4. ORLEN Warschau Marathon


Marathon Nr. 4



24.04.2016

Startzeit: 08:47 Uhr

Startnummer: 4393

Startgebühr: 25 EUR

Marathonauflage: 4

Start: nahe Nationalstadion

Ziel: nahe Nationalstadion

 

Laufzeit: 03:51:34 h

HM-Zeit: 01:45:34 h

Pace: 05:28 km/min

Herzfrequenz: 156

Rundenanzahl: 1

Kalorienverbrauch: 4.351

Finisher: 6591

Rang: 3263

Platz unter Deutschen: 9

Finisher aus Deutschland: 23

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 1006

Temperatur (min): 7 C

Temperatur (max): 11 C

Wind: -

Niederschlag: anfangs leichter Regen, später trocken

Wetterstand: bewölkt

Höhenmeter: 84



Endlich Warschau stadtnah erleben

Als gebürtiger Pole erstmalige Marathonteilnahme in Polen

Die Meerjungfrau ist das Symbol Warschaus.
Die Meerjungfrau ist das Symbol Warschaus.

Am 08. Mai 2016 war mein Plan, beim Prag Marathon teilzunehmen. Leider war die Anmeldung schon nach 3 Wochen seit dem Beginn der Anmeldung komplett ausgebucht, kein Wunder bei der Teilnehmerzahl in der Höhe von ca. 12.000 konnte man nicht genug Zeit haben, um die Startplätze zu bekommen. Da suchte ich die andere Alternative für meinen nächsten Marathonlauf und soll nicht soweit von Deutschland sein. Ich wurde schnell fündig. Diesmal geht meine 4. Marathonreise zu unserem östlichen Nachbarland Polen in der Hauptstadt Warschau.

 

Ein kurzer Wochenendtrip mit Marathonteilnahme in Warschau konnte ich nicht nein sagen, als ich in der Homepage vom "ORLEN Warschau Marathon" gründlich angeschaut habe. Alles reizt mich an und der Startpreis für alle Teilnehmer, ohne Meldefrist, ist mit 25 EUR preiswert. Darin sollen mit Laufshirt, warme Verpflegung nach dem Zieleinlauf sowie die Finishermedaille und vieles mehr inbegriffen sein. Also, anmelden und teilnehmen!

"ORLEN" - ein polnisches Mineralöl- und Tankstellenunternehmen zeigt seinen guten Ruf zum vierten Mal mit seiner Marathonveranstaltung im Frühjahr von Warschau. Neben dem Herbstklassiker Ende September hat die polnische Hauptstadt nun zwei große Marathonveranstaltungen im Jahr. Im Vergleich mit Berlin eine Seltenheit!

Ich bin selbst ein geborener Pole, aber mit 3 Jahren wurde ich in die ehemaligen DDR umgesiedelt, als meine Eltern in Polen (Mutter Polin und Vater ehem. DDR-Bürger) geheiratet hatten.  In meinem Leben war ich noch nie in Warschau gewesen, meine Eltern seit 1968 dort auch nicht mehr gewesen. Deshalb mein spontanes Entschluss, am 3. Aprilwochenende nach Warschau zu fahren und miterleben.

 

3 Monate vor der Warschaureise habe ich bei der DB mit dem bekannten "Europa-Sparpreis" die sehr günstige Bahnfahrkarte erworben (pro Hinfahrt kostete nur 29 EUR). Für mich ist es billiger, als wenn ich allein mit dem Pkw nach Polen fahre, denn dazu kommen die hohe Spritkosten sowie die blöde Mautgebühr.

 

Am Freitag, 22. April 2016 war mit der 5-stündigen Bahnfahrt ab Berlin Ostbahnhof nach Warschau sehr angenehm. Im Zug gab es freies WiFi-Surfen sowie ein gratis Getränk, ein super Service vom polnischen Bahnunternehmen!

 

Kurzer Fußweg (ca. 350 m) zum Hotel vom Warschauer Hauptbahnhof, als ich dort pünktlich angekommen war. Zufriedenstellend war die gesamte Ausstattung im Hotel für mich. Den restlichen halben Freitag nahm ich die lockere Stadtbesichtigung teil. Am Abend war ich beim polnischen erstklassigen Fußballpunktspiel zwischen Legia Warschau und KS Cracovia anwesend. Tolle Stimmung bei 25.000 Zuschauern. 4:0 für Warschau war der Endstand.

Vor dem Frühstück möchte ich gern etwas joggen und konnte entspannt mit 8 km mittendrin in der polnischen Hauptstadt mitmachen. Unbedingt wollte ich mal das bekannte Nationalstadion aufs Blick werfen, wo dort sich bei der Fußball-EM 2014 stattgefunden hatte.

 

Bevor ich meine Startunterlagen abholen möchte, habe ich mir am Freitagabend im Hotel ausgekundschaftet, welche Sehenswürdigkeiten kann man in Warschau zu besichtigen? In der gesamten Vormittagszeit am Sonnabend war ich fast an allen Sehenswürdigkeiten von Warschau beteiligt und ich hatte mit Hilfe der Stadtkarte von ADAC in der Hand.

Zum Nachmittag war ich endlich bei der Marathonmesse nahe am Nationalstadion. Es war fast überall gleich wie bei den anderen Marathonläufen. In den Startunterlagen war ein rotes T-Shirt sowie die Werbeartikeln zu sehen, alles in dem Startpreis inklusive.

Bis zur Pasta-Party (erst ab 17 Uhr offen) hatte ich noch etwas Zeit, um einmal ins Nationalstadion zu besichtigen. Es war so groß und zurzeit wurde der Rollrasen neu angelegt, bald kommt ein polnisches Pokal-Endspiel in diesem Stadion. 

