16. Dubai Marathon


Marathon Nr. 1



23.01.2015

Startzeit: 07:00 Uhr

Startnummer: 991

Startgebühr: 93 EUR

Marathonauflage: 16

Start: Umm Suqeim Road

Ziel: Umm Suqeim Road

 

Laufzeit: 03:50:39 h

HM-Zeit: 01:43:37 h

Pace: 05:27 km/min

Herzfrequenz: -

Rundenanzahl: 1

Kalorienverbrauch: 4393

Finisher: 1967

Rang: 652

Platz unter Deutschen: 97

Finisher aus Deutschland: 132

Zeitverschiebung: 3 h

Reisekilometer: 9.212

Temperatur (min): 15 C

Temperatur (max): 22 C

Wind: -

Niederschlag: -

Wetterstand: wolkenlos

Höhenmeter: 52



Einmal Marathon, immer Marathon!

Erfolgreiche Marathonpremiere im arabischen Übermorgenland

Steffen mit seiner Frau Gerlinde beim 41. Berlin Marathon
Steffen mit seiner Frau Gerlinde beim 41. Berlin Marathon

Als mein gehörloser Freund Steffen, der im klassischen Rollstuhl saß und mit einem Arm die Königsdisziplin beim 41. BMW Berlin Marathon am 22. September 2014 bis zum Ziel (3:49:47 h) erfolgreich rollte. Da war ich völlig sprachlos und konnte wirklich gar nicht glauben. Das war sein erster Marathon überhaupt und stolz war ich natürlich zu seiner respektablen Bestleistung als Rollstuhlteilnehmer. 

An diesem dritten Septembersonntag waren meine Frau, meine Eltern, seine Ehefrau sowie seine Mutter und ich am Zielbereich anwesend und wir hatten ihn mit Begeisterung verfolgen lassen. Es war eine tolle Stimmung mit super Laufwetter in Berlin.

 

Steffens Frau Gerlinde meinte zu mir, dass ich auch schaffen kann. Als ich vorher ihr gesagt hatte, ich erreiche das nicht mit seiner Zeit im Marathonlauf, denn ich war immer noch sehr beeindruckt von der Steffens Marathonteilnahme.  

So kamen wir einige Zeit später zu einem intensiven Gesprächsstoff "Marathon". Denn Steffen hatte schon beim 16. Dubai Marathon ohne Wenn und Aber locker angemeldet. Er fragte direkt zu mir, ob ich auch mit ihm in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) mitfliegen bzw. beim 16. Dubai Marathon am 23.01.2015 mitmachen möchte? Das war für mich keine leichte Entscheidung, denn ich hatte null Erfahrung und keine Vorstellung für einen Marathonlauf. Nach langem Überlegen habe ich mich doch entschieden, zum ersten Mal in meinem Leben beim Marathon in Dubai, ein junger Staat am Persischen Golf, teilnehmen werde. Mit meiner Frau werde ich natürlich dort im Anschluss als gemeinsame Urlaubsreise einplanen.

 

Die Onlineanmeldung war für mich einfach gewesen und mit kleiner Aufregung konnte ich erfolgreich anmelden. Ich war zum ersten Mal richtig froh. "Ich laufe den Marathon zum ersten Mal", hatte ich selbst zu mir gesagt! Die Startgebühr für diesen langen Lauf war 93 EUR angegeben, das war für mich eine unvorstellbare Summe. Bisher hatte ich meistens bis zu 50 EUR pro Wettkampf bei meinen bisherigen Halbmarathonläufen bezahlt. Einfach Augen zu und dort miterleben - das war mein erster Gedanke! Danach buchten wir für unseren Urlaub die Flüge und Übernachtungen problemlos. Steffen wird mit seiner Mutter als Begleitung nach Dubai fliegen und wir kannten schon vorher sein Hotel. Da hatten wir natürlich bewusst, unsere Übernachtungen im Hotel so nah wie möglich von seinem Urlaubshotel zu buchen, um unsere Kontaktverbindung erhalten zu bleiben.

