diesem Lauf keinen schnellen Tempolauf machen werde. Die Zielzeit für mich spielt keine Rolle.

Zwischen 4 km kommen die ersten Marathonläufer entgegen von der Schleife zurück. Sie sind ja eine halbe Stunde früher gestartet.

In den Norden ist durch die Wohngebiete zu laufen und es kann einiges zu besichtigen. An einer großen Fußgängerbrücke sind wir am Anfang ein wenig steil zu begehen. An der ersten Ampel müssen wir erstmal anhalten und der Veranstalter hat in der Ausschreibung uns mit einer Disqualifikation angekündigt, falls wir die Verkehrsregeln nicht einhalten. So ähnlich war es eine Woche vorher beim Berliner Mauerweglauf.

Bei 10 km nahe am Nordpark, auf der anderen Flussseite, kommt der erste Wechselpunkt für Staffelteilnehmer und nach der zweiten Verpflegung geht es für uns dann in den Süden Erfurts. Weiter geht es in Kürze die Richtung Zentrum von Erfurt. Bis zum oberen Erfurter Domberg, wo in der Erfurter Altstadt liegt, laufen wir auf den Wehrmauern vorbei und haben einen unglaublich wunderschönen Ausblick auf die Stadt und Dom bekommen. Der Erfurter Dom (früher aus Marienkirche genannt) ist das wichtigste und älteste Wahrzeichen dieser thüringischen Landeshauptstadt. Er ist 81,26 Meter hoch und besitzt mit der Gloriosa die größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt.

Danach führt uns durch die noble, alte Südstadt und später in die Parkanlage, wo wir dann die Stadt verlassen werden. Bis zur Halbmarathonstrecke laufen wir in den Steigerwald. Ein paar Kilometer vor dem Wechselpunkt (WP) bei der Halbmarathonmarke haben wir erstmal an diesem Marathon mit hohen Bergsteigungen zu tun. Ich gehe klar bewusst zu Fuß über Schotterwege bis zum WP und lasse mich etwas schonen. Als ich anfangs bei 5 km selbst bemerkt habe, dass ich überraschend in guter Verfassung bin und dadurch habe ich mich dann entschieden, ich laufe die ersten 20 km in dem leichten schnelleren Marathontempo durch. Es soll ein Testlauf für meine baldige kommende Teilnahme beim Jungfrau Marathon in Interlaken in der Schweiz sein. Dort ist die Strecke bis 25 km relativ noch flach und etwas leicht bergauf. Mein Wunsch ist so, dass ich in Interlaken die Zeit von 21 km schon bei 2 Stunden erreichen möchte. Ab 25 km wird dann nur noch nach oben aufsteigen und so habe ich dann genug Zeitreserve bis zum Ziel an der Kleinen Scheidegg mit 2100 Berghöhe. Das wird ein hartes Kaliber für mich geben. In diesem Marathonlauf erreiche ich die 20 km-Marke schon bei 1:55 Stunden und da bin ich sehr zufrieden mit meinem kleinen Plan.

Oben am Verpflegungspunkt machen wir eine kleine Pause und wir  lassen uns etwas stärken mit diesem Verpflegungsangebot. Ab da habe ich zu Robert mitgeteilt, dass ich nun mit lockerem Lauftempo nehmen werde. Er hat es dann verstanden. Nun läuft er allein schon voraus weiter. 

 

Robert hat mir vor dem Start schon angekündigt, dass nach der Hälfte der gesamten Marathonstrecke mindestens 10 km lang kein nächster VP kommt. Daran habe ich es nicht ernst genommen und am Ende fällt mir doch schwer, diesen langen Weg ohne Trinkpause zu erhalten. Es geht anfangs bergab und anschließend laufe ich überwiegend über Felder bis zum Waltersleben, ein Ortsteil im äußeren Süden von Erfurt. Das ist der südlichste Punkt dieser Laufstrecke. Weiter geht es nur noch auf Waldwegen. Ein paar bekannte Ultramarathoni habe ich getroffen und sie waren auch beim letzten Mauerweglauf dabei, vor allem die komplette Laufroute von 161 km. Ein Beispiel dafür ist der von mir bekannte Ultraläufer namens Manfred K. aus München. Er ist unterwegs beim EM5 leicht gestürzt und bekommt den Kopfverband. Trotzdem macht er weiter. Das ist für mich unglaublich stark und mein Respekt geht an diesen Ultras.  

 

Bei 31,5 km beim Waldhaus kommt dann den vorletzten Kontrollpunkt sowie der Wechselpunkt für Staffelläufer*innen. Die letzten 8 km bin ich wieder in die Richtung Altstadt und dort habe ich beim Laufen mit vielen verwinkelten Gassenwegen zu besichtigen. Ein letztes Mal schaue ich auf meine Sportuhr und ich bin mit der geschätzten Zielzeit von unter 4:30 Stunden sicher. Also, in meiner voller, gewünschten Zufriedenheit!

