15. Mitteldeutscher Marathon


Marathon Nr. 10



09.10.2016

Startzeit: 09:02 Uhr

Startnummer: 475

Startgebühr: 40 EUR

Marathonauflage: 15

Start: Leipzig, Zentralstadion

Ziel: Halle, Marktplatz

 

Laufzeit: 03:58:22 h

HM-Zeit: 01:57:47 h

Pace: 05:39 km/min

Herzfrequenz: 169

Rundenanzahl: 1

Kalorienverbrauch: 4284

Finisher: 356 (für Marathon)

Rang: 199 (für Marathon)

Zeitverschiebung: -

Reisekilometer: 258

Temperatur (min): 6 C

Temperatur (max): 9 C

Wind: leicht

Niederschlag: anfangs trocken, später Regen

Wetterstand: bewölkt

Höhenmeter: 38



Marathonpremiere als Kostümläufer mit Hut

Wiederbelebung der Marathonstecke aus dem Jahre 1925

Am Abend gab die olympische Feier für Waldemar Cierpinski, DDR-Olympiasieger von Montreal 1976, in Halle.
Am Abend gab die olympische Feier für Waldemar Cierpinski, DDR-Olympiasieger von Montreal 1976, in Halle.

Die schon lange angemeldete Teilnahme beim 31. Budapest Marathon (ebenfalls am 9. Oktober) habe ich vor über einem Monat verzichtet, zusammen mit meiner Frau wollten wir nicht unsere 18-jährige Perserkatze (seit Juni dieses Jahres erblindet worden) wegen der langen Reisezeit nicht im Stich lassen. Deshalb habe ich mich aus diesem Grund beschlossen, solange unsere Katze noch lebt, werde ich die nächsten Marathonteilnahmen nur auf deutschem Boden mitmachen. Dafür sind wir schnell im Notfall für die  Katze erreichbar.

Mit der Absage beim Budapest Marathon hatte ich einfach Glück, als ich mit dem Veranstalter mit meiner Bitte um die Kostenerstattung von 50% angeboten hatte. Er zeigte mir schnell Verständnis und konnte sein Kulanz mir anbieten. Ich soll im nächsten Jahr trotzdem nach Budapest fliegen und den Marathon teilnehmen. Mein erfreulicher Respekt an dem Veranstalter!

 

Mit dieser Absage konnte ich nicht ohne Marathonlauf in diesem Zeitraum damit zufrieden sein. Nur so habe ich schnell ein kleines Marathonjubiläum gefunden und es war unweit von zu Hause. Nicht nur beim 15. Mitteldeutschen Marathon in Halle war dieses Jubiläum zu erleben, sondern gleichzeitig feierte Waldemar Cierpinski (geborener Hallenser) seinen Olympiasieg als erster deutscher Marathonläufer vor 40 Jahren in Montreal (Kanada) eine große Party. Der Veranstalter bot die Neuauflage der Marathonstreckenführung von Leipzig bis Halle. 1925 war mit dieser Strecke die erste deutsche Meisterschaft im Marathon und mit dem Marathon 2002 als Unterstützung der Olympiawerbung von Leipzig wiederbelebt.

Am Samstag waren wir mit einer 180 km Autofahrt schon in der Mittagszeit in Halle gut angekommen. An einem kleinen Altstadtbummel waren wir beteiligt und erst ab 14 Uhr war für die Abholung der Startunterlagen vom Mitteldeutschen Marathon (MDM) geöffnet. Am großen Marktplatz konnte man schon einiges mit dem Aufbau für dieses Laufevent sehen.

