40. Stockholm Marathon


Marathon Nr. 44



02.06.2018

Startzeit: 12:04 Uhr

Startnummer: 7212

Startgebühr: 108 EUR

Marathonauflage: 40

Start: Stockholm, 

Ziel: Stockholm, Olympiastadion

 

Finisher:  (Männer)

Rang:  (Männer)

Platz unter Deutschen:

Finisher aus Deutschland:

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 1650

Laufzeit: 04:49:08 h

HM-Zeit: 02:16:17 h

Pace: 06:23 km/min

Herzfrequenz: 167

Rundenanzahl: 1

Kalorienverbrauch: 4742

Temperatur (min): 25 C

Temperatur (max): 29 C

Wind: ganz wenig

Niederschlag: -

Wetterstand: leicht bewölkt

Höhenmeter: 184



Stockholms Stolz mit dem 40. Jubiläum

Fast immer überall auf Anstiegen unterwegs

Meine Eltern sowie seine schwedische Freunde waren zum Zuschauen dabei...
Meine Eltern sowie seine schwedische Freunde waren zum Zuschauen dabei...

Allein unterwegs mit 16 Jahren war ich das erste Mal in Stockholm zu Besuch. Das war im Jahre 1990 und die gehörlose Frau Lucia, die geborene Polin mit heutigem schwedischen Pass, sowie ihr schwedischer Lebensgefährter Roland hatten mich in den Sommerferien eingeladen. 

Es waren für mich die drei wunderbaren Ferienwochen und ich habe viel um das schwedische Land kennengelernt. Wir machten auch außerhalb von Stockholm einige interessante Ausflüge. Das war für mich ein stolzes Stück Freiheit, dass ich ohne Eltern meine erste große Reise unternehmen konnte. Es war trotzdem eine lange Fahrt mit der Bahn nach Sassnitz an der Ostsee, wo danach mit dem Zug am Schiff weitertransportiert wurde und am Ende bis nach Stockholm mit dem Zug ankam.

16 Jahre später war diesmal meine zweite, private Reise mit meiner Frau nach Stockholm. 

 

Nach der erfolgreichen Teilnahme beim 35. Wien Marathon vor kurzem war nun diesmal in den hohen Norden Europas dran. Obwohl ich schon zweimal in Stockholm war, wollte ich unbedingt beim Marathonlauf in den Skandinavien mitmachen. Ich war meist scharf auf die Jubiläumsjahren sowie die komplette Sammlung aller europäischen Marathonreisen. 

 

Vorm baldigen Jahreswechsel ließ ich gleich beim 40. Stockholm Marathon meine Teilnahme sowie Übernachtung im Hotel für mich buchen und ich war richtig froh, dass es alles gut geklappt hatte.

Ich hatte meine Eltern im April kurz nachgefragt, ob sie auch ein Wochenendtrip in Stockholm mitmachen wollen? Sie kannten auch sehr gut mit Lucia und Roland schon sehr lange. Sie würden sehr gern hinfliegen, aber für die Buchungsabwicklungen der Flüge sowie Übernachtungen am PC wären für sie etwas zu erschwerend. Da bot ich selbstverständlich meine Hilfe an und am Ende konnte ich alles für meine Eltern erfolgreich buchen. Nun waren sie sehr froh und für unsere gemeinsame Übernachtung hatte ich bewusst, einen passenden Ort zu finden. Es war unweit von Lucias Wohnung (ca. 1 km Fußweg). Sie können nun dann locker zu ihr besuchen und gemeinsam den Tagesausflug in Stockholm anschließen. 

 

Ich suchte vergeblich nach den zeitgünstigen Flügen nach Stockholm, denn ich wollte auf alle Fälle nicht am Abend hinfliegen. Leider waren die Flüge ab Berlin-Schönefeld nur in der Abendzeit zur Verfügung und zum Glück konnte ich mit einer anderen Lösung finden. In Düsseldorf war der Hinflug schon in der Morgenzeit und vom Preisvergleich war das gleiche wie in Berlin. So konnte ich dank meinem gehörlosen Lauffreund Jörg in Mülheim/Ruhr übernachten. Er wird auch mit seinem taubblinden Marathonläufer Ralf sowie seine taubblinde Lebensgefährtin Inna ab Düsseldorf gemeinsam mit mir hinfliegen. Jörg und Ralf hatten schon längst für seine Marathonteilnahme in Stockholm gebucht und wollten für ein paar Tage dort Urlaub machen. Sie waren noch nie in Stockholm. Das war wirklich ein seltener Zufall, dass wir mit dem gleichen Flugzeug fliegen bzw. gemeinsam beim Marathonlauf antreten werden.