 

Bei der typischen Pasta-Party habe ich zufällig ein gehörloser, leidenschaftlicher Marathonläufer, Roman (59) aus Minsk (Weißrussland), getroffen. Seine Freundin war ebenfalls dabei und wir hatten ein angenehmes Gespräch. Unsere Gebärdensprache kann man zum Glück ein wenig international kommunizieren. Er hatte mich zufällig mit Glück erkannt, dass ich durch meine Gestik als Zeichensprache mit dem anderen hörenden Läufer auffällig war. Da wusste er sicher, dass ich auch hörgeschädigt bin.

 

Nach einiger Unterhaltungszeit war ich erstaunt, als ich ihm nach seiner Anzahl der Marathonteilnahmen gefragt hatte. Über 600 Marathonläufen hatte er bis jetzt teilgenommen und ich kann nur mein Hut abnehmen, so viele Läufe hat man nicht locker mitgemacht. 

DEAF VIDEO: Kleine Info mit Roman aus Minsk (Weißrussland)

mit seinen über 600 Marathonteilnahmen

Beim Frühstück im Hotel kam zufällig im TV eine Info über diesen Marathon in Warschau, wo die gesamte Laufstrecke gezeigt wurde. Da war ich ein etwas aufgeregt und dachte nach, ob ich dort was Interessantes ansehen konnte?

Danach war schon ein wenig stressig für mich. Ich musste überall vor Ort suchen, wo die bestimmte Bereiche wie z.B. für Umziehen, die Kleiderbeutelaufbewahrung sowie mein Startblock zu finden kann?

 

Das Wetter war wirklich "russisch" kühl und das im April! Vor ein paar Stunden hatte es hier geregnet und man konnte die feuchte Kühle spüren.

 

Mit Roman hatte ich beim zufälligen Treffen vereinbart, dass wir vorm Start Fotos machen wollen. Das klappte und er hatte ja seine Erfahrung, er war schon zweimal dort. Er war so cool und konnte mich etwas beruhigen, da ich langsam hektisch war.

 

Im Startbereich waren in Zeitblöcken aufgeteilt und auf der anderen Straßenseite war die 10-km-Teilnehmer*innen zu sehen. Sie werden in der anderen Gegenrichtung starten. Das war für mich neu und interessant.

Nach dem Startschuss für uns war alles reibungslos sauber gestartet.

 

Gleich am Anfang über 1 km kam ich zur neuen Brücke, wo man an der weiteren Sicht der Skyline von Warschau zu sehen konnte. Bis zur Altstadt kam ich schon bei 5 km und bis zur 10-km-Markierung konnte ich einiges viel mitansehen. Diese Strecke verlief ja durch die Stadt. Ab danach war es nur noch durch das Wohngebiet, Felder und manchmal auf einfachen Straßengebieten zu laufen. Es war alles auf ordentlichem Asphalt. 

 

Mein Lauftempo war bis zu Halbmarathonstrecke relativ gut und meine Pace war 5:00 min / km. Ab dann war es schwierig, weiter auf diese Pace zu behalten. Ab 23 km musste ich ca 7-8 km lang mit Gegenwind laufen. Ich wunderte mich immer wieder, warum viele Läufer hinter mir verfolgten. Das war für mich eigenartig (später hatte ich irgendwo mitbekommen, dass alle wegen "Windschutz" suchten!).

 

Ab 35 km (nach 3:05 Std) konnte ich nur noch abwechselnd gehen und leichtes Joggen mitmachen und kurz vorm Ziel gab ich die mitgeteilte Botschaft mit erhobenen Händen ein Schild "Berlin liebt Warschau". Es gab von einigen Zuschauer*innen Applaus für mich, für mich war es selbstverständlich, dass ich offen bekanntgab, dass ich diese polnische Stadt auch liebe.

 

Es blieb mir ein Rätsel, warum ich nach 35 km nicht mehr geschafft hatte, weiter mit meinen Kräften erhalten zu bleiben. Jedoch war ich sehr erleichtert, dass ich wieder unter 4 Stunden zum Ziel angekommen war. Meine Zielzeit war 3:52:01 Std und bekam eine sehr schöne Finishermedaille.

Die Verpflegung nach dem Lauf war wieder klasse und jeder konnte viel annehmen, wie man es möchte?! 

Einige Zeit später traf ich wieder der gehörlose Weißrusse Roman und später durch Zufall einige polnische Gehörlosen, die 10 km teilgenommen hatten. Nach dem gemütlichen Plausch mit dieser Gruppe nur noch schnell umziehen und wieder nach Berlin mit dem Zug nach Hause. Es war für mich ein erfolgreicher Marathonlauf und kann gern an die anderen weiterempfehlen. Warschau ist eine Reise wert, egal ob mit Marathon oder nicht.

 

Unterm Strich kann ich Euch ruhig zugeben, es war für mich ein erfolgreicher Marathonlauf und hatte sich gelohnt, in Warschau alles mitgemacht zu haben. Eine tolle Hauptstadt mit einer interessanten Mischung aus Alt und Neu. Es scheint so, dass Polen mehr zum Westen Europas gehören möchte.

Die Organisation sowie die gesamte Abwicklung für diesen Laufwettbewerb waren einmalig klasse. In den nächsten Jahren werden sicher noch mehr Teilnehmer*innen beim ORLEN Warschau Marathon kommen.

Merkwürdig war für mich, ich hatte mal kurz im Internet nachgeschaut. Nur 23 deutsche Teilnehmer*innen waren am Start, obwohl 

die Startgebühr nicht so hoch war (25 EUR)! Schade...


Strecke (Route)


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