Was ich nicht damit gerechnet habe, habe ich bei ca. 39 km in der Altstadtgasse aus der Ferne dem Robert von hinten gesehen. Ich bin selbst erstaunt, dass ich vorm Ziel ihn noch erreiche. 

 

Er geht locker zu Fuß und ich klopfte auf seine Schulter. Sein Blick war ein kurzes Kopfschütteln und meine Vermutung war schon richtig, es geht ihm nicht gut. Er hat etwas im Magen und deshalb kann er nicht mehr locker weiterlaufen. 

 

Aus selbstverständlichem Mitleid möchte ich mit ihm gemeinsam zum Ziel, wo noch drei weitere Kilometer bis zum Ziel sind, walken. Was nützt mir schon viel, wenn ich alleine nach vorne bis zum Ziel weiterlaufe? Am Ende bekommen wir sowieso die gleichen Erinnerungsmedaillen und die Zielzeit ist mir schon immer unwichtig. Ein gemeinsames Ankommen ist für mich noch am schönsten und ich motiviere ihn mit unserem kleinen Smalltalk ein wenig zu.

Beim letzten Verpflegungspunkt an der Schlüterstraße (40,4 km) gibt es nur eins im Angebot, ein Motivationsbier für die letzten Kilometer. Das hat es mir gut gefallen und ich kann für ein kleines Bier schlecht nein sagen. Bis wir fast neben dem naheliegenden Nordbad erreicht haben, gebe ich ihm ein klares Zeichen. Wir sollen trotzdem bis zum Ziel entspannt laufen und er schafft es locker. Kurz vorm Ziel habe ich Aniko, die in Erfurt wohnhafte Sponsorin für mein Laufblog, gesehen. Gemeinsam komme ich fröhlich mit Robert zum Ziel an und dass Aniko für ein kleines Wiedersehen mir ihre Zeit gegeben hat, das ist für mich schon eine doppelte Freude. Vor ein paar Tagen habe ich ihr informiert, dass ich beim EM5 angemeldet bin und vielleicht wir uns wiedersehen können? Das hat ja wunderbar gut geklappt! Ein Tag danach wird sie mit ihrem Mann Thomas eine dreiwöchige Motorradtour nach Kroatien Urlaub machen.

 

Gegen die Abgabe des Zeitmesschips bekomme ich eine selbst angefertigte, aber hübsche Finishermedaille aus Ton und dazu ein Freibier, da bin ich wirklich nicht umsonst nach Erfurt gefahren. Alles ist gut organisiert und mit dem kleinen Jubiläumslauf von ANNAKRAM bin ich mir sicher, dass es in der Zukunft noch attraktiver und besser sein wird. Der Veranstalter ist für alle Läuferwünsche meistens liebend da und vor allem die selbst gestaltete künstlerische Kilometeranzeige hat es mir gut gefallen. 

 

Es gibt noch die letzte Möglichkeit für alle Zielläufer*innen, dass man im Nordbad (unweit vom Zielbereich) umsonst duschen kann. Eine tolle Sache!

 

Erstaunt bin ich über die Laufstrecke von Erfurt Marathon, denn es ist kein normaler Citylauf, sondern eine interessante Mischung wie z.B. Altstadt und Landschaft.

 

Daheim habe ich aus der Webseite von ANNAKRAM e.V. erfahren, dass es zum ersten Mal das Limit von 200 Startplätzen ausgeschöpft hat. Insgesamt sind 299 Sportler*innen aus acht Ländern an den Start gegangen. Das ist ein wahnsinniger Stolz für diesen Verein.

 

Am späten Nachmittag fahre ich wieder mit dem Zug nach Berlin, wo ich am Abend bei einem gehörlosen Freund seine 50. Geburtstagsfeier mitmache.


Videos: Robert Gruchmann


Strecke (Route)


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Kommentare: 4
  • #1

    Robert (Deafrunner) (Freitag, 31 August 2018 20:39)

    Für mein Lauffreund Robert bedanke ich mich für seine Teilnahme beim EM5 und es hat mir Spaß gemacht, mit ihm zusammenzulaufen. Gerne wieder bei anderen Marathonläufen... ;o)

  • #2

    Robert Gruchmann (Freitag, 31 August 2018 20:46)

    Sehr schöne Blog , besonders am coolsten ist deine Umkleidung im fahrenden ICE ! Und Dankeschön, dass ich mit dir laufen konnte , damit du viele Aufsehen bekommen hast . Gerne wieder!

  • #3

    Georgios Gerasimou (Samstag, 01 September 2018 07:47)

    Ein schönes Bericht und schöne Bilder zum sehen und lesen.

  • #4

    Ina Schmidt (Mittwoch, 12 September 2018 09:49)

    Das ist ein wirklich gelungener Beitrag eines äußerst sympathischen und durch den einmaligen Laufanzugträger geschriebener Laufbericht. Herzlichen Dank dafür.
    Ich stand übrigens an der Ampel um für "Grün" zu sorgen, soweit es ging.
    Ganz liebe Grüße zurück und hoffentlich bis nächstes Jahr in Erfurt.