Am frühen Donnerstagmorgen beteiligten Jörg und ich mit der Regionalbahn nach Düsseldorf zum Flughafen. Für den interessanten Transfer vom Hauptbahnhof zum Terminal sah ich zum ersten Mal die Kabinenbahn „SkyTrain“ in Düsseldorf. Die vollautomatische Kabinenbahn SkyTrain bewegt sich in etwa 10 Metern Höhe auf einer 2,5 Kilometer langen Fahrstrecke über das Flughafengelände. Pro Stunde und Richtung können die insgesamt fünf Züge, die aus jeweils zwei Kabinen bestehen, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h bis zu 2.000 Menschen transportieren. Alle Kabinen verfügen über großflächige Panoramafenster und ausreichenden Stauraum für Gepäck. Sowas kannte ich die bekannte Schwebebahnstadt Wuppertal aus dem Nordrhein-Westfalen. 

 

Ralf sowie seine Lebensgefährtin waren schon lange im Terminal anwesend. Endlich konnte ich zum ersten Mal den taubblinden Ralf persönlich kennenlernen und wir hatten bisher nur in der WhatsApp-Gruppe DEAF MARATHON schriftlich sowie in Videonachrichten kontaktiert.  Für uns war klar ein schönes Kennenlernen. Jede taubblinde Person wird mit einem Taubblindenassistenz begleitet. Der gehörlose Jörg war für Ralf zuständig und seine Inna, auch taubblind, wurde ebenfalls vom gehörlosen Taubblindenassistenz Lars unterstützt. 

 

Der Hinflug war sehr angenehm und nicht lang. Bei Ankunft trennten wir uns und jeder ging seinen eigenen Weg. So hatten wir vorher schon geklärt. Für mich war es etwas schwierig mit dem speziellen Bustransfer „Flygbussarna“ zur Stockholms City zu finden. Nach den lockeren 45 Minuten-Transferfahrt war ich nun allein mit dem kleinen Koffer in Stockholm da. Es war unerwartet sehr warm und für die schwedische Bevölkerung ein wenig ungewöhnlich. Im Norden Skandinaviens ist die Wetterlage meistens vollkommen anders als in dem Mitteleuropa.  Laut Statistik ist in Stockholm die warme Jahreszeit von Juni bis September 3 Monate, wobei die durchschnittliche tägliche Höchsttemperatur über 18 °C liegt.

Der ASICS Stockholm Marathon feiert dieses Jahr mit einem prächtigen Expo Event Center im Royal Tennis Club. Auf der frischen, neuen Expo können Sie Ihre Startnummer sammeln und unsere Partner treffen. Das war mein Tagesplan nach der Ankunft, 5 km zu Fuß bis zur Expo-Halle, um meine Startunterlagen abzuholen. Die diesjährige Pasta Party „ZETA“ fand ab 12 Uhr im wunderschönen, klassischen Stockholmer Olympiastadion statt. Dort soll das Rennen auch in diesem schönen Stadion enden, das für die Olympischen Spiele 1912 gebaut wurde. Das Olympiastadion war Schauplatz zahlreicher denkwürdiger athletischer Leistungen, mit nicht weniger als 83 Weltrekorden in der Leichtathletik.

 

In der EXPO-Halle (große Tennishalle) war anfangs beim Eintreten optisch klein. Aber wenn man die ganze Runde ging, war schon viel zu groß. Hauptsächlich waren viele Werbestände von ASICS zu sehen, denn es war ja kein Wunder und das war der Hauptsponsor von diesem Marathonjubiläum. Erstaunlicherweise war die Anmeldung für 2019 schon sogar vor Ort freigeschaltet und das habe ich noch nie gesehen.

