9. Chemnitz Marathon


Marathon Nr. 6



03.07.2016

Startzeit: 09:30 Uhr

Startnummer: 40441

Startgebühr: 45 EUR

Marathonauflage: 9

Start: Am Wall (Roter Turm)

Ziel: Am Wall (Roter Turm)

 

Laufzeit: 04:03:29 h

HM-Zeit: 01:53:49 h

Pace: 05:57 km/min

Herzfrequenz: 163

Rundenanzahl: 4

Kalorienverbrauch: 4.254

 

Finisher: 1967

Rang: 652

Platz unter Deutschen: 97

Finisher aus Deutschland: 132

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 352

Temperatur (min): 15 C

Temperatur (max): 22 C

Wind: teilweise ganz schwach

Niederschlag: -

Wetterstand: bewölkt

Höhenmeter: 135



Alles nur wegen "Karl Marx"

Zufälliges Wiedersehen vor und nach dem Marathonlauf

Finishermedaille 2015 mit dem Motiv "Karl Marx"
Finishermedaille 2015 mit dem Motiv "Karl Marx"

Es war nicht einfach, mitten in der sommerlichen Hochsaison in Deutschland, ein Stadtmarathon zu finden, wegen der klimatischen Verhältnissen. Mal kann der Sommer heiß und trocken, aber auch kalt und nass werden.

Trotzdem hatte ich einfach versucht, für den Monat Juli ein passender Marathon für mich zu suchen. Unter einer Bedingung, es sollte nicht zu weit von meinem Zuhause sein. Da wurde ich Chemnitz mit seinem Sommermarathon fündig. Ich schaute mir einige Berichte sowie Fotos von seinem letzten Jahr 2015. Es waren viele positive Kommentare zu lesen und das Besondere hatte mir sehr gut gefallen, nämlich die Finishermedaille 2015 mit dem Bildmotiv "Karl Marx". Diese Medaille soll in meiner Sammlung abgelegt werden.

Die Stadt Chemnitz wurde nach der Wende von der ehemaligen Karl-Marx-Stadt wieder umbenannt. Das Karl-Marx-Monument (Denkmal), ein Wahrzeichen von Chemnitz, steht bis heute noch nahe am Stadtzentrum.

 

Bevor ich diesen Marathon anmelden möchte, hatte ich meinem gehörlosen Lauffreund Robert kurz nachgefragt, ob er auch Interesse hat, mit mir nach Chemnitz zu fahren und dort teilzunehmen. Über diese tolle Medaille habe ich ihm auch darüber berichtet und er war ebenfalls begeistert. Denn er ist ein waschechter Ostberliner und kannte auch in der DDR-Zeit die Karl-Marx-Stadt. So hatten wir unser gemeinsames Ziel, diese interessante Medaille abzuholen, wie schön! Er meldete sich fürs Halbmarathon an, bei mir wie immer die Königsdisziplin Marathon.

Abgemacht hatte ich mit ihm, dass ich die Pkw-Reise übernehmen möchte und gleich am frühen Morgen war die Abfahrt nach Chemnitz.

Die Fahrt auf der Autobahn war sehr angenehm, es war Sonntag und ganz wenig war es los im Straßenverkehr. So hatten wir unser gesamtes ruhiges Gespräch und die Zeit verging schnell vorüber. Es war unsere erste gemeinsame Laufreise.

Die Stadt Chemnitz bot allen Teilnehmern, die mit Pkw unterwegs waren, kostenfreies Parken auf allen Plätzen - ein tolles Service der Stadt! So parkten wir nahe vom Karl-Marx-Denkmal, um nachher schnell ein paar Fotos von ihm zu besorgen.

Das Wetter war optimal für einen Stadtlauf, unabhängig von den verschiedenen Distanzen (5 km, 10 km oder Halbmarathon). Die Sonne lachte bei angenehmen 18/19 Grad C und es wehte ein leichtes Lüftchen. Die Streckenbeschaffenheit war ein Gemisch aus Straßen und weicherem Boden im Park, also für uns schon eine Abwechslung wert.

 

Die Startnummer-Abholung war schnell und locker, für die Marathonteilnehmer war der Startpreis mit dem Laufshirt inklusive. Robert wollte auch eins haben und kaufte zusätzlich mit ein. Die Startnummern waren leicht zu sehen, die Anfangszahlen zeigten für die Distanzen wie z.B. 5 km - 5.000 bis 5.999, 10 km ab 10.000, bei den HM ab 20.000 und für Marathonis ab 40.000 leicht erkennbar.

 

Es ging vorm Start schon viel los nahe am Roten Turm im Stadtzentrum. Ich war schon auf einer bestimmten Person im Kopf fixiert, nämlich dem veganer Läufer namens Felix. Ich kannte ihn in Berlin durch die Laufgruppe "Vegan Runners", ein feiner und ganz netter Kerl. 

Es war klar sehr leicht zu finden, denn mit Hilfe der einheitlichen, grünen "Vegan Runners"-Laufshirt konnte man nicht lange suchen.