 

Nun stehe ich vollkommen im Tal der Ahnungslosen, wie ich mich für einen Marathonlauf gut vorbereiten soll? Ich kaufte ein paar Fachbücher und las auch viel im Internet über die olympische Königsdisziplin. Etwas war ich dann gut einstudiert und das Wichtigste für eine erfolgreiche Teilnahme ist ein vernünftiges Trainingsprogramm. Zum Glück konnte ich über ASICS-Homepage ein kostenloses Trainingsplan besorgen. Nun wurde man mir die Frage gestellt, welche Zielzeit für meinen Marathon möchte ich erreichen? Kurz überlegt und kopierte einfach von Steffens Bestleistung beim Berlin Marathon 3:49 Std im Kopf nach, also für mich 3:45 Stunden. Ein 16-Wochen-Trainingsplan mit 3 bis 4-mal pro Woche wurde man mir aufgestellt! Oh Gott, so einen harten Trainingsplan hatte ich noch nie gehabt!

 

Es klappte fast mit meinen regelmäßigen Trainingseinheiten durchgehend, mal Kurz-, Mittel- und Langstrecken, ab und zu mal Intervalle (Tempoläufe). Ich hatte Glück, dass ich mit meinem Plan keine Erkältung oder irgendwelche Verletzungen bekommen hatte.

Eine Sache belastete uns sehr. Unser Hauskater Polo wurde im Dezember 2014 seine linke Auge wegen Tumor operiert und es war erfolgreich. Nun begann sein neuer Lebensabschnitt als Einäugiger. Das war für uns eine völlig unerfahrene Situation, aber er war so tapfer, dass er nach kurzer Zeit schon mit seiner neuen Lebenssituation angepasst hatte. Nun war die Frage mit seiner Heilungszeit dran, es muss positiv ausgehen. Es wird erst entschieden, ob er dann ohne seine Halskrause eine Woche vor unserer Dubai-Reise weiterleben kann? 

Zum Glück war seine Heilung sehr gut und für uns war wirklich die große Erleichterung. Bei Nichterfolg wären wir zu Hause geblieben und weiter mit ihm mit seiner Halskrause unter Beobachtung. 

Ein großes Dankeschön ging auch an meine Schwiegereltern, die auf unseren Polo gut aufgepasst hatten und wir bedenkenlos in den Urlaub fliegen konnten.

 

Andere ungewissere Sache für mich war auch, wie wird das Wetter in Dubai sein, wird es sehr warm werden, so dass ich mich nicht mit meiner Marathonpremiere anpassen kann? Denn Mitte Januar ist bei uns klar der kalte Winter, aber in Dubai etwas milder oder wärmer.

Mit dem Trainingsprogramm für meinen Marathon hatte ich fast nur in den kühlen und später kalten Monaten trainiert. Das wird ganz bestimmt für mich eine große Umstellung geben. Das gab mir keine Sicherheit im Kopf!

Um die gute Akklimatisierung mit dem Wetter für meine Teilnahme zu bekommen , hatten wir bewusst ein paar Tage früher als der Marathonstart nach Dubai geflogen. Es war gar nicht so warm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das war ein angenehmeres Klima, ein Hauch Spätfrühling, und das war gut so. Der Flug nach Abu Dhabi, Hauptstadt von den VAE, war angenehm und dann weiter mit dem zweistündigen Bustransfer nach Dubai. Ich war so erstaunt darüber, dass dort sehr viel mit der modernen Architektur gleich sofort zu erkennen war. Nicht zu vergleichen mit unserem deutschen Staat. 

 

Die ersten beiden Urlaubstage waren wir für uns allein und hatten viel um die bekannten interessanten Sehenswürdigkeiten Dubais alles angesehen, was für eine moderne Stadt. Wahnsinn! Ein guter Vorgeschmack für meine baldige Marathonpremiere. Die Aufregung war noch nicht zu spüren, aber beruhigt war ich mit dem milden Klima und das passte nach meiner Vorstellung. Gott sei Dank!

Zweimal konnte ich vor dem Frühstücken im Hotel leichte Trainingsläufe absolvieren. Einmal davon hatte ich einen starken, kurzen Regen bekommen und das war in Dubai in diesem Monat sehr selten. Einmaliges Erlebnis für mich, mein Freund Steffen war mehrmals mit seiner Frau in Dubai, denn in den Wintermonaten ist für Steffen zu kalt für sein Körper, deswegen sein Ausgleich in die Vereinigte Arabische Emirate. 