Am Olympiastadion traf ich wieder die gehörlose Taubblindenassistenzen Jörg und Lars sowie seine taubblinden Begleitern wieder. Bei der Pastaparty gab für uns kalte Nudeln mit Olivenpaste sowie gratis kleine Flaschen  Mineralwasser zur Verfügung. Es war für mich völlig neu mit den taubblinden Gästen zu kommunizieren. Sie waren mit dem Usher-Syndrom betroffen und sie konnten nur direkt in einem kleinen Kreis auf eine bestimmte Person langsam in taktile Gebärden kommunizieren. Das war interessant für mich und für die Taubblindenassistenzen im Beruf ist in der Realität ein harter Job, wo viel Geduld, Gefühlsvermögen und Konzentration gefragt sind. Hut ab vor diesen beiden Taubblindenassistenten Jörg und Lars.

 

Nachmittags war ich dann wieder nach 5 km Fuß beim Hostel am „Söder Mälarstrand“, Es war keine normale Hotelgebäude, sondern ein dauerhaft stehendes rotes Hostel-Schiff und mit meinen Eltern waren wir dort übernachten. Das waren die feine Art und ein wenig Abenteuerleben für uns. In der gemütlichen Kaffeerunde konnte ich endlich nach langer Zeit mit Lucia und Roland wiedersehen bzw. unterhalten. Für sie waren erstaunlich toll, dass ich regelmäßig auf allen Orten mit dem Laufoutfit meine Marathonläufe auftrete. Das war für mich einfach selbstverständlich normal!

Mit meinen gehörlosen schwedischen Freunden hatten wir so geplant, dass wir meine Eltern am späten Abend beim Flughafen Arlanda, 37 km nördlich vom Stadtzentrum Stockholm abholen. Leider gab es am Abend im Berliner Raum ein starkes Unwetter mit viel Sturm und Regen und alle Flüge vom Flughafen Berlin-Schönefeld wurden für zwei Stunden gestrichen. Dann war es nicht mehr möglich mit der Abholung, weil es zu spät für uns war. Gegen 2:30 Uhr waren meine Eltern endlich am Roten Schiff angekommen und ich wurde wieder wach, da konnte ich aber zum Glück wieder schnell einschlafen.

Am himmelblauen Morgen war beim Frühstück der Ausblick von Stockholm mit meinen Eltern wunderschön. Um diese Zeit wäre ich normalerweise schon am Marathonstart. Noch nie gab es bei mir der Start um die Mittagszeit aus meinen bisherigen Hauptstadtläufen. Ausgerechnet war seit über einer Woche in Stockholm sehr warm und ich machte mir viel Gedanken darüber, ob ich mit meinem Kostüm in der Nachmittagssonne beim Jubiläumslauf durchstehen konnte? Ich sollte einfach cool bleiben und ich hatte schon einige Male mit der Hitzeschlacht zu bekämpfen, alles verlief zum Glück ohne Probleme.

 

Wie beim 35. Wien Marathon im April fuhr ich wieder im Laufkostüm und Hut mit der U-Bahn unterwegs. Es wurde an jeden Stationen immer mehr Marathonteilnehmer*innen zu sehen. Beim Ausstieg an der Haltestelle „Stadion“ war es sehr voll bis zum Ausgang. 

 

In der U-Bahn sprach zufällig ein deutscher Marathoni mich an, ob ich auch aus Deutschland komme? Er hatte mich an meinem Zylinderhut mit dem umgewickelten Deutschland-band leicht erkannt.

Er warnte mir etwas, dass die Laufstrecke in Stockholm wirklich unberechenbar ist und mit vielen Anstiegen zu tun haben. Ich hätte nicht daran gedacht und war mit seiner Vorwarnung etwas dankbar. Er war im letzten Jahr schon mal dort gewesen und deshalb kannte er diese Laufstrecke schon. Etwas in diesem Jahr am Anfang wurde die Marathonroute geändert, sonst alles beim Alten geblieben.