Schnell klopfte ich ihm auf seine Schulter in der Startzone für Marathonis und er war selbst überrascht. Ein lustiges Wiedersehen war für uns diesmal, ich hatte ihm erzählt, dass ich nie zuvor in Karl-Marx-Stadt gewesen war und deswegen habe ich anlässlich dieses Laufes optisch an der ehemaligen Namensgeber der Stadt angepasst. Es war etwas zu kurz mit dem Bartwuchs, aber trotzdem schon ein wenig sichtbar. Wenn ich noch früher mit dem Chemnitz-Marathon geplant hätte, hätte ich den Bart noch mehr wachsen lassen.

Er fragte mir nach meiner Zielzeit, für mich war an erster Stelle, einfach entspannt durchzukommen und ein schönes Erlebnis sollte sein. Er möchte gern die Zeit von 3 Std 30 min erreichen. Wie immer schnell ein Foto mit ihm besorgen, denn man sieht sicher nur einmal im Leben! Später stellte ich fest, dass er ein gebürtiger Karl-Marx-Städter und das hatte mich wirklich überrascht. Sozusagen ein Heimvorteil für ihn vielleicht?

Der Startschuss pünktlich um 9:30 Uhr war gefallen. Ich hatte für den Anfang schon vor, so nah wie möglich bei Felix dranzubleiben und mit seinem Tempo anzupassen. Das klappte und ich war mit seinem Laufstil damit zufrieden. Ein schöner Nebeneffekt war es, dass wir uns als Vegan-Runners-Doppelpack vor den Augen des gut gelaunten Publikums durch die Reihen der anderen Läufer*innen schlängelten.

 

Über eine Stunde hielt ich bei Felix an den Fersen fest, bis ich zur Pinkelpause halten musste, war er schon über die Berge... Später haben wir uns wieder entgegenkommen sehen und da war uns klar, dass wir unseren eigenen Lauf laufen würden. Ich machte an diesem Marathontag ganz locker und entspannt, machte ein paar Fotos und unterhielte mit den anderen Läufern.

Nach der 3. Runde sah ich endlich meinen Schwager Gerd mit seinem Sohn Sava nach langer Zeit wieder. Sie kommen aus dem Erzgebirge und ist nicht weit von Chemnitz mit dem Pkw unterwegs. Ich hatte ihn schon vor meiner Chemnitz-Reise informiert, ob er mal vorbeikommen bzw. mit anschauen kann? Bei diesem Wiedersehen machte ich eine ca. 10-Minuten-Pause zur Unterhaltung. Sie meinten, ich soll weiterlaufen und um meine Zeit kämpfen, klar war meine Antwort: "Es ist mein Lauf und ich kann machen, wie ich will! Es ist auch ein Sonntagslauf!" Da hatten sie einfach gelacht und waren mit meiner Lockerheit erstaunt darüber. Noch eine letzte Runde in den Park lief ich mit dem Zusammenspiel zwischen Gehen und Joggen. Zum Ziel durch die Chemnitzer Altstadt war ich verwundert auf meine Zielzeit, 4:03:29 Stunden kam ich zum Ziel locker und gelassen an trotz zwischendurch meiner Unterhaltung am Streckenrand stehenden Verwandten. 2. Überraschung war auch für mich, als ich ein paar gehörlose Bekannte nach langer Zeit wiedergesehen habe. Ich kannte sie aus der damaligen Zeit, wo wir uns bei den Gehörlosen Ostdeutschen Meisterschaften im Fußball aufeinander gespielt haben. Sie konnten sich gar nicht vorstellen, dass ich schon ein Marathoni geworden bin und ich nicht erschöpft am Ziel war. Sie zeigte mir sein Respekt! Sie wohnen im Chemnitzer Raum und waren an den kleinen Läufen (5 km) anwesend, was für mich auch toll fand?!

 

Als ich die Finishermedaille bekam, war ich ein wenig enttäuscht, nicht wegen seinem Material aus Holz, sondern das Bildmotiv gefiel mir nicht. Kein Karl Marx! Robert war selbst auch betroffen und wir hatten uns gedacht, dass das Motiv für alle Jahre immer wegen dem Chemnitzer Wahrzeichen gleichbleibend war. Später stellte ich es fest, dass es immer jedes Jahr ein anderes Motiv erscheint, hatte ich nicht vorher gewusst. Trotzdem war für mich ein schöner Marathontag und ein paar Stunden Gebärdenplausch mit den anderen gehörlosen Teilnehmern wieder schnell nach Hause. Auf der Rückfahrt hatte ich mich dann entschieden, dass ich die nächsten Marathonteilnahmen nicht mehr um die Zeit laufen werde, sondern einfach gut und gesund ankommen, dabei geht für mich auch nur noch um schöne Erlebnisse. Man darf nicht vergessen, dass ich nur für mich laufe und nicht für die anderen... 


Strecke (Route)


Kommentar schreiben

Kommentare: 0