Für Steffens Mutter war eine schöne Überraschung, nach dem wir in ihrem Hotel persönlich abgeholt hatten. Wir haben uns vereinbart, sie nicht verraten lassen, dass wir auch in der gleichen Zeit in Dubai sind und wir beim Dubai Marathon am Start teilnehmen werden. Das war schön, sie mit ihrem erstaunlichen Blick gesehen zu haben.

Video: visit of dubai

Zwei Tage vor dem Marathontag wollten wir unsere Startunterlagen abholen. Es befand sich am Sky Drive, dem führenden Anbieter von Fallschirmsprüngen in den Emiraten, wo man mit dem 5-minütigen Sinkflug mit der spektakulären Aussicht auf Palm Jumeirah teilnehmen kann. Palm Jumeirah ist von oben aussehend wie eine stilisierte Palme und ist bekannt dort als Palmeninsel zu erkennen.

 

Locker haben wir die kleine Marathonmesse gefunden und es waren ganz wenige Teilnehmer*innen zu sehen. Für mich unvorstellbar, denn beim Berliner Halbmarathon auf der "Vitalmesse" war dort viel mehr zu sehen als hier.

Alles locker verlief die Abholung der Startunterlagen. Draußen im Hintergrund war der Anblick auf die wunderschöne, moderne Hochhäuser sowie vom ADIDAS aufgestellter Laufschuh in ultra-großer Optik. In den Startunterlagen bekamen wir nur Startnummernschild (mit eingeklebter Chip von Mika Timing für die Zeitmessung) sowie ein paar Infobroschüren. Das Gute war für alle Teilnehmer, jeder bekam ein neongrünes ADIDAS-Shirt (für Frauen pink-farbig) mit dem kleinen Aufdruck "Dubai Marathon 2015". Das kann man in guter Erinnerung haben. Die Aufregung für meine baldige Marathonteilnahme begann schon bei der Abholung.

 

Ein halber Tag vorm Marathonstart waren meine Frau sowie Steffens Mutter beim Shoppen unterwegs, für uns die Männer ein Ruhetag inkl. Dehnungs- sowie Massageprogramm in seinem Hotel. Es sollte möglichst wenig gelaufen werden. Meine Aufregung wurde immer auffällig größer und am Abend bekam ich durch die intensive Massage an den Waden etwas Schmerzen, obwohl es wirklich mir gut getan hatte. Oh Gott, vielleicht kann ich morgen nicht mehr laufen und muss mit meinem Traum als Marathonneuling verzichten? Ich blieb trotzdem cool.

 

Eine weitere Ungewissheit war für mich ebenfalls da, Die Zeitverschiebung zwischen hier in Deutschland und Dubai beträgt in der Winterzeit 3 Stunden voraus. Der Start beim Dubai Marathon ist um 7 Uhr, das heißt, für uns in der regulären Zeit 4 Uhr morgens und dann noch früher aufstehen, maximal 3 Stunden vorm Startbeginn. Dem entspricht für meinen Biorhythmus eine große Umstellung.  Kein Wunder, dass meine Nacht sehr kurz war und hatte kein optimalen Schlaf bekommen. Die Aufregung war zu mächtig als der Verstand. Das Gute für mich war, dass ich davor mich gut vorbereitet hatte, was ich zur Marathonpremiere anziehen bzw. mitbringen soll. Somit spare ich den unnötigen Stress! 

Am Marathontag waren wir zum anderen Hotel, wo Steffen mit seiner Mutter dort übernachtete. In diesem Hotel gab extra für Marathonteilnehmer aus anderen Ländern ein tolles Frühstücksbuffet. Der Hotelmanager war so nett, dass wir auch daran kostenlos teilnehmen durften. Vorher ließen wir uns in der Hotellobby die Wettervorhersage für diesen Marathonlauf anschauen, es ist alles in optimalem Klima. Wir waren damit zufrieden und haben unsere positive Einstellung für unseren Lauf nachher.