Vor dem Start sollte ich mit meinem Lauffreund Jörg sowie Ralf im Olympiastadion treffen und es war unglaublich richtig voll in dieser Umgebung vom Stadion. Zum Glück war das Wetter nicht so heiß wie gestern, wo es etwas bewölkt war und kein direkter Sonnenschein für uns war zu erkennen. Schnell übers Videochat konnte ich mit diesen beiden gehörlosen Teilnehmern im Stadion locker treffen. 

 

Wir hatten eigentlich unterschiedliche Startblöcke bekommen und ich wollte aus logischem Fairness mit ihnen zuerst am Start antreten. Noch näher wollte ich gern den Lauf vom taubblinden Ralf kennenlernen. Für mich war es wirklich unglaublich mental stark, wie er trotz seiner Taubblindheit so viel Freude sowie große Motivation bei jeden Marathonläufen besaß. Er war schon an vielen Marathonläufen mit Unterstützung von Jörg beteiligt, sogar einmal beim 100-km-Marsch in Belgien.

Das war für mich keine einfache Vorstellung, als taubblinder Läufer auf der langen Laufstrecke im fokussierenden Gefühl unterwegs zu sein. Das muss wirklich für ihn schwer und hart sein! Hut ab für lauffreudigen Ralf! Sein großes Glück war ja dabei, dass er wie Jörg als taubblinden Assistenten zu haben. Denn Jörg kann problemlos die langen Läufe für ihn unterstützen. Wo gäbe es überall die Assistenten, die auch locker Marathon laufen können?

Nun waren wir am Startblock E und bis in dem weiten Startblick war es wirklich voll. Einige Zeit später tippte plötzlich mir auf die Schulter und ich drehte locker um. Was sah ich dabei? Mein großer, vorbildlicher Berliner Kostümläufer Henry stand neben mir da und es war ein lustiges, fröhliches Wiedersehen. Vor der Stockholm-Reise hatten wir uns kurz kontaktiert, dass wir vielleicht mit Glück vor oder nach dem Lauf wiedersehen können?! Das klappte diesmal wunderbar und für ihn war seine erste Stockholm-Reise. Er konnte meine Mitläufer Jörg und Ralf auch später kurz begrüßen. Mittlerweile ließen wir uns locker trennen und jeder lief mit seinem passenden Tempo.

 

Die Startwelle ging schnell als ich erwartet habe. Denn meistens auf anderen Marathonläufen bei sehr vielen Teilnehmern dauerte die Startabstände oftmals über eine halbe Stunde. Diesmal war weniger und für uns war das toll, nicht so lange warten mussten.

Nach dem Startschuss gingen wir bewusst locker zusammen und ein paar Fotos bzw. Videos durften in meiner Sammlung nicht fehlen. Ralf hielt mit einem Deutschland-Band von Jörg fest und es war für ihn die wichtige, unterstützende Begleitung. An der Seite blieb ich laufend weiter und war für mich eine beeindruckende Beobachtung. 

 

Wir blieben weiter zusammen in der Gruppe und wir hatten große Freude beim Laufen, das konnte jeder eindeutig erkennen. Bei 5 km mit leichtem Anstieg konnte man aus der Ferne über das Wasser das Schloss Karlberg sehen, wo heute die Militärschule ist. Immerhin war es noch voll auf dieser Laufstrecke. Endlich konnte ich dem hörenden Jörg sowie seine Lebensgefährtin Kerstin in Stockholm wiedersehen. Sie waren auch super drauf und wir hatten uns das letzte Mal beim 1. Berliner Spreebrücken-Marathon, wo ich leider bis zur Hälfte abbrechen musste, wiedergesehen.

 

Nach dem 7 km war ich mal kurz nach vorne gelaufen und ich wollte auf diesen beiden hörbehinderten Läufern Fotos machen. Da waren sie nach meiner kleinen Wartezeit leider nicht mehr zu sehen und ich lief einfach alleine weiter. Mit Jörg hatte ich vor unserer Hinreise schon darüber informiert, dass ich bis zu 10 Kilometer in seiner Gruppe bleiben werde und später im Sololauf weiter. Da haben sie dafür Verständnis und so hatte ich in diesem Fall so entschieden.  