 

Gemeinsam mit meiner Frau holten wir unsere Startunterlagen ab. Meine Frau war für einen 3.6-km-Lauf angemeldet. Alles verlief schnell und problemlos. Zufällig habe ich dem leidenschaftlichen Laufblogger Anton mit seiner Frau im Rathaus gesehen. Er schreibt für die Webseite "marathon4you" nach seinen Marathonteilnahmen immer interessante Laufberichte und ich verfolge sehr gern mit seinem Laufblog. Deswegen konnte ich leicht ihn durch das Foto aus der Blog-Webseite sowie seine Baseballkappe mit dem "marathon4you"-Logo erkennen. Für mich war er ein lockerer und netter Typ, nachdem wir ein kurzes Kennenlerngespräch teilgenommen hatten.

 

Die Olympiaparty von Waldemar Cierpinski, selbst der Veranstalter vom 15. Mitteldeutschen Marathon, war unweit vom Marktplatz und fand im Sportcenter statt. Er ist selbst dort der Geschäftsführer im Sportcenter tätig. Bis zur Eröffnungsfeier blieben wir noch in der Stadt und ab 19 Uhr war die Feier schon in voller Stimmung. Diese Teilnahme war ein Bonus vom MDM, das bedeutet, alle angemeldete Teilnehmer*innen für Marathon bekamen für diese Feier den freien Eintritt. Ansonsten kann man gegen die kleine Zuzahlung dort mitfeiern. Es wurden einige bekannte Sportler wie Paul Biedermann (Rio-Olympiateilnehmer Schwimmen 2016), Julia Lier (Rio-Olympiasiegerin im Rudern), Radsport-Legende Täve Schur, Andreas Hajek (Ruder-Doppelolympiasieger in Rio) sowie Waldemar Cierpinski geehrt.

Bei der olympischen Feier berichtete Waldemar Cierpinski vor Ort, wie er bei seinem olympischen Marathonlauf in Montreal 1976 (Kanada) sich dabei fühlte. Er konnte sich erst im Laufe des Rennes vom Favoriten Frank Shorter etwas absetzen. Durch das Marathontor lief er hinunter total erschöpft. Im Hintergrund spielte schon die Nationalhymne und er glaubte, er wäre der Führende. Seine Kräfte waren am Ende, aber er musste noch eine Runde auf der Tartanbahn laufen. So hatte man angezeigt. Er erkämpfte sich mit einer zusätzlichen Runde, doch auf der Zielgerade sah er seinen Verfolger Shorter schon im Ziel. So hatte Waldemar gedacht: "Der ist doch nicht an mir vorbei, das kann ja nicht sein". Später stellte sich heraus, es war ein Fehler mit der Zusatzrunde. Sein Verfolger hatte die Runde gespart. 

Dafür gab es bei der olympischen Feier in Halle von den fast 300 Partyteilnehmer*innen einen großen Applaus. Es wurde auch die originelle Kurzfassung von seinen Marathonläufen (1976 und 1980) gezeigt, wie er sich ins Ziel angekommen war?!

 

Als die Vorstellung zu Ende war, konnte ich locker mit ihm ein stolzes Gruppenfoto teilnehmen. Ein bodenständiger, lockerer Typ, der Waldi - das gefiel mir! Für die Übernachtung haben wir für die Jugendherberge entschieden, da es unweit vom Marktplatz war. Dafür brauchten wir bis zum Hauptbahnhof zu Fuß ca. 20 min.

Am frühen Sonntagmorgen für mich schnell ein lockeres Frühstück, darunter waren einige Marathonis in der Jugendherberge zu sehen. Dann ein kleiner Fußmarsch bis zum Hauptbahnhof, wo dann nur 30 Minuten Fahrtzeit mit der S-Bahn nach Leipzig war.

Ich wusste gar nicht, dass die beiden Städte Halle und Leipzig nicht weit voneinander lagen. In der Bahn waren sehr viele Laufteilnehmer*innen zu sehen. Mit der Straßenbahn noch weiter bis zum Startort (nahe Red-Bull-Arena vom Fußballverein RB Leipzig). Ich hatte vorher für diese Hinfahrt einstündige Stunde genau geplant.