 

Anschließend waren wir mit dem vorbestellten Taxi unterwegs zum Startpunkt. Es gab aber Probleme mit der Orientierung vom Taxifahrer, er kannte nicht den genaueren Ort, wo wir dann aussteigen konnten. Das war für uns ein wenig ärgerlich, zufällig war ein Polizeiauto da und wir nahmen mit der Polizei den Kontakt auf. Die Polizei hatte für uns Verständnis und war bereit mit seiner Unterstützung.  Was wir dann nicht damit gerechnet hatten, die Polizei ließ uns mit dem Blaulicht gemeinsam schnell zum Start fahren lassen. Das war für uns geil und das am sehr frühen Morgen... Alles war so abgesperrt mit dem Sicherheitspersonal. Mit ein wenig Hektik machten wir uns die wichtigen Vorbereitungen, vor allem für Steffen mit seinem Rollstuhl. Es musste zusätzlich mit einer Vorderradgabel angeschlossen und gut justiert werden. Es klappte ganz gut, denn er hatte ja seine Erfahrung. Ich habe es zum ersten Mal diese Konstruktion angesehen.

Blaulicht-Einsatz zum Startbereich

Laut Ausschreibung soll man spätestens 30 Minuten vorm Start im abgetrennten Bereich sein. Die Kleidersäcke sollte rund 1 km vom Startbereich abgegeben werden, wir hatten unser Glück, unsere Begleiterinnen (Steffens Mutter und meine liebe Frau) konnten für uns mitnehmen. 

Steffen möchte schon, dass ich mit ihm ganz vorne am Startbereich antreten soll, anfangs war es mir zu peinlich, aber immerhin hatte er mich überreden lassen und ich war mit ihm an der ersten Stelle, was für ein tolles Gefühl. 

 

Ich konnte schon auf der anderen Straßenseite sehen, wie die Profis, vor allem die Schwarzen aus Afrika, sich bei den lockeren Läufen aufwärmten. Ein paar Topläufer aus Afrika waren schon ganz vorne zu sehen, sozusagen am Elitenbereich. Einige Zeit später waren die anderen afrikanischen Topathleten gleich zu unserem Startbereich. Ich wunderte mich schon, warum sie nicht in der Elite standen. Es gab aber danach ein paar wütende Diskussionen zwischen den Topläufern und Organisatoren, die Schwarzen wollten noch ganz vorne anstellen, da dort noch welche zu sehen waren. Aber es war zu spät für sie und sie mussten bei uns bleiben. Sehr sauer waren sie am Start und ich konnte nur noch meine Augen reiben, wie sie sehr klein waren und mit der kühlen Frische waren für sie noch kalt, sie haben sich gefroren und für uns die Normalosen waren mit der Temperatur sehr angenehm.

 

Steffen sowie die restlichen Rollstuhlteilnehmer waren ebenfalls empört darüber, denn im Bereich der Elite-Gruppe (afrikanische Spitzenläufer) waren ein paar Mitstreitender, ebenfalls im Rollstuhl und für Steffen war es nicht normal. Er meinte mit dem europäischen Kampfrichter, dass alle gleich behandelt werden sollte. Aber der Kampfrichter war ein wenig aggressiv mit den Diskussionen und die 2. Reihe der Rollis mussten aufopfernd nachgeben. Ich fand es auch schade. 

 

Ich konnte schon sehen, dass viele Teilnehmer im Hintergrund aus aller Welt kamen. Sie machten sicher auch Urlaub wie wir oder waren auf einem Kurztrip.

Zum Glück war noch relativ kühl bei 15 Grad und es war immer noch dunkel. Wie ich es mitbekommen hatte, dass die Siegesprämie hier 250.000 USD beträgt und für den Weltrekord gibt es sogar zusätzlich 1 Mio USD. Es wurde aber hier noch nie gebrochen.