Bei 8 km erreichte ich das Rathaus der schwedischen Hauptstadt Stockholm (beherbergt den Sitz der Stadtregierung und des Stadtparlamentes). Es lag am südöstlichen Spitz der Insel Kungsholmen am Riddarfjärden im Mälarsee. Zwei Kilometer weiter war dann das königliche Stockholmer Schloss zu sehen, es befand sich auf der Insel Stadsholmen nahe der Altstadt. Es waren die lautstarke Zuschauermenge auf beiden Straßenseiten zu vorhanden.

 

Zwischen 14 und 15 Kilometer lief ich wieder nahe am nördlichen Olympiastadion vorbei. Alles im normalen Marathontempo blieb ich durch und hatte immer weiter Freude an diesem Lauf. In der Zwischenzeit kam eine Frau, die auch aus Berlin kam und vom LG Mauerweg war, bei mir vorbeilaufen und fragte mich, ob ich der Laufblogger namens "Deafrunner" bin? Ich nickte ihnen zu und sie fand meine Berichte toll. Das hat mich wirklich sehr gefreut und so klein kann die Bloggerwelt sein. 

 

Danach ging es weiter in die Richtung Djurgarden. Djurgarden heißt auf Deutsch „Tiergarten“ und ist eine Insel, ein Stadtteil und Parkgebiet im Osten von Stockholm. Die zum Teil bewaldete Insel gehört zum Stockholmer Stadtbezirk Östermalm und auf dieser Insel sind einige der größten Touristenattraktionen Stockholms zu hause. Vasa-Museum, Skansen, Gröna Lund, ABBA-Museum, Junibacken, der Fernsehturm, Waldemarsudde, Rosendal sowie das Wikinger-Museum sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten von dort.

Nach 18 km war ein kombinierter Aussichts- und Richtfunkturm „Kaknästurm“ mit einer Höhe von 155 Metern zu sehen.  Wer Stockholm von oben sehen will, sollte diesen Fernsehturm besuchen. 

Ab dann gab es einige, lange Anstiege zu laufen und das nahm jeder die wertvolle Kraft weg. Trotzdem war bei mir alles noch im Griff und in kleinen Abständen nahm ich bewusst einige Trinkversorgungen an.

 

An der Halbmarathonmarke war ich mit meiner Zwischenzeit von fast 2:16 Stunden angekommen. Damit war ich für mein geplantes Marathontempo gut eingestellt. Auf der linken Seite mit kleinem Entfernungsblick konnte ich den Eingang vom Freilichtmuseum „Skansen“ erkennen.   Skansen ist eines der populärsten schwedischen Reiseziele. Das Freilichtmuseum wird jedes Jahr von rund 1,4 Millionen Menschen besucht. Sie kommen nicht nur aus Stockholm, sondern auch aus aller Welt.

 

Skansen zeigt insgesamt fast 150 Bauten aus ganz verschiedenen schwedischen Landschaften (Skåne bis Lappland) sowie Gesellschaftsschichten.

 

Ein paar Kilometer noch weiter kam dann ein Schwedens ältester Vergnügungspark „Gröna Lund“. Hier findet man derzeit über 30 verschiedene Attraktionen, dazu sechs Restaurants und mehrere Kioske mit Snacks und Süßigkeiten.

 

Zum Glück war ich dann viel im Schattenbereich und am Verpflegungspunkt bei der Halbmarathonmarke gaben für alle einmal saure Gurken zur kleinen Verpflegung und das erinnerte mich beim letzten 15. Spreewaldmarathon. Man konnte nicht so schnell genussvoll aufessen, weil diese Gurken so sehr salzig waren. 

Auf der bekannten Brücke kurz vorm 25 km, wo das Stockholmer Schloss zu sehen war, traf ich den bekannten Hamburger Laufblogger Falko. Ich verfolgte noch bis heute mit Interesse aus seinem Laufblog seine Laufberichte. Für ihn war das 250. Marathonjubiläum und als einzigartiges Kostüm war er als Elch unterwegs. Das war natürlich noch belastender als mein Laufoutfit.

 

Schwedens Hauptstadt teilt sich in zwei Welten, die sich kaum überschneiden und beide den Anspruch erheben, das wahre Herz Stockholms zu sein. Die eine Welt ist der Stadtteil Östermalm rund um den Stureplan. Hier trifft sich alles, was reich und schick ist.