 

Wie überall bei Marathonwettkämpfen standen vor Ort WC, Kleiderbeutelabgabe sowie Betreuer zur Verfügung. Überraschend war für mich, dass es dort sehr viele Nachmeldungen gab. Ich hatte Glück mit dem Wetter, denn es sollte Dauerregen geben. Also für mich ein trockener Startbeginn möglich! Es hatte auch mit meiner Begründung zu tun.

Eine erstmalige, seltene Besonderheit für mich: An meiner 10. Marathonteilnahme habe ich eine einzigartige Laufbekleidung besorgt.

Für mich war es vollkommen eine unerfahrene Neuheit gewesen!

 

Warum ich für dieses Kostüm entschieden habe, kann ich Euch gern etwas berichten:

Beim letzten Usedom-Marathon habe ich zufällig ein Berliner Marathonläufer, namens Henry, kennengelernt, der lässt sich bei JEDEN Laufwettbewerben mit einem Ganzkörperanzug mit weißem Hut auflaufen, er stellte sich als „Gangster“ dar. Für mich war wirklich schön. Klasse fand ich auch das, als ich bewusst mit ihm beim Laufen nach dem Startschuss bis zum 10 Kilometer auf der Usedomer Strandpromenade (von Swinemünde bis Heringsdorf) gemeinsam unterwegs war. Er bekam sehr viel von vielen Zuschauern großen Applaus und die Motivation am Laufen ging nicht verloren. Für mich war das bemerkenswert wichtig und konnte dabei was Schönes miterleben. Das hätte ich von ihm nicht gedacht und für seinen Mut muss ich einfach mein Hut abnehmen. Respekt!

 

Deshalb habe ich für diese Teilnahme auch ähnliches mit dem Ganzkörperanzug als „Zauberer“ entschieden, beim Mitteldeutschen Marathon (MDM) aufzutreten. Normalerweise war mein Interesse an diesem Kostüm nach kurzer Zeit verschwunden. Als ich beim Berliner Tierparklauf (jeden 2. Septemberwochenende) zufällig mit Henry getroffen hatte, hatte er mir sofort gefragt, ob ich auch das Kostüm für mich gefunden habe? Da war der Knackpunkt, wo ich dann mich gründlich im Onlineshop alle verschiedenen Kostüme angeschaut hatte. Es gab über 100 Kostümmotive zur Auswahl und für mich waren fast alle nicht so reizend wie seins. Da er aber mit dem weißen Hut auftritt, wollte ich nicht 100% nachmachen lassen. Aus diesem Grund habe ich mir den schwarzen Hut genommen und ich brauchte lange Zeit zum Nachdenken, ob ich wirklich FÜR IMMER dieses Kostüm mit Hut auflaufen möchte? Jedoch war meine Entscheidung angekommen, ich werde es annehmen!!! Zu Hause hatte ich mehrmals ausprobieren lassen, wie man anzieht, wie man locker öffnen kann usw.? Das war nicht einfach, aber alles hat seine Übungssache. Sehr aufgeregt war ich ja vor Ort, denn ich konnte leider nicht vorausschauen, was dabei rauskommt und wie ich mich dann fühle? In der Containerbox mit den anderen Marathonteilnehmern ließ ich mich ganz entspannt umziehen, als ich fast den ganzen Kostüm angezogen hatte, haben einige große Augen gemacht. Ich brauchte etwas lange, bis ich alles mich richtig angezogen war. Bei der Abgabe meiner Kleiderbeutel gab es einige Gelächter, noch war es mir zu peinlich. Aber ich MUSSTE durch, es gab kein Zurück!

Für mich war ein sehr schönes, zufälliges Wiedersehen, denn Henry, der bekannte Berliner Kostümläufer war auch beim MDM dabei. Er hatte sich kurzfristig entschieden. Ich habe mich für sein Kommen sehr gefreut und da hatte ich meine gute Möglichkeit, etwas darüber zu unterhalten sowie ein Foto mit ihm zu besorgen. Schöne Zufälle findet man nicht so oft im Leben. Für mich wird diese Erinnerung stets bleiben.