Als der Startschuss (6:59 Uhr) für die Elitegruppe gefallen war, waren sie schon sehr schnell weggerannt. Die restlichen afrikanischen Spitzenläufer bei uns wollten auch gleich losstarten, aber durch die Sicherheitsleute wurden sie weiterhin abgesperrt. Ein paar Afrikaner konnten doch unter der Sperrleine flüchten und mit der ersten Gruppe mitverfolgen. Aber ein Schwarzer wurde vom Sicherheitsmann festgehalten und auf dem Boden abgelegt. Das war kein schöner Anblick für uns. Es tat mir so leid, denn dieser Kenianer war klar hierhergekommen, um sich für sein Leben mit dem Lauf zu verdienen. Ich konnte es alles mitansehen, denn durch Steffens Bitte war ich mit ihm an der vorderen Seite, das war ein Glück für mich. Ein herzliches Dankeschön an Steffen!

 

Für uns ein paar Minuten später der zweiter Startschuss, alle liefen locker los... Jetzt begann meine richtige Marathonreise und ich hatte eine ganz einfache Sportuhr, ohne GPS-Funktion sowie ohne Herzfrequenzmessung beim Lauf und ich konnte nur die Zeit ablesen, nachdem jede Kilometerschilder an der Straßenseite aufgestellt wurden. Nur dann wusste ich, welche Pace (Durchschnittstempo pro Kilometer) ich zurzeit hatte.

Bis zum 10. Kilometer war es alles optimal, es wurde die Teilnehmermasse immer dünner und ich hatte völlig freie Bahn auf den breiten Straßen. Es gab einige anfeuernden Zuschauern, überwiegend waren sie die Touristen und wenig Einheimischen zu sehen.

Bestimmte Sehenswürdigkeiten wie gleich am Anfang Burj al Arab, viele Moscheen und vieles mehr konnte ich während meines gleichmäßigen Laufes ansehen.

 

Alle 2,5 km gab es jeder Verpflegungspunkt die Wasserversorgung mit kleinen Wasserflaschen und alle 5 km zusätzlich Isostar in Bechern. Leider gab es zum Essen nichts. 

Bis ich 12 km erreicht hatte, sah ich die erste Verfolgergruppe aus Afrika an der anderen Straßenseite. Für mich ein ungewöhnliches Erstaunen, sowas hatte ich noch nie in der Realität gesehen, sonst kannte ich nur aus den Fernsehen.

Immer wieder schaute ich nach der Uhr, alles lief nach meinen Wünschen. Die Kondition war noch da. Ab 27 km bemerkte ich schon, dass meine Laufkraft nachgelassen wurde und ich versuchte das Tempo ein wenig runterzukurbeln. Es wurde immer wärmer und die Sonne schien an der Seite, zum Glück nicht ins Gesicht.

Ab 33 km sah ich gezwungen, für kurze Zeit mit dem Laufen abzubrechen und weiter in den Gehschritten zu nehmen. Ich fragte mich immer wieder, ob es für mich normal war, beim Laufen etwas abzubrechen und für kurze Zeit Laufpause einzulegen?

Ich sah aber immer wieder, es gab ein paar Läufer, sie hatten Krämpfe und mussten mit Dehnungsversuchen machen lassen.

Ich war relativ froh, dass ich keine Krämpfe an den Beinen hatte. 

 

Als ich bei 39 km den vorletzten Verpflegungspunkt gesehen hatte, es gab auch Cola zur Verfügung und da hatte ich einfach Appetit auf Zuckerschub. Es war halbvoll im Plastikbecher und ich trank locker aus. Was ich nicht damit gerechnet hatte, bekam ich nach ein paar Minuten sehr starke Magenkrämpfe. Ich hatte das Gefühl, ich habe Glassplitter getrunken und ich sah gezwungen, schnell zur Toilette zu gehen. An der Straßenseite war ein nobles Villenviertel zu sehen, ich nehme es an, das war ein edles Ferienwohnungsgebiet. Soll ich trotzdem auf der öffentlichen Wiese mein "Geschäft" ablegen? Diese Frage stellte ich immer wieder in meinem Kopf! 

Ich hatte trotzdem mich entschieden, diesen Notfall zu nehmen. Auf der halben Straßenseite stand ein Polizeiauto und zum Glück konnte sie mich nicht richtig erkennen. Ich hatte mal bei meiner Hinreise im Flug gelesen, dass in Dubai strikt verboten in der Öffentlichkeit zu pinkeln. Oh Gott, vielleicht bekomme ich eine satte Strafe? Ein paar Touristen schauten mich verwundert an und waren mit meiner Notsituation nicht begeistert. Sie konnte mich leicht erkennen, dass ich ein Deutscher war, aufgrund meiner erkennbaren Brustaufschrift "BERLIN" und "Deutschlandflagge". 