 

Nach dem 25 km erreichten wir die andere Welt Stockholms schräg gegenüber auf der Insel Södermalm. Der ehemalige Arbeiterviertel wird inzwischen als „Schwedens Prenzlauer Berg“ bezeichnet, in Anlehnung an den Szenekiez in Berlin.

Der Vergleich hinkt zwar etwas – in der Tat ist „Söder“ aber zu einem alternativen Wohn- und Ausgehquartier für Künstler und Studenten geworden, das zunehmend auch Touristen anzieht.

 

Auf der steil ansteigenden Straße „Hornsgatan“ war an diesem sonnigen Tag viel los. Viele Anwohner gingen bummeln und einkaufen, saßen fast an allen Straßencafé und waren ebenfalls in bester Zuschauerstimmung. Das hatte mir alles gut gefallen. 

 

Als ich runter von der Hornsgatan-Straße bergab lief, erreichte ich am Ufer des Mälaren, dem Söder Malärstrand meine Eltern sowie seine gehörlose Freunde Lucia und Roland wieder. Dort warteten sie, wo neben unser rotes Übernachtungsschiff stand, auf mein Ankommen. Ich war immer noch entspannt vom bisherigen Lauf und für meinen Besuch war das erstaunlich interessant. Es wurde allmählich immer wärmer und noch habe ich keine belastenden Hitzegefühle bekommen. Nach dem kurzen Plausch mit meinen Bekannten lief ich weiter zum Kai Stadsgården. Dort waren viele angelegte Kreuzfahrtschiffe zu sehen und sozusagen ein Hafenviertel Stockholms. Von dort hat man einen schönen Blick auf die keine 2 km entfernte Altstadt von Stockholm (Gamla Stan).

Bei ca. 33 km kam dann eine etwa 600 m lange Straßenbrücke „Västerbron“. Es war so steil und lang zu laufen. Von da waren meine Kräfte immer weniger zu spüren und ich musste in lockeren Gehschritten beteiligen. Bei jedem Stockholm-Marathon wird über diese Brücke geführt, wobei die Steigung zum Scheitelpunkt der Brücke hin eine Herausforderung für die Läufer ist. Trotzdem hat man allerdings von dort auch eine hervorragende Aussicht über die Stadt.

 

Weiter ging ich nach schwerem Lauf bei 35 km in die Richtung Rathaus und auf der Straße Norr Mälarstrand waren wieder viele Zuschauer*innen vor Ort und das war für mich geil. Sie ließen gern uns abklatschen und feuerten gern lautstark an. Das motivierte mich unheimlich mit und ich lief mit kleinem Biss weiter.

 

Immer weiter in den Norden liefen wir noch mit einigen Marathonis zusammen und wir hatten viel genug Trinkverpflegungen bekommen. Das hatte der Veranstalter schon uns vor ein paar Tagen auf der Homepage groß informiert, aufgrund der unerwarteten Hitze wird man viele zusätzliche 20 Duschstationen aufgestellt. Das Zeitlimit von 6 Stunden wurde auf eine halbe Stunde für uns verlängert, damit wir dort ein angenehmeres, verdientes Marathonerlebnis bekommen sollten. Das fand ich klasse vom Stockholm-Marathon-Veranstalter!

 

3 km vorm Ziel kamen die Tempomacher mit den tragenden Zielzeit-Bannern „4:45“ und da kam meine Vorfreude schon bemerkbar da. Das bedeutete, ich schaffte doch bis unter 5 Stunden zum Ziel und lief etwas mühevoll hinterher.

 

Als ich auf der Straße die 41-km-Anzeige gesehen habe, war ich danach erleichtert, dass das Ziel nicht mehr weit war. Mir fehlen die Worte, eine Biegung, Einlauf ins Olympia-Stadion. Gut besetzt. Das habe ich noch nie gesehen. Und den Applaus! Ich kann nichts sagen...

Für die angereisten Zuschauer habe ich mich mehrmals ins Stadion herzlich bedankt.