Ein mulmiges Gefühl war es, mit meinem Ganzkörperanzug dann die ganze Marathondistanz zu laufen. Im Hintergedanken machte ich mir zu viel Sorgen, ob es alles gut geht? Henry war an diesem Tag cool und hatte ja seine Erfahrung von seinen vielen Läufen.    

Beim Startschuss um 9 Uhr war nicht so attraktiv gewesen, im Hintergrund gab Probleme mit der Startpistole (Einklemmung), aber nach wenigen Sekunden war doch der Start frei für alle Läufern. Halle, die Händelstadt, kann kommen!

 

Bei meiner Frau war der Start erst um 11 Uhr am Marktplatz in Halle und mit 3 Runden zu bewältigen.

Die ersten 25 Kilometer lief ich mit den anderen Läufern auf dem Hochwasserdamm der Neuen Luppe, auch Luppe-Kanal (künstlicher Nebenarm der Weißen Elter) genannt. Zu sehen war im Allgemeinen nicht viel. Teils waren wir auch in den Wäldern unterwegs.

Die Verpflegungsstationen waren mit dem zahlreichen Angebot zu finden. Mit der Streckenmarkierungen (Kilometeranzeige) verfolgte ich seelenruhig mit Hilfe meiner GPS-Sportuhr „Garmin“. Alles ungewollt nach passendem Plan…

Kurz auf den Elsterradweg und später in den Diskauer Park, da hat man die halbe Fahrbahn für uns alleine. Seltsam war es, dass der Gegenverkehr kaum kam.

 

5 km vorm Ziel durch die bewohnte Gegend, da hatten wir endlich etwas mehr Zuschauer. So macht dann mit dem Laufen mehr Spaß… Die letzte Herausforderung war Anstieg an der großen Brücke, wo oberhalb der Brücke die Bahnlinien zu sehen waren. Einige Kilometer durch den Parkweg und neben dem Hauptbahnhof von Halle vorbei war ich nur noch bergab (1,5 km) zum Ziel durch die Hallenser Altstadt. Das war eine geile, super Unterstützung für mich, so leicht war das Zieleinlauf bisher für mich nicht. Viele Zuschauer gaben uns Applaus, dass wir trotz Regen doch keine „Weicheier“ waren. Ab 28 km hatte es leider geregnet und keiner hatte es sich beschwert.

 

Am Ziel war ich erleichtert mit dem Laufkostüm und selbst erstaunt, dass ich nicht über 4 Stunden (3:58:22 h) gelaufen war. Da konnte ich davon 4 aus 10 Teilnahmen unter 4 Stunden erreichen, ein kleiner Stolz zum jungen Jubiläum von MDM für mich. Ich war noch überglücklich darüber, dass meine Frau mit ihrem Lauf geschafft. Wir hatten gleiche schöne Finishermedaille und zu diesem Event haben wir uns gesagt, es war einfach schön. Meine Schwiegermutter war vor Ort auch da und ihre gehörlose Freundin Rita, die in Leipzig wohnt, war zu Besuch. Sie selbst war sehr überrascht, dass ich im Kostüm angekommen war. 

 

Danke Halle! Für mich sowieso ein gelungener Highlight! Die nächste Marathonreise mit dem Kostüm wird mit großer Sicherheit weitergehen...

 

Gleich an diesem Tag waren wir am Abend schon zu Hause und konnten dann mit unserer Katze wieder kuscheln…. :o) Sie war froh darüber, dass wir sie nicht zu lange im Stich gelassen hatten. Einen großen Dank an meine Eltern, die während unseres Tagesausfluges in Halle auf unsere Perserkatze gut gekümmert hatten.


Strecke (Route)


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