Ich brauchte fast 10 Minuten, um mein Bauch wieder freizumachen, es war sehr anstrengend gewesen. Obwohl ich die ganze Zeit beim Laufen nur Wasser getrunken hatte, verstand ich nicht, warum ich trotzdem Krämpfe im Magen hatte? 

Steffen war bisher noch nicht zu sehen, das heißt, ich war immer noch vorne. Das war für mich unwichtig und konnte weiter bis zum Ziel mit schweren Beinen laufen. Als ich das 42-km-Schild gesehen und dabei auf die Uhr geschaut hatte, bekam ich sofort meinen großen Freudentränen. Ich schaffte mit meinem Zielzeit unter 4 Stunden zu erreichen und war dabei das letzte restliche Meter bis zum Ziel im Tunnelblick. Ziel, Ziel und Ziel!!! So war mein Kopfspiel herumgetanzt und ich hatte bei meiner Absprache vorm Startbeginn mit meiner Frau nicht eingehalten, ich sollte einmal kurz auf die Tribüne vorm Ziel anschauen, damit sie mir ein paar Fotos machen kann. Ich war einfach überglücklich und möchte nur noch zum Ziel ankommen. Oben am Zielbereich stand die Uhr und zeigte mir 3:50 Std. HURRA!!! Ich habe meine Marathonpremiere meisterlich bestanden und war einfach nur happy!!! Ich brauchte einige Zeit, um das zu verstehen, dass ich tatsächlich es geschafft habe. Mein Fleiß im Trainingsplan hatte sich sehr gut ausgezahlt! Mein deutscher Traum wurde die arabische Wahrheit!!!

 

Nach dem erfolgreichen Zieleinlauf bekam ich sehr stolz die wohlverdiente Finishermedaille und dann kamen meine Frau sowie Steffens Mutter direkt zu mir. Es gab Umarmungen und Gratulationen für mich. Danach fragten sie mich nach Steffen, ich konnte Steffen ein paar Kilometer nach dem Start nicht mehr sehen. Für kurze Zeit möchte ich allein für mich sein und schaute immer wieder auf meine Uhr: 3:50:43 Std Das war meine Zielzeit und hatte nie geglaubt, dass ich es schaffen werde. Dann ärgerte ich mich ein wenig darüber, warum ich diesen blöden Cola genommen hatte, ganz bestimmt wäre ich unter 3:45 Std angekommen und das war sicher mein leichtsinniger Anfängerfehler, denn ich hatte im Training noch nie ausprobieren lassen, ob ich mittendrin beim Laufen mit Cola-Getränk vertragen kann?

Noch peinlicher ging es für mich nicht, viele hatten sich über mein Laufshirt gelacht und es gab auch ein Gruppenfoto mit dem anderen Zielläufer. Ich verstand erstmal nicht, aber danach wurde man mir locker erklärt und ich bekam großen Schreck!

An beiden Brustwarzen wurde stark verblutet und man konnte dann leicht erkennen an den beiden roten Blutflecken, oh Gott!

Dabei hatte ich gar nicht bemerkt, dass ich Schmerzen hatte. Ein paar Läufer zeigten mir, wie sie mit dem Pflaster abgedeckt hatten. Wieder ein typischer Anfängerfehler! Ich fühlte mich wie ein angeschossener, deutscher Terrorist.

 

Steffen kam nach 20 Minuten von meinem Zieleinlauf gesund zum Ziel. Natürlich gab es von uns eine innige Umarmung und wir waren mit allem damit zufrieden. Später hatte Steffen uns auch berichtet, er hatte auch Probleme mit der Toilettennutzung, man konnte ihm nicht die Möglichkeit als Rollstuhlteilnehmer geben, wo er locker ablassen konnte. Er sah auch gezwungen, in der halben Öffentlichkeit zu pinkeln. Unsere Männer hatten Probleme mit der Toilette, das war wirklich ein komischer Witz!


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