Das Ziel, ich laufe mit meinem Smartphone in der Hand über die Endlinie! Geschafft! 4:49 Stunden war doch eine akzeptable Zeit für mich…

Welch' ein Marathonerlebnis! Ich bin sprachlos, etwas erschöpft und dankbar! Die wunderschöne Medaille gibt's beim Rausgehen, das Finisher-Shirt und die Verpflegung danach. Die Profis kennen das ja. Es war dort unglaublich in voller Stimmung.

 

 Jörg und Ralf kamen erst um etwa eine Stunde später ebenfalls glücklich und gesund an.

 

Das war für mich ein sehr schöner, emotionaler Zieleinlauf mit Gänsehaut-Feeling. Ich war glücklich und froh darüber, dass ich in Stockholm viele interessante Sehenswürdigkeiten während meines Laufes genussvoll angesehen habe. Als ich an einigen bestimmten Orten in Stockholm noch nie gesehen hatte, war ich selbst erstaunt darüber. Ich hatte selbst gedacht, dass ich mit der schwedischen Hauptstadt schon alles angesehen habe und da habe ich einen kleinen Teil doch verpasst. Vielleicht komme ich irgendwann mit meiner Frau noch einmal dort und wir machen unseren schönen Kurzurlaub?

 

Ganz besonders habe ich mich dankend gefreut, dass meine lieben Eltern sich kurzfristig entschieden haben, wegen meinem Marathonlauf nach Stockholm zu fliegen und alles ansehen möchten. Umso mehr war es auch wunderschön, dass ich dort meine liebe Bekannte Lucia und Roland wiedergesehen habe und wir gemeinsam unseren Spaß hatten. Das werde ich nie vergessen.

 

Bis in den Abend feierten wir zusammen mit meinen Eltern sowie die schwedische Bekannte im östlichen Stockholmer Stadtteil. 

 

Mit meiner positiven Erfahrung kann ich Euch schon allen gern weiterempfehlen, einmal beim Stockholm Marathon mitzumachen. Es gibt dort wirklich sehr viel zu besichtigen und wer Stockholm nicht auf eigene Faust erkunden will, kann aus einer Vielzahl von kommerziellen Sightseeing-Angeboten wählen. Da Stockholm auf 14 Inseln erbaut ist und 57 Brücken hat, bieten sich vor allem Bootsfahrten an.

 

An die besten Organisatoren von mir natürlich ein herzliches, ausdrückliches Dankeschön sowie Lob! Alles war perfekt und bestens organisiert. Sein Wort wurde eingehalten, nämlich die reibungslose Startnummernausgabe, die Versorgung unterwegs mit Essen und Getränken, die zusätzlichen Wasserduschen (die habe ich immer nicht gemocht, aber doch am Ende sie genutzt habe – den guten Tipp bekam ich vorher vom Berliner Kostumläufer Henry und es hatte sich wirklich voll gelohnt!)

Einfach spitze waren auch die Helfer an jeder Strecke sowie die vielen Live-Bands mit voller, musikalischer Unterstützung und mein großes Respekt ging vor allem an die vielen begeisternden Menschen, sie waren fast überall mit viel Sympathie da. Auch in dieser Richtung: DANKE!!! 

Die Marathonstrecke war ein wenig schwer durch vielen, langen feine Anstiege, was aber für alle nicht so extrem waren. Für mich war sie schon überraschend interessant.

Deswegen war ASICS Stockholm Marathon bisher mein bestes Erlebnis im Jahr 2018. Wien Marathon war für mich auch eine feine Teilnahme, aber um eine Klasse mehr hatte Stockholm die Konkurrenz besser geschlagen.

 

Was später ich dabei mitbekommen habe, waren 20302 Teilnehmer*innen an diesem 40. Marathonjubiläum ins Ziel gekommen. Mit fast 7.000 internationalen Läufern aus mehr als 100 Ländern ist der ASICS Stockholm Marathon auch ein multikulturelles Festival. 

51 Frauen haben 1979 den ersten Stockholm Marathon bestritten und im Jahr haben sich insgesamt 5.694 Frauen beim Marathonlauf angemeldet. Eine tolle Zahl!

 

Am frühen Sonntagmorgen waren wir alle auf der Heimreise und die wunderschöne Zeit war schnell vorbei, leider…


Strecke (